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Vernetzung des Alltags verändert den Umgang mit Geld

11.12.2014 – christian_schuldtDie Geschichte des Geldes reicht bereits mehrere Jahrtausende zurück. Seitdem hat es seine Form und seine Funktion immer wieder dem sozialen und technologischen Wandel angepasst. Im Interview mit VWheute skizziert Christian Schuldt, Autor der Studie “Gutes Geld – Bezahlen, Investieren und die Wertschöpfung der Zukunft”, die Zukunft des Geldes im 21. Jahrhundert und dessen Auswirkungen für die Versicherer.

VWheute: Geld fungiert wieder vorrangig als Tauschmittel: Welche Rolle wird es aus Ihrer Sicht künftig im Wirtschaftskreislauf spielen und welche neuen Formen der Ökonomie ohne Geld werden sich künftig durchsetzen?

Christian Schuldt: Durch die zunehmende Vernetzung unserer Lebenswelt entstehen völlig neue Ausgangsbedingungen für den künftigen Umgang mit Geld. Das bedeutet auch: neue, flexibler und freier gestaltbare “Geldordnungen”, die das monokulturelle Zentralbanksystem ergänzen und kleine Parallelökonomien schaffen. Local Exchange Trade Systems (LETS) oder Tauschringe zeigen etwa, wie hier gleichsam eine Art “Back to the Roots”-Bewegung zurück zu den analogen, tauschwirtschaftlichen Ursprüngen des Mediums Geld stattfindet – allerdings unter digitalen Vorzeichen. Die fortschreitende Vernetzung wird immer mehr Möglichkeiten hervorrufen, solche quasiautonomen Bereiche “geldlosen Geldes” jenseits der herkömmlichen Geld- und Finanzstrukturen zu etablieren. Durchsetzen werden sich dabei, wie bei allen soziotechnologischen Evolutionsprozessen, die Lösungen, die einen konkreten Nutz- oder Mehrwert mit einer intuitiven Usability verbinden und somit eine hochwertige User Experience schaffen.

Sie skizzieren in Ihrer Studie eine neue soziale Funktion von “Gutem Geld”: Was bedeutet dies konkret für das Verhältnis zwischen Unternehmen – auch für Versicherungsunternehmen – und ihren Kunden?

Das Internet hat das Verhältnis zwischen Unternehmen und Kunden symmetrisiert: Verbraucher sind heute mächtiger denn je, sie begegnen Unternehmen auf Augenhöhe, sie erwarten, dass auf ihre individuellen Wünsche und Bedürfnisse eingegangen wird, und sie entwickeln sich zusehends von passiven Konsumenten zu aktiven Prosumenten, die Transparenz und Mitsprache einfordern. Unternehmen, die sich dieser neuen Realität verweigern, werde ihre Kunden über kurz oder lang an Konkurrenten verlieren, die eine offenere und dialogorientierte Kundenkultur pflegen. Zunächst gilt es also, ein “Social Business”-Mindset in der eigenen Unternehmenskultur zu etablieren.

Für Versicherungsunternehmen bedeutet diese Herausforderung auch eine große Chance: Ihr Erfolg beruht auf dem Vertrauen, das Kunden ihnen entgegenbringen, und für diesen Vertrauensaufbau bietet das Internet einen idealen Nährboden. Um diesen Boden aber richtig zu beackern, muss künftig ganzheitlicher gedacht werden, über den Tellerrand der unternehmensspezifischen Produkte und Services hinausgehend. Der Versicherungsberater der Zukunft wird tendenziell zu einem Personal Coach, der seinem Kunden in allen möglichen Lebenslagen verlässlich zur Seite steht und ihm mit persönlich und situativ zugeschnittenen Lösungen weiterhilft.

Die Digitalisierung wirkt sich auch auf gegenwärtige Zahlungsmodelle aus: Welchen Einfluss hat dies konkret auf die Zukunft der Finanzdienstleister und deren Verhältnis zum Kunden?

Die Zukunft des Bezahlens liegt im Bereich Mobile Payments, verbunden mit smarten Devices, die sich zunehmend in Richtung Wearable Computing verlagern werden. Auch in diesem Feld ist es entscheidend, Lösungen zu entwickeln, die eine hochgradig attraktive User Experience schaffen – dazu zählen nicht zuletzt Social Features, die den direkten Kontakt zum Kunden intensivieren und einen flexiblen, nahtlosen Austausch fördern. Auch hier zeigt sich der neue, ganzheitliche Service-Ansatz: In der Netzwerkgesellschaft muss das “gelebt” und aktiv gestaltet werden, was im Prä-Internetzeitalter meist nur latent vorausgesetzt werden konnte – das Vertrauensverhältnis zwischen Finanzdienstleister und Kunde.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Tobias Daniel.

Bild: Christian Schuldt (Quelle: privat)

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