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TV-Duelle und ihre Wirkung auf die Wähler

02.09.2013 – Kings summit talk.Am Sonntag Abend trafen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihr Herausforderer Peer Steinbrück (SPD) aufeinander. Bereits nach dem ersten TV-Duell Schröder gegen Stoiber 2002 und auch nach den Duellen zwischen Merkel und Schröder 2005 sowie Merkel und Steinmeier 2009 wurde vielfach diskutiert, welche Wirkung diese Form des Wahlkampfes hat.

Das Sendeformat stammt aus dem US-amerikanischen Wahlkampf mit einer direkten Wahl des Präsidenten und einem Zwei-Parteien-System. Insofern passt es nicht ganz zu den hiesigen politischen Verhältnissen. Gut 15 Millionen Menschen haben das erste Duell 2002 zwischen Gerhard Schröder und Edmund Stoiber gesehen, also etwa ein Viertel der Wahlberechtigten. Beim TV-Duell zwischen Angela Merkel und Gerhard Schröder im Jahr 2005 betrug die Zuschauerzahl sogar 20,98 Millionen. Zum Vergleich: Helmut Kohl erreichte während eines gesamten Wahlkampfes etwa fünf Millionen Menschen direkt durch Auftritte auf Wahlkampfveranstaltungen. Meinungsforscher betonen vor allem, dass sich die Wähler das Geschehen während einer solchen Sendung einfach besser merken können als die vielen Aussagen der Kandidaten während des sonstigen Wahlkampfes. Bereits nach dem Duell 2002 kam das Forsa Institut zu der Erkenntnis, dass das Fernsehduell zu einer größeren Wahlbeteiligung geführt hat.

Ein großer Vorteil der TV-Duelle ist, dass sie neben den politisch Interessierten und den Parteianhängern auch von den Wählerinnen und Wählern wahrgenommen werden, die über geringeres politisches Interesse und Wissen verfügen und die sich seltener aus anderen Quellen über Politik informieren. Oft setzen sie sich durch das TV-Duell zum ersten Mal vor der Wahl intensiv mit den unterschiedlichen Positionen der Parteien auseinander.

Die Wirkung hängt nach Angaben von Untersuchungen vom Verlauf des Duells und von den Voreinstellungen der Zuschauer ab. Diejenigen Zuschauer, die parteipolitisch weitgehend festgelegt sind, ändern ihre Meinung aufgrund des TV-Duells in der Regel nicht. Im Gegenteil: Sie nehmen das Geschehen durch ihre „parteipolitische Brille“ wahr und werden in ihren Auffassungen sogar noch bestärkt. Die unentschiedenen Wählerinnen und Wähler hingegen können durch TV-Duelle leichter beeinflusst werden. Sie orientieren sich dann in erster Linie an der wahrgenommenen Problemlösekompetenz der Kandidaten sowie an deren Führungsstärke und an ihrer Vertrauenswürdigkeit. In der Wahrnehmung, wer aus dem Duell als Sieger und wer als Verlierer hervorgeht, kommt jedoch auch den Blitzumfragen und Einschätzungen von Kommentatoren große Bedeutung zu. Da Aussagen und Gestik der Duellanten in vielerlei Weise interpretiert werden können, schlägt nach den Duellen die Stunde der Experten, die interpretieren, wie das Duell zu deuten ist.

Foto: Politschach einmal anders: Schwarz vs Rot (Quelle: Dmitry Fisher/fotolia)

Links: TV-Duelle überschätzt und doch wichtig (PDF), Was ist das Besondere an TV-Duellen?, TV-Duelle Merkel und Steinmeier 2009 (PDF)

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