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Versicherungsvereine und Solvency II: auf der Überhol- oder Abbiegespur?

14.07.2014 – monika_koestlin_vvagWie wird Solvency II den Markt verändern? Welche Konsequenzen hat das neue Regelwerk für kleinere Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit? Benötigen diese ab 2016 sogar ein neues Geschäftsmodell? Antworten auf diese, die Branche sehr umtreibenden Fragen, versucht im Rahmen der heutigen Handelsblatt-Tagung das geschäftsführende Vorstandsmitglied des Verbandes der Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit e.V., Monika Köstlin. Im Interview mit VWheute antwortet Köstlin auf die Frage, ob im Rahmen von Solvency II eher die Chancen denn die Risiken dominierten.

Köstlin: Die Risiken schätzen wir derzeit als überschaubar ein, allerdings wird sich die Wirklichkeit erst nach der Scharfschaltung von Solvency II in 2016 abzeichnen.
Bei konsequenter Anwendungsmöglichkeit der Proportionalität sehen wir neben den bisherigen Vorteilen des Geschäftsmodells der kleineren VVaG (z.B. Kundennähe, Fokus auf Mitgliederinteressen) weitere strategische Vorteile, die wir als Chance nutzen können. So z.B. relativer Kostenvorteil.

VWheute: Was stellt für kleinere VVaG im Rahmen von Solvency II die größte Herausforderung dar?

Köstlin: Die größte Herausforderung für unsere Häuser ist es, die Umsetzung von Solvency II im Wesentlichen mit den vorhandenen Bordmitteln, insbesondere hinsichtlich Personalkapazität, durchzuführen. Selbstverständlich sind wir alle bereit auch Investitionen, die im Zusammenhang mit Solvency II entstehen, zu tätigen. Die hieraus resultierende Belastung muss jedoch proportional zur Größe unsere Häuser bleiben. Es muss gewährleistet sein, dass Datenanforderungen, Methoden und Berichtspflichten von uns darstellbar sind und inhaltlich bzw. betriebswirtschaftlich Sinn ergeben.

VWheute: Benötigen kleinere VVaG ein neues Modell?

Köstlin: Unsere ursprüngliche Angst, Solvency II könnte zur Marktbereinigung führen, haben wir überwunden, indem wir in den vergangenen zwei Jahren aktiv an Lösungsansätzen gearbeitet haben. Hierzu haben wir im Verband der Versicherungsvereine eine Arbeitsgruppe gegründet, die sehr regelmäßig tagt und sich außerdem der Unterstützung des GDV und der Wissenschaft (insbesondere der Universität Oldenburg, Herrn Prof. Dr. Pfeifer) bedient. Interessenvertreter dieser Gruppe haben zudem mehrere Gespräche mit der Bafin und der Politik gesucht. Der bisherige Dialog mit der Aufsicht zu den Herausforderungen für kleine Häuser erweist sich als sehr konstruktiv und wir erfahren Verständnis für unsere skizzierten Vorgehensweisen. Letztlich ist in unseren Häusern zumeist auch das Risikoprofil deutlich einfacherer als in anderen Versicherungsunternehmen und dies vor dem Hintergrund meist sehr guter Kapitalisierung. Entsprechend sehen wir keine Notwendigkeit der Veränderung unserer langjährig bewährten Geschäftsmodelle.

Die Fragen stellte Alexander Kaspar.

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