Versicherungswirtschaft-heute

          Mobilversion

 


- Anzeige -

Versicherer sollten Rückversicherungsstrukturen anpassen

20.09.2016 – Unwetter, Gewitter, Blitz by_Raphael Reischuk_pixelio.deStarkregenereignisse sind sehr lokal und kaum vorhersehbar. Da die Frequenz solcher Starkregen-Ereignisse tendenziell zunehme, sollten “alle Schaden- und Unfallversicherer regelmäßig ihr Bilanzrisiko und ihre Rückversicherungsstrukturen in Bezug auf ihre Exponierungen überprüfen und entsprechend anpassen”, fordert Thomas Brandl, Senior Vice President von Guy Carpenter.

VWheute: Im Mai und Juni dieses Jahres haben Unwetter wie Starkregen und Überschwemmungen für erhebliche Schäden in Bayern und Baden-Württemberg gesorgt. Welche unmittelbaren Auswirkungen hatte dies nach Ihren Erfahrungen für das Risikomanagement der Versicherer?

Thomas Brandl: Starkregenereignisse sind sehr lokal, kaum vorhersehbar und können grundsätzlich überall in Deutschland auftreten und erhebliche Schäden verursachen. Der Starkregen Ende Juli 2014 in Münster verursachte beispielsweise einen volkswirtschaftlichen Schaden von rund 300 Mio Euro. Davon waren etwa 140 Mio. Euro versichert.

Das Ereignis vom 1. Juni 2016 in Simbach am Inn könnte Berichten zufolge aus volkswirtschaftlicher Sicht in die in die Milliarden gehen. Die Frequenz solcher Starkregen-Ereignisse nimmt tendenziell zu. Folglich sollten alle Schaden- und Unfallversicherer regelmäßig ihr Bilanzrisiko und ihre Rückversicherungsstrukturen in Bezug auf ihre Exponierungen überprüfen und entsprechend anpassen.

VWheute: Der Branchenverband GDV geht davon aus, dass solche Unwetterextreme in absehbarer Zeit noch zunehmen. Welche Herausforderungen bedeutet dies aus Ihrer Sicht für das Risikomanagement?

Thomas Brandl: Wir beobachten seit einigen Jahren Wachstumsraten in der Elementarschadenversicherung von zehn Prozent und mehr. Bis zu 30 Prozent lassen sich sogar in Regionen, welche erheblich von Starkregen und Hochwasser betroffen wurden, verzeichnen. Eine regelmäßige Überprüfung der eigenen Risikosituation und des Risikotransfers ist folglich aus Risikomanagement-Sicht unabdingbar.

Die stetige Weiterentwicklung der kommerziellen Naturgefahrenmodelle oder auch Forschungsprojekte zur Entwicklung von präziseren Gefährdungskarten (vgl. Kooperation GDV und DWD) schreitet schnell voran und sollte das Risikomanagement künftig erleichtern.

VWheute: Der Bund der Versicherten fordert vehement die Einführung einer Pflichtversicherung für Elementarschäden in Deutschland. Halten Sie eine solche Versicherungspflicht für sinnvoll und welche Auswirkungen hätte eine solche für das Risikomanagement?

Thomas Brandl: Die Verbraucherschützer fordern eine Versicherungspflicht, beispielsweise nach dem Schweizer Vorbild. Je nach Risikosituation sollen jedoch differenzierte Beiträge und Bedingungen angeboten werden.

Die Politik scheint sich diesbezüglich nicht einig zu sein. Stärker im Fokus der Politik ist die Schadenprävention wie zum Beispiel die Umsetzung neuer Bauvorschriften, die Erstellung von Notfallplänen oder die Sensibilisierung der Bürger.

Der GDV wiederum ist der Meinung, dass eine grundsätzliche Pflichtversicherung die Prävention eher verhindert. Beispielsweise führte die Einführung der Versicherungspflicht für Überschwemmung in Großbritannien dazu, dass der Staat seine Präventionsinteresse und die damit verbundenen Investitionen ad acta legte. Es wurden sogar weiter Bebauungszonen in Risikogebieten ausgewiesen. Als Folge für die Versicherten hat sich die Höhe der durchschnittlichen Versicherungsprämien verdoppelt.

Rechtlich bleibt eine Pflichtversicherung für Eigenvermögen in Deutschland mit Blick auf das Grundsatzprinzip der Vertragsfreiheit der Einzelnen sehr angreifbar. Für rund 99 Prozent der Hauseigentümer kann derzeit eine Elementarversicherung zu auskömmlichen Beiträgen (im Schnitt 100 Euro pro Jahr) angeboten werden. Der GDV bevorzugt daher einen weiteren Ausbau der Marktdurchdringung für Elementargefahren (derzeit rund 37 Prozent in Deutschland).

Laut einer Umfrage der GfK meinen 93 Prozent der Hausbesitzer, dass sie gegen Naturgefahren aller Art versichert sind. 80 Prozent der Hausbesitzer ohne Elementarschadenversicherung lehnen eine Pflichtversicherung ab. Unter Berücksichtigung der rechtlichen Unsicherheit sowie der unterschiedlichen Interessenslagen folgen wir, Guy Carpenter & Company, dem GDV und unterstützen die Versicherer, unsere Kunden, bei der Bewertung ihrer sich stets veränderten Risikosituation und entwickeln maßgeschneiderte Risikotransferlösungen.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Tobias Daniel.

Bildquelle: Raphael Reischuk / pixelio.de

- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

Verlag Versicherungswirtschaft | Kontakt | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten