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Versicherungsstandort Ostdeutschland: die Geschichte prägt die Struktur

21.08.2015 – einheit_pixelioDie Zentren der deutschen Versicherungslandschaft sind in wenigen Clustern zu finden. Fast 60 Prozent des Beitragsaufkommens wird von Versicherern mit Sitz in Bayern und Nordrhein-Westfalen erwirtschaftet. Doch wie sieht speziell die Situation in den neuen Bundesländern aus und welche Besonderheiten gibt es?

In den neuen Bundesländern ist die Versicherungswirtschaft, bezogen auf Erwerbstätige und Sitzstandorte, deutlich unterrepräsentiert. Diese Situation ist historisch bedingt, da in der DDR keine differenzierte Versicherungslandschaft existierte. Das Privatkundengeschäft der Staatlichen Versicherung der DDR wurde von der Allianz übernommen. Die Allianz verfügt damit über eine starke Stellung in den neuen Bundesländern, ist aber in der Folge auch immer wieder stark durch Schäden betroffen gewesen. Beim Hochwasser im Frühsommer 2013 beispielsweise kamen bei der Allianz 80 Prozent der Schadensmeldungen aus den neuen Bundesländern.

Eine Herausforderung der Versicherer bezogen auf die neuen Bundesländer ist die sich anders als im Westen verlaufende demographische Entwicklung, die unter anderem für die privaten Krankenversicherer an Brisanz gewinnt. In Ostdeutschland ist die Abnahme der jungen Bevölkerung Motor der Alterung, in den alten Ländern dagegen ist es die Zunahme der alten Menschen, stellte Iris Gleicke, Beauftragte der Bundesregierung für die neuen Bundesländer, in einer Analyse fest.

Nach dem Fall der Mauer erbrachten die deutschen Versicherer hohe Transferleistungen in Höhe von geschätzten zehn Mrd. D-Mark bis Ende 1992, um marktwirtschaftliche Versicherungsstrukturen aufzubauen und konnten so rasch für eine Angleichung des Versicherungsmarktes in West und Ost sorgen. Zu einer größeren Zahl von heute in den neuen Bundesländern mit Hauptsitz ansässigen Versicherern führte dies aber nicht. Nur drei der 383 deutschen Versicherer aus den Sparten Lebens-, Kranken-, Schaden-/Unfall- und Rückversicherung haben laut dem Statistischen Taschenbuch der Versicherungswirtschaft 2014 des GdV ihren Hauptsitz in den neuen Bundesländern.

Verteilt man das Beitragsaufkommen in diesen Sparten nach Hauptsitzen, werden nur 0,3 Prozent von Versicherern mit Hauptsitz in den neuen Bundesländern vereinnahmt. In den fünf neuen Ländern sind 11,8 Prozent der Erwerbstätigen der deutschen Versicherungswirtschaft tätig. Zum Vergleich: Betrachtet man die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland insgesamt, entfallen 17,5 Prozent auf die neuen Bundesländer. (mh)

Bild: Jörg Sabel / pixelio.de

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