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“Versicherungen sind bei Weihnachtsmärkten nicht die Regel”

21.12.2016 – ina_straub_aonGeschockt, aber gefasst. So lassen sich die Reaktionen der Deutschen auf den Anschlag in Berlin zusammenfassen. Die Tat und erst recht die Folgen sind noch nicht absehbar, auch nicht für die Versicherungsbranche. VWheute hat die Terrorexpertin Ina Straub von Aon Deutschland um eine Einordnung gebeten.

VWheute: Glauben Sie, dass der Berlin-Weihnachtsmarkt gegen Terror versichert ist?

Straub: Die Veranstaltung wird wohl nicht gegen Terror versichert sein. Das ist bei solchen Veranstaltungen nicht die Regel. Normalerweise versichert sich jeder Gewerbetreibende selbst – und so, wie er es für richtig hält.

VWheute: Herkömmliche Unterscheidungen zwischen Terror und Amok verschwimmen heute. Nach der Amokfahrt von Graz am 20. Juni 2015 wurden sieben Millionen Euro von dem österreichischen Kfz-Versicherer gezahlt, bei dem der Wagen des Täters haftpflichtversichert war. Müssen auch deutsche Kfz-Versicherer solche Summen in Zukunft stemmen?

Straub: Im Bereich der Kfz-Haftpflicht spielt die Absicht keine Rolle. Der Kfz-Versicherer haftet für Personen- und Sachschäden, so traurig es ist, auch so eine abscheuliche Tat wie jetzt in Berlin ist rein versicherungstechnisch wie ein Unfall zu bewerten. Das Einzelereignis wird auch keine Auswirkungen auf die Kalkulation der Kfz-Haftpflicht haben.

VWheute: Glauben Sie, dass der Anschlag auf dem Breitscheidplatz Auswirkungen auf die Prämienentwicklung bei Terrorpolicen haben könnte?

Straub: Das kann man heute noch nicht sagen. Die Versicherer bemessen ihre Prämien nach der Wahrscheinlichkeit eines Terroraktes, die tatsächlichen Schäden zurückliegender Ereignisse spielen eher eine untergeordnete Rolle bei der Prämienkalkulation. Generell gilt: Ein Anschlag in Berlin ist wahrscheinlicher als an einem einsamen Ostseestrand und daher die Prämie entsprechend höher.

VWheute: Wie werden die Schäden beziffert –Todesschäden, Verletzungen, Berufsunfähigkeit etc.?

Straub: Leider muss man sagen, es wird geschätzt. Die Kosten der Verletzten und der Folgeschäden werden kalkuliert, zusammengefasst und im Anschluss ausbezahlt. Die Frage ist natürlich immer: Was beziffert man als Schaden, wie bewertet ein Versicherer beispielsweise den Verlust eines Familienernährers, kann das mit einer Rentenzahlung tatsächlich ausgeglichen werden? Auch immaterielle Schäden wie der Verlust eines Berufes in Folge einer Verletzung oder eines Traumas können leider nicht oder nur schwer beziffert werden.

VWheute: Wird es eine Diskussion um einen Staatsfonds gegen Terror geben – in Frankreich gibt es bereits einen entsprechenden Opfer-Fonds.

Straub: Mit großer Wahrscheinlichkeit nicht. Ein Teil der Extremus-Versicherung basiert auf Staatshaftung, eine gewisse Absicherung in diese Richtung existiert also bereits. Zudem muss man festhalten, dass die Deutschen keine großen Befürworter von Pflichtversicherungen sind. Der Kauf von Terrorversicherungen wird freiwillig und optional bleiben. (vwh/mv)

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Maximilian Volz

Bild: Ina Straub (Quelle: Aon Deutschland)

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