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Versicherungsaufsicht: Von reiner Produkt-Genehmigung zum internen Risikomanagement

06.03.2015 – Solvency II wird heute im Bundesrat verabschiedet. Damit steht dann die Umsetzung in deutsches Recht fest, die bereits 2007 hätte kommen sollen. 2007 hat die Europäische Kommission dann immerhin einen Vorschlag für eine Solvency-II-Rahmenrichtlinie dem Europäischen Parlament und Rat vorgelegt. Im Umfeld der geplatzten ersten Dotcom-Blase, im Fahrtwind der Bankenregulierung Basel II, war eine Modernisierung der Versicherungsaufsicht großes Thema.

Im Juni 2002 erstmals nachweislich in der Versicherungswirtschaft erwähnt, hat Solvency II sich schnell zum Terminus Technicus entwickelt für eine grundlegende Überarbeitung der Versicherungsaufsicht:

“Versicherungsaufsicht bedeutete noch vor zehn Jahren im wesentlichen Genehmigung von Produkten und Tarifen”, schrieben die akademischen Versicherungsexperten Klaus-Wilhelm Knauth und Thomas Schubert im Juni 2003. Bemerkenswert fanden die beiden – Veröffentlicht in Heft 12/2003 der Versicherungswirtschaft – den anvisierten Paradigmenwechsel: “Aufsicht hat künftig die Qualität des internen Risikomanagements jedes einzelnen Unternehmens im Auge.”

Nach einer Untersuchung der Kölnischen Rückversicherung – Veröffentlicht in Heft 19/2003 der Versicherungswirtschaft – hatten sich erst 32 Prozent der befragten Sachversicherer mit den voraussichtlich ab 2007 geltenden Eigenkapitalvorschriften “recht intensiv bis sehr intensiv” beschäftigt. Tatsächlich war hier davon ausgegangen worden, dass Solvency II ab 2007 in Kraft tritt.

Ob die deutliche Verzögerung daher rührt, dass die Bafin “bei Solvency II kräftig mitmischen” wollte? Der damalige Bafin-Präsident Jochen Sanio bezeichnete im Februar 2004 das Thema als “Großbaustelle, die uns in den kommenden Jahren stark beschäftigen wird.”

Das Phasing-in, gemäß der von der EU-Aufsicht Eiopa veröffentlichten Leitlinien beginnt bereits 2014, meldete VWheute im November 2013: “Teile der Meldevorschriften sollen ein Jahr später anlaufen und bis 2016 soll das Regelwerk final in Kraft treten. Großes Kopfzerbrechen bereitet der Versicherungswirtschaft die ORSA genannte Risiko- und Solvabilitätsbeurteilung.”

Solvency_Zeitplan

(Klicken zum Vergrößern) Grafik: Der Zeitplan der Umsetzung von Solvency II. (Quelle: Steria Mummert/ Assekurata)

Im August 2014 stellte das Business- und Managementmagazin Versicherungswirtschaft Nachholbedarf bei den Berichtspflichten fest: “Jeder vierte deutsche Versicherer kann Zeitplan zur Umsetzung von Solvency II nicht einhalten.”

Allerdings fügte hier VWheute an: “Internationale Aufsichtsbehörden orientieren sich am europäischen Solvency-II-Ansatz. Vor allen Dingen die regulatorische Aufsplitterung der USA ermöglicht dem europäischen Aufsichtsregime den Aufstieg zum Weltstandard” – Solvency II: Auf dem Weg zum Weltstandard. (vwh/ku)

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