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Versicherer protestieren gegen Einstufung als systemrelevante Institute

22.07.2013 – turmDie großen multinationalen Versicherungskonzerne werden auf lange Sicht mehr Eigenkapital benötigen, um den aufsichtsrechtlichen Anforderungen zu entsprechen. Am Freitag hat das Financial Stability Board (FSB) neun Versicherer als globale systematisch wichtige Versicherer (GSII) eingestuft.
Die Allianz ist der einzige deutsche Versicherer, den das FSB als potenziell systemrelevant identifiziert. Die Munich Re gehört nicht dazu und auch Berkshire Hathaway nicht.
Die Versicherer kritisieren die Maßnahme des FSB. „Die Liste gibt den falschen Eindruck, dass Versicherer systemrelevant sind, in der Art wie Banken“, sagt Manuela Koller, Generaldirektorin von Insurance Europe. „Versicherer und Banken haben fundamental unterschiedliche Risikoprofile, vor allem im Sinne der Risiken, die sie für das Finanzsystem darstellen.“ Nach Ansicht der Brüsseler Lobbyorganisation hätte das FSB die Finanzinstitute nicht aufgrund ihrer Tätigkeit im traditionellen Versicherungsgeschäft beurteilen sollen, sondern nur nach ihren Aktivitäten in anderen Geschäftsfeldern.
„Es erscheint so, als ob die Größe eines Unternehmens eine bedeutende Rolle bei der Auswahl spielt“, schreibt die Geneva Association, ein Zusammenschluss international tätiger Versicherungskonzerne. „Das macht Sinn bei Banken. Aber das Versicherungsgeschäft basiert auf dem Gesetz der großen Zahl“, hebt die Organisation hervor. „Mit der Zahl der Risiken nimmt das Risikoprofil eines Portfolios ab.“ Große Unternehmen seien im Allgemeinen besser diversifiziert, sowohl in Sparten als auch in Ländern.
Der Generalsekretär der Geneva Association, John H. Fitzpatrick, hält die Maßnahmen des FSB für zu scharf. „Unsere Forschung lässt den Schluss zu, dass eine starke Gruppenaufsicht effizienter ist als erhöhte Kapitalanforderungen. Nach den Plänen des FSB müssen die neun GSII ab 2019 höheren Anforderungen an das Eigenkapital nachkommen. Sie sollen bis zum nächsten G20-Gipfel in Australien von der International Association of Insurance Supervisors (IAIS) ausgearbeitet werden.
Die internationale Vereinigung der Versicherungsaufseher unterstützt die Kritik der Versicherer. „Die technischen Risiken der Versicherer sind nicht mit den Wirtschaftszyklen korreliert“, heißt es in dem kurz zuvor veröffentlichen Bericht der Aufseher. „Die Art der Versicherungs-Verpflichtungen und das Faktum, dass Zahlungen an Policeninhaber an ein versichertes Ereignis geknüpft sind, macht bei traditionellen Versicherern einen plötzlichen Run, der die Liquidität austrocknet, unwahrscheinlich.“ Nach Ansicht der Aufseher sind Versicherer nur mit Geschäften außerhalb des traditionellen Versicherungsgeschäfts anfällig für Finanzmarktrisiken.

Foto: Archiv/ba

Links: financialstabilityboard.org, iaisweb.org/, genevaassociation.org

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