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Virtuelle Sabotage und digitale Erpressung

28.08.2014 – Die Fälle von Computer- und Internetkriminalität nehmen weiter zu. Das zeigen das „Lagebild Cybercrime“ des Bundeskriminalamtes (BKA) und aktuelle Umfragen des IT-Verbands Bitkom. Einen deutlichen Anstieg der amtlich gemeldeten Fälle gab es im Jahr 2013 bei der Computer-Sabotage und der Erpressung von Internetnutzern. Nach einem vorübergehenden Rückgang erlebt das Phishing mit immer raffinierteren Methoden ein Comeback.

Zunehmend im Fokus steht das Problem der Wirtschaftsspionage. „Insbesondere der hoch spezialisierte deutsche Mittelstand mit seinen vielen hidden champions in den Bereichen Maschinenbau, Elektrotechnik oder Fahrzeugbau ist ein beliebtes Angriffsziel“, so Bitkom-Präsident Dieter Kempf.

„Die meisten IT-Sicherheitsvorfälle werden vor Ort verursacht“, sagte Kempf weiter. 58 Prozent der attackierten Unternehmen sagen, dass die Störungen von eigenen oder externen Mitarbeitern verursacht wurden. „In der Regel kennen sich Innentäter mit den Gegebenheiten in den Betrieben gut aus und stehlen gezielt bestimmte Datensätze oder schleusen Schadprogramme in die IT-Systeme ein“, sagte Kempf. Darüber hinaus berichtet fast ein Drittel (30 Prozent) der Unternehmen, dass Angriffe auf ihre IT-Systeme über das Internet erfolgt sind. Hierzu zählen Denial-of-Service-Attacken oder gezielte Einbrüche in die IT-Systeme über das Internet.

Neben der Erpressung von Privatpersonen existieren mittlerweile auch Varianten von Ransomware, die auf die Infektion von Server-Systemen ausgelegt sind und somit auch eine Gefahr für klein- oder mittelständische Betriebe darstellen können.

Wirtschaftskriminalität

(Klicken zum Vergrößern) Grafik: Cybercrime erreicht die Wirtschaft, vornehmlich aber durch die reale Tür. (Quelle: Bitkom)

„Die Cyberkriminellen reagieren professionell und flexibel auf neue Sicherheitsstandards und passen ihre Methoden schnell den geänderten Rahmenbedingungen an. Das Gefährdungspotenzial für jeden Internetnutzer bleibt daher weiterhin hoch“, sagte BKA-Präsident Jörg Ziercke.

„Cyberkriminalität kann jeden treffen“, so Kempf. Dagegen müssten Staat und Internetwirtschaft gemeinsam vorgehen. Kempf: „Internetnutzer können sich gut schützen, wenn sie die Gefahren kennen und sich achtsam verhalten.“

Zwar verzeichnet die Polizeiliche Kriminalstatistik für 2013 mit insgesamt 64.426 Fällen von Cybercrime lediglich eine Steigerung von rund einem Prozent gegenüber dem Vorjahr (63.959). Polizeiliche Ermittlungen und verschiedene Studien weisen jedoch auf ein großes Dunkelfeld hin. Bei einzelnen Deliktsformen sind deutliche Anstiege bei den Fallzahlen zu verzeichnen: in den Bereichen „Fälschung beweiserheblicher Daten, Täuschung im Rechtsverkehr bei Datenverarbeitung“ eine Steigerung von 15 Prozent auf 9.779 Straftaten sowie bei „Datenveränderung/Computersabotage“ ein Anstieg um 18 Prozent auf 12.766 Straftaten.

Cyberattacken

(Klicken zum Vergrößern) Mehr als die Hälfte der Internet-Nutzer wurde in den vergangenen zwölf Monaten Opfer von Cybercrime. (Quelle: Bitkom/BKA)

Nachdem 2012 durch verschiedene Schutzmaßnahmen der Kreditinstitute, beispielsweise die Einführung des mTAN-Verfahrens, die Sicherheitsstandards beim Online-Banking erhöht wurden, haben nach Feststellung des BKA die Täter reagiert und neue Schadsoftware und Vorgehensweisen entwickelt, um diese zu überwinden.

Auffällig ist außerdem die Zunahme der Delikte, bei denen das BKA das Internet als Tatmittel registrierte. 2013 wurden hier 257.486 Fälle gemeldet und damit rund 12 Prozent mehr als im Vorjahr. Nach den Ergebnissen der Bitkom-Umfrage wurden bei 40 Prozent der befragten Internetnutzer in den letzten zwölf Monaten die Computer mit Schadprogrammen infiziert. Knapp ein Fünftel (19 Prozent) gibt an, dass ihre Zugangsdaten zu Internetdiensten ausspioniert wurden. Bei 16 Prozent sind im Namen der Nutzer bzw. von ihrem Account illegal E-Mails versendet worden. 14 Prozent wurden von einem Geschäftspartner betrogen, zum Beispiel beim Online-Shopping oder bei einer Auktion.

47 Prozent der Befragten verschicken vertrauliche Dokumente nicht mehr per E-Mail, fast ein Drittel (29 Prozent) verzichtet auf Online-Banking und ein Viertel (24 Prozent) auf das Einkaufen im Internet. Ebenfalls ein Viertel macht einen Bogen um soziale Netzwerke, ein Fünftel (21 Prozent) nutzt keine Cloud-Dienste und 17 Prozent buchen weder Reisen noch Mietwagen im Netz. Kempf: „Das sind alarmierende Zahlen, weil dieser Trend die digitale Entwicklung bremst.“ (vwh)

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