Versicherungswirtschaft-heute

          Mobilversion

 
- Anzeige -

Versicherte sollten auf Fondsauswahl achten

26.01.2016 – tobias_schmidt_feriVon Tobias Schmidt. Die früher üblichen hohen Verzinsungen bei klassischen Lebens- und Rentenversicherungen mit lebenslangem Garantiezins gehören der Vergangenheit an. Dennoch haben diese Produkte ihre Daseinsberechtigung in den Portfolios der Deutschen. Während einige Anbieter die klassische Form dieser Anlage ganz aus ihrem Produktkatalog streichen, lohnt ein Blick auf fondsgebundene Versicherungen.

Bei der fondsgebundenen Lebens- oder Rentenversicherung hängt die Höhe der Ablaufleistung, die der Versicherungsnehmer am Ende erhält, ganz entscheidend von der Performance der eingesetzten Fonds ab. Deshalb ist es für Personen, die solche Versicherungen abschließen, von großer Bedeutung, zu prüfen, ob die Versicherung in Fonds anlegt, die eine gute Performance erwarten lassen.

Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist dabei als alleiniges Kriterium keineswegs aussagekräftig. Analysiert man beispielsweise über das gesamte deutsche Publikumsfondsspektrum, wie sich das oberste Viertel der Fonds eines Jahres in den Folgejahren entwickelt, so ist die Bilanz ernüchternd: Vom Stichtag 31.07.2012 ausgehend sind von den Fonds, die ein Jahr später, also am 31. Juli 2013, im obersten Viertel landeten und diese Platzierung zum jeweiligen Stichtag der Folgejahre halten konnten, zum 31. Juli 2015, weniger als 50 Prozent übrig. Insgesamt schafften es nur rund 15 Prozent aller Fonds, diese Kriterien einzuhalten.

Setzt man hingegen Ratings statt einfachen Performance-Rankings ein, sind deutlich bessere – im Sinne von aussagekräftigeren – Ergebnissen zu erzielen. Bei Fondsratings werden in der Regel sowohl quantitative als auch qualitative Kriterien berücksichtigt. Untersucht werden beispielsweise die relative Performance (im Vergleich zum Index und zu anderen Fonds der Peergroup), das Ertragspotenzial aus der Investmentprozessgestaltung sowie die Stabilität, die beispielsweise mit der Kontinuität des Fondsmanagements zusammenhängt. Daneben wird untersucht, inwieweit der Fonds bzw. das Management in der Lage sind, Investmentrisiken zu reduzieren. Sämtliche Teilbewertungen über den Beitrag des Fondsmanagements zur Performancesteigerung bzw. Risikominderung werden schließlich in einer singulären Ratingnote zusammengefasst.

Eine aktuelle Analyse der Fondsqualität im Bestand der Versicherer hat gezeigt, dass sich diese zwar in den vergangenen Jahren verbessert hat, aber dennoch ein deutliches Optimierungspotenzial besteht. Legt man die Ergebnisse des Feri-Fondsratings zugrunde, dann schnitten nur 10,3 Prozent der Fonds, in welche fondsgebundene Lebens- und Rentenversicherungen investierten, sehr gut ab. Immerhin 30,6 Prozent der Fonds im Bestand der Versicherer wurden mit einer guten Ratingnote bewertet – vor zwei Jahren waren das erst 25,6 Prozent. Fast 31 Prozent der Fonds, in die Versicherungen im Bestand investiert haben, wiesen jedoch eine unterdurchschnittliche bis schwache Qualität auf. Hier ist zu erwarten, dass die Performanceergebnisse der zugrunde liegenden Fonds in der Zukunft schlechter ausfallen als beim Durchschnitt der entsprechenden Fonds in der jeweiligen Vergleichsgruppe.

Erfreulich ist, dass sich beim aktuellen Angebot von fondsgebundenen Lebens- und Rentenversicherungen die Qualität erhöht hat: Immerhin fast die Hälfte der Fonds weisen eine gute oder sogar sehr gute Qualität auf. Aber: Auch beim aktuellen Angebot erhielt jeder vierte Fonds eine unterdurchschnittliche Ratingnote.
Ratings haben eine gute Aussagekraft über die künftige Fondsentwicklung, wie sogenannte Back-Testings belegen: Fonds mit einem A- oder B-Rating haben über einen Anlagehorizont von drei oder fünf Jahren im Durchschnitt ein deutlich besseres Ergebnis erzielt als der Peergroup-Durchschnitt. Und sie waren tatsächlich auch deutlich besser als jene Fonds, die mit C, D oder E bewertet worden waren.

Der Vorteil bei fondsgebundenen Versicherungen ist, dass deren Anlagestrategie für den Anleger gut nachzuvollziehen ist. Zudem ist die Aktienquote meist deutlich höher. Anleger sollten diese Vorteile nutzen. Gleichzeitig sollten Versicherungsnehmer bzw. Interessenten von Fondspolicen entsprechende Qualitätsüberprüfungen der eingesetzten Fonds beim Versicherungsgeber einfordern. Auch der Berater oder Vermittler kann hier einen wertvollen Beitrag liefern.

Bild: Tobias Schmidt ist Vorstandssprecher der Feri EuroRating Services AG in Bad Homburg. (Quelle: Feri)

Tags: ,
- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

Verlag Versicherungswirtschaft | Kontakt | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten