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Versicherung durch Nichtversicherer – Chance oder Bedrohung?

29.09.2015 – stefan_knoll_dfvVon Stefan M. Knoll, Vorstandsvorsitzender der DFV Deutsche Familienversicherung AG. Die digitale Welt hält zunehmend Einzug in die Assekuranz. Werden traditionelle Versicherer von neuen digitalen Vertriebswegen und Anbietern jenseits der Branchengrenzen verdrängt werden? Ein Umbruch mit Chancen und erheblichem Potential oder eine Bedrohung für die traditionellen Vertriebsstrukturen und Geschäftsmodelle?

Jede bahnbrechende Erfindung hat nach dem Erreichen ihrer Reproduzierbarkeit regelmäßig zwei Folgen ausgelöst: Die Diversifikation und Spezialisierung der Anbieter sowie die zunehmende Individualisierung der Menschen durch die Nutzung eben dieser Erfindung. Dieser “footprint” der Anpassung zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte der Menschheit – von der Erfindung der Schrift bis zur Erfindung des Autos.

Die Erfindung von iPhone und iPad gehört in die gleiche Kategorie, und die so ausgelösten Verhaltensanpassungen werden das gleiche Muster aufweisen. In welcher Geschwindigkeit sich das Verhalten der Kunden insgesamt ändern wird, bleibt abzuwarten. Die Möglichkeiten der digitalen Welt sind enorm und beginnen, den Versicherungsvertrieb von heute zu beeinflussen. Schon jetzt ist vom Angriff digitaler Versicherungen die Rede, der neuen Konkurrenz, die auch schon im deutschen Markt Fuß fasst.

Versicherer, die die digitalen Möglichkeiten weder hinreichend nutzen noch anbieten, werden einen faktischen Rückzug vom Markt antreten. Denn die Nutzung der digitalen Technik ist keine primäre Angelegenheit der jungen Generation. Die Bedienung der Endgeräte ist inzwischen so einfach und selbstverständlich geworden, dass eine Differenzierung zwischen “digital natives” und “digital immigrants” nicht mehr zielführend ist.

Die Digitalisierung wird die Versicherer als Träger des Vertriebs daher schrittweise zurückdrängen. Es werden neue Vertriebe entstehen, die ein immer größeres Angebot an Versicherungsleistungen zur Folge haben werden – scheinbar individualisierte Angebote, die unter Ausnutzung von “Big Data” oder den sozialen Netzwerken Verbreitung erfahren. Es wird also eine schrittweise Verschiebung des Versicherungsbedarfs traditioneller Art, hin zu individualistisch geprägten Einzellösungen stattfinden.

Dies wird im ersten Schritt auf sogenannte Situationsversicherungen wie Unfallversicherungen und auf punktuelle Versicherungslösungen wie beispielsweise Handy-Versicherungen zutreffen. Grundsatzversicherungen wie Krankenzusatz- oder Pflegezusatzversicherungen werden vergleichsweise lange im traditionellen Versicherungsumfeld verbleiben. Fast jede Lebenssituation und eine Vielzahl von mehr oder weniger wichtigen Gegenständen werden schnell und unkompliziert versichert werden können. Entscheidend aber wird das Entstehen eines Cross-Selling-Potentials sein, das an den stationären Vertrieben vorbei geht und das Kunden geradezu wahllos, ja fast willkürlich auf eine Vielzahl von Anbietern verteilt.

Ein Umbruch, der die Branche vor neue Aufgaben stellen und ihr neue Vertriebswege öffnen wird – eine Chance mit großem Potential.

Bild: Stefan M. Knoll ist Vorstandsvorsitzender der DFV Deutsche Familienversicherung AG (Quelle: DFV)

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