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Verschärfte Sicherheitsanforderungen für Flüchtlingsunterkünfte

18.03.2016 – Gerade beim Versicherungsschutz für Flüchtlingsunterkünfte kommt es darauf an, lösungsorientierte und sachliche Gespräche zu führen, erklärt Thomas Hergarten, Fachbereichsleiter bei der Südvers-Gruppe. Der Versicherungsmakler stellt im Interview mit VWheute fest, dass Versicherer statt Kündigungen auszusprechen mitunter Sicherheitsanforderungen verschärfen wollen, “die einer Ablehnung des Versicherungsschutzes gleichkommen.”

VWheute: Flüchtlinge und Versicherungen: Welche aktuellen Entwicklungen stellen Sie fest?

Thomas Hergarten: Im Frühjahr des letzten Jahres gab es eine auch in der breiten Öffentlichkeit wahrgenommene Diskussion um Schwierigkeiten beim Versicherungsschutz für Flüchtlingswohnheime. Mit einer Empfehlung des Gesamtverbandes der Versicherungswirtschaft (GDV) an seine Mitgliedsunternehmen, doch „mit Augenmaß“ vorzugehen, nahm die vielfach strikt ablehnende Haltung der Versicherer ab. Inzwischen können wir aber feststellen, dass einzelne Versicherer zwar nicht sofort von einem möglichen Kündigungsrecht aufgrund erhöhter Risikolage Gebrauch machen, allerdings durch Auflagen und Forderungen die Sicherungsanforderungen verschärfen möchten, die einer Ablehnung des Versicherungsschutzes gleichkommen.

VWheute: Nutzen Versicherer die Möglichkeit zur Vertragsänderung aktuell vermehrt bei der Versicherung von Wohnungen, die zu Flüchtlingsunterkünften umgewandelt werden?

Thomas Hergarten: Werden Gebäude, die aufgrund ihrer Art zunächst nicht als Unterkünfte für Personen geeignet sind (Turnhallen, Lagerhallen), zu Flüchtlingsunterkünften um- oder ausgebaut, so ändert sich damit auch die Risikolage im Hinblick auf den Versicherungsschutz. Dass die Konditionen des Versicherungsvertrages mit dem Versicherer neu zu vereinbaren sind, erscheint nachvollziehbar. Werden allerdings Gebäude, die bisher auch schon zu Wohnzwecken genutzt werden, einzelnen Flüchtlingsfamilien als Wohnung zur Verfügung gestellt, dann wird man nicht automatisch von einer geänderten Nutzung sprechen können. In dieser Richtung hat sich der GDV im vergangenen Jahr sehr deutlich positioniert. Hier nehmen wir ein gesteigertes Informationsbedürfnis der Versicherer wahr.

VWheute: Welche Rolle kommt Ihnen als Makler bei der Versicherung von Flüchtlingsunterkünften zu?

Thomas Hergarten: Eine repräsentative Antwort auf diese Frage werden Maklerhäuser geben können, die einen Schwerpunkt in der Betreuung von kommunalen Risiken haben. Allerdings erleben wir punktuell, dass die Risikoträger einen deutlich größeren Informationsbedarf haben, wenn Gebäude als Flüchtlingsunterkünfte zur Verfügung gestellt werden sollen. Einzelne Versicherer haben hierfür einen speziellen, mehrseitigen Fragebogen zusammengestellt, welcher sowohl in der Breite der Themen als auch in der Detailtiefe überrascht. Hieraus werden dann erforderliche Maßnahmen abgeleitet, welche in einigen Bereichen kaum in der Praxis umsetzbar sind. Unsere Aufgabe ist es, für den jeweiligen Einzelfall mit dem Risikoträger die Risikolage zu diskutieren, um dann gemeinsam mit unseren Kunden und dem Versicherer abzustimmen, ob und ggf. welche Maßnahmen sinnvollerweise umgesetzt werden. Eine pauschale Lösung wird der unterschiedlichen örtlichen Situation und den Kundeninteressen nicht gerecht.

VWheute: Wie lautet Ihre Prognose: Bleibt der Versicherungsschutz eine Herausforderung oder normalisiert sich hier das Underwriting?

Thomas Hergarten: Dies ist eine schwierige Frage, die nicht losgelöst von der Situation der Flüchtlinge und der damit verbunden politischen und gesellschaftlichen Diskussion beantwortet werden kann. Wenn es gelingt, die derzeit sehr emotional geführten Debatten sehr sachlich und konstruktiv fortzusetzen, dann wird sich dem auch die Versicherungswirtschaft insgesamt nicht entziehen können. Und damit werden wir die derzeitigen lösungsorientierten Gespräche mit den Versicherern auch künftig führen können.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Rafael Kurz.

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