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“Überdurchschnittlicher Umsetzungsstand” bei Solvency II

31.08.2016 – guido_bader_stuttgarterSolvency II ist für die Lebensversicherer derzeit nur ein Thema auf der Agenda. “Die Tiefzinsphase, die überbordenden und teils unsinnigen gesetzlichen Vorgaben sowie die derzeitige politische Diskussion zur Zukunft der Rente setzen der Branche schwer zu”, konstatiert Guido Bader, Vorstand der Stuttgarter Leben, gegenüber VWheute. Dennoch sieht er darin im Hinblick auf die Altersvorsorge auch eine Chance.

VWheute: Die Regulierungsvorgaben von Solvency II sind seit nunmehr acht Monaten in Kraft. Wie bewerten Sie den derzeitigen Status quo der Branche bei deren Umsetzung?

Guido Bader: Die Unternehmen haben sehr viel Zeit und Geld in die Umsetzung von Solvency II investiert und auch viel bei der Umsetzung erreicht. Im europäischen Vergleich dürften wir einen überdurchschnittlichen Umsetzungsstand haben.

Aber es gibt auch noch viel zu tun, vorwiegend in den Bereichen Automatisierung, Validierung und Dokumentation. Zudem beginnen inzwischen die Prüfungen der Solvenzbilanzen durch die Wirtschaftsprüfer.

Hierbei werden vor allem die umfangreichen Daten und Annahmen bei der aufwändigen und hoch komplexen Berechnung der Solvabilität kritisch gewürdigt. Mit Anpassungsbedarf ist dabei zu rechnen. Daher sollten auch die von einzelnen Unternehmen veröffentlichten aktuellen Solvenzquoten nicht überbewertet werden, solange diese Qualitätssicherungsschleife noch nicht durch ist.

VWheute: Laut einer Studie von Willis Towers Watson im April 2016 sehen ein großer Anteil von Marktteilnehmern im Run-off auch Perspektiven. Welche Perspektiven sehen Sie auch vor dem Hintergrund der aktuellen Regulierungsvorgaben?

Guido Bader: Die Unternehmensgruppen sehen ja nicht generell im Run-off eine Perspektive. Fakt ist aber, dass bestimmte Sparten oder Produktgruppen nach Solvency II viel Eigenkapital erfordern, insbesondere die Lebensversicherung mit ihren kapitalintensiven Beständen. Wenn Aktiengesellschaften auf längere Sicht hier ihre Kapitalkosten nicht verdienen können, ist ein Run-off eine ernstzunehmende Alternative, die sicherlich derzeit von vielen Häusern geprüft wird. Dies könnte letztendlich zu der seit vielen Jahren diskutierten und meines Erachtens notwendigen Marktkonsolidierung führen. Und genau darin liegt eine Chance für die im Markt verbleibenden Unternehmen, gerade für Versicherungsvereine, die keinen Dividendendruck haben.

VWheute: Welche Zukunft Sie für das Produkt der Lebensversicherung angesichts der aktuellen regulatorischen Vorgaben und wie wird der Markt aus Ihrer Sicht in fünf Jahren aussehen?

Guido Bader: Das ist eine sehr schwere Frage. Für die Lebensversicherung ist Solvency II nur eines der Themen. Die Tiefzinsphase, die überbordenden und teils unsinnigen gesetzlichen Vorgaben – man denke nur an die unterschiedlichen und mitunter widersprüchlichen Produktinformationsblätter (AltVPIBV, PRIIP-KID und VVG Info-V) – sowie die derzeitige politische Diskussion zur Zukunft der Rente setzen der Branche schwer zu. Aber genau hierin sehe ich eine Chance. Der Bedarf an privater und betrieblicher Altersvorsorge ist immens. Genau das zeigt die aktuelle Diskussion und fördert damit auch das Bewusstsein für die Notwendigkeit von Altersvorsorge in der Bevölkerung.

Starke, schnelle und innovative Vorsorgespezialisten werden die anstehende, umfassende Transformation des Lebensversicherungsmarktes mitgestalten und zusammen mit ihren Kunden profitieren. Ich weiß noch nicht, wie genau der Markt in fünf Jahren aussehen wird. Aber er wird ein anderer sein, mit weniger spezialisierten Anbietern und einem sehr großen Marktpotenzial – und natürlich mit der Stuttgarter Lebensversicherung a.G.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Tobias Daniel.

Bild: Guido Bader ist Vorstand der Stuttgarter Lebensversicherung a.G. (Quelle: Stuttgarter)

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