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“Versicherten wird Anspruch auf die Bewertungsreserven kraft Gesetz genommen”

05.05.2015 – peter_haertling_bdrdDer Bundesverband der Ruhestandsplaner (BDRD) hat die Auswirkungen des Lebensversicherungsreformgesetzes (LVRG) scharf kritisiert. Dadurch wurde “langjährig treuen Versicherten der erworbene Anspruch auf die Bewertungsreserven in ihren Verträgen kraft Gesetz genommen”, sagte BDRD-Präsident Peter Härtling im Exklusiv-Interview mit VWheute.

VWheute: Welche Antworten kann der BDRD seinen Mitgliedern und allen weiteren Betroffenen regulatorischer Maßnahmen, wie LVRG, MIFID und ähnlichen Themen, geben?

Peter Härtling: Die Mitglieder des BDRD wollen aktiv dazu beitragen, das Vertrauen der Bevölkerung in die Finanzbranche wieder herzustellen. Deswegen begrüßen wir jegliche Aktivitäten des Gesetzgebers, klare Verhaltensrichtlinien festzulegen, die eine korrekte und verantwortungsbewusste Beratung und Aufklärung der Bürger zur Folge haben. Gerade in der professionellen Ruhestandsplanung geht es letztendlich darum, das finanzielle Auskommen im Alter zu sichern. Unter Berücksichtigung von anfallenden Steuern und Inflation.

Aus diesem Grund sehen wir auch das LVRG sehr kritisch, das ja auf Wunsch der Branche entstand, nicht auf Betreiben des Gesetzgebers. Die stark überhöhten internen Kosten vieler Versicherer führten aufgrund der niedrigen Kapitalzinsen zu Schwierigkeiten in der Branche, die Garantien aufrecht zu halten. Langjährig treuen Versicherten wurde mit dem LVRG der erworbene Anspruch auf die Bewertungsreserven in ihren Verträgen kraft Gesetz genommen. Hier wurden zum Schaden der Bürger Chancen verpasst, die Versicherer besser in die Pflicht zu nehmen und ihre immer noch nicht wirklich öffentlich gemachten Kosten zu senken.

VWheute: Wie bewerten Sie in Zeiten niedrigster Zinsen den Abschied erster Versicherer aus dem Garantiemarkt? Welche Konsequenzen drohen?

Peter Härtling: Dieser Abschied ist konsequent und richtig. Anstelle der vom Staat gewollten Garantien, die letztendlich zur schlechten Gesamtverzinsung der Rentenversicherungen führen, sollte die bundesweite Aufklärung über Investitionen in deutsches Produktivvermögen, gefördert werden, um für die Bürger eine Chance auf nachhaltige Altersversorgung zu ermöglichen. Die Kosten für Garantien verhindern heute letztendlich nur noch jegliche Renditechance. Kapitalmarktschwankungen müssen in der Bevölkerung als Chance zu günstigen Nachinvestitionen für den langfristigen Aufbau von Ruhestandsvermögen erkannt werden. Hier besteht immenser Aufklärungsbedarf. Hier ist die Politik gefragt.

VWheute: Welche Risiken birgt die Stornohaftung und welche politischen Forderungen erheben sie in diesem Zusammenhang?

Peter Härtling: Die Versicherer sind aufgrund ihrer Kosten- und Rechenmethodik gerade nach dem LVRG in der Lage, jegliches Vertragsrisiko auf den Berater abzuwälzen und am Storno letztendlich auch noch nach Jahren zu verdienen. Durch das LVRG entstehen hier Auswüchse ausschließlich zum Schaden der Vermittler, unter dem Deckmantel “Kostensenkung”. Wir raten insofern unseren Mitgliedern, keine längeren Stornohaftungszeiten zu akzeptieren und auf Alternativen auszuweichen. Letztendlich sollten die Versicherer ihre tatsächlichen Kalkulationen zur Aufrechthaltung ihres Geschäftsbetriebs offenlegen und begrenzen müssen, um die Bürger und Vermittler besser zu schützen.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Alexander Kaspar.

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