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Versicherer haben nach 9/11 schnell reagiert

09.09.2016 – ina_straub_aonDie Versicherungswirtschaft hat nach den Anschlägen vom 11. September 2001 schnell reagiert. War das Risiko zunächst im Rahmen der Feuerversicherung gedeckt, ist es seitdem “nur möglich, sich vor den finanziellen Folgen eines Terroranschlages mit einem separat vereinbarten Versicherungsschutz abzusichern”, erläutert Ina Straub von Aon Risk Solutions Deutschland gegenüber VWheute.

VWheute: Die Anschläge vom 11. September 2001 zählen bis heute zu den wohl einschneidendsten Terrorakten der letzten Jahre. Allein der Sachschaden wurde auf über 19 Mrd. Euro geschätzt. Was haben die Terrorversicherer 15 Jahre danach aus den Anschlägen gelernt.

Ina Straub: Mit den Anschlägen vom 11. September 2001 ist allen Menschen klar geworden, dass ein Terroranschlag jederzeit und überall stattfinden kann. Wurde die Terrorgefahr bis zu diesem Zeitpunkt ausschließlich als Bedrohung für bestimmte Ziele im Nahen Osten wahrgenommen, war ab dann das Thema allgegenwärtig. Der Kampf gegen den Terror begann. Und auch die Versicherungswirtschaft reagierte schnell: Folgen eines Terroranschlags wie Explosionen oder Feuer waren bis zu diesem Zeitpunkt im Rahmen der Feuerversicherung gedeckt. Nach 9/11 wurde dieses bis dahin nie in diesem Ausmaß kalkulierte Risiko in den Erst- und Rückversicherungsverträgen ausgeschlossen. Seitdem ist es nur möglich, sich vor den finanziellen Folgen eines Terroranschlages mit einem separat vereinbarten Versicherungsschutz abzusichern.

VWheute: Mit den jüngsten Anschlägen in Frankreich oder Brüssel ist die Angst der Deutschen vor neuen Terrorakten gestiegen. Wie reagieren die Terrorversicherer auf die aktuelle Bedrohungslage?

Ina Straub: Die jüngsten Anschläge in Frankreich, Brüssel oder auch in München zeigen, dass im Fokus der Terroristen nicht mehr in erster Linie die Verursachung eines möglichst hohen Sachschadens ist. Vielmehr verfolgen die Terroristen jetzt das Ziel, möglichst medienwirksam Menschen zu verletzen und zu töten. Für Unternehmen hat diese medial multiplizierte Bedrohung einen zusätzlichen negativen Effekt: Amokläufe oder Bombendrohungen können beispielsweise zur Abriegelung bestimmter Gebiete oder zur Schließung von Betriebsstätten führen, so dass Firmen auch ohne Sachschaden von Umsatzeinbußen betroffen sein können.

Der Versicherungsmarkt hatte aber bereits zuvor auf diese Risiken mit der Entwicklung neuer Produkte reagiert. Er bietet heute guten Versicherungsschutz für Betriebsunterbrechungsschäden aufgrund von Bombendrohungen oder Zugangsbeschränkungen. Der Preis und der Umfang der angebotenen Deckungen werden dabei bestimmt durch die Höhe eines Risikos. Zum Beispiel sind die Kapazitäten für Versicherungsschutz in Hauptstädten und Finanzzentren knapper und teurer – ebenso wie bei einem temporär höheren Risiko wie zum Beispiel bei der Austragung einer Weltmeisterschaft oder bei Olympischen Spielen.

VWheute: Ein Blick in die Zukunft: Die Gefahr von Terroranschlägen bleibt auch in Zukunft real, insbesondere bei Großereignissen wie aktuell den Paralympics in Rio de Janeiro. Was bedeutet dies für das Geschäftsmodell der Terrorversicherer und wie müssen diese mit den zukünftigen Herausforderungen des erhöhten Gefahrenrisikos umgehen?

Ina Straub: Der Markt und die Produktwelt waren bislang sehr dynamisch – entsprechend der politischen Lage und der teilweise einschneidenden Terrorereignisse. Die Versicherungswirtschaft hat besonders im Bereich der Terrorversicherung bewiesen, dass sie schnell in der Lage ist, für neue Bedrohungen Schutz anzubieten. War es in den Anfängen zum Beispiel lediglich möglich, Versicherungsschutz gegen die Folgen eines Terroranschlages zu versichern, so wurden zwischenzeitlich die angebotenen Produkte auch auf das Risiko der politischen Gewalt wie Revolution, Streik, Aufstand, innere Unruhe bis hin zu Krieg oder Bürgerkrieg ausgeweitet (siehe auch UNTERNEHNMEN).

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Tobias Daniel.

Bild: Ina Straub ist Terror-Expertin beim Versicherungsmakler Aon Risk Solutions in Deutschland. (Quelle: Aon)

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