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Transparenz und Gerechtigkeit in der Altervorsorge

10.06.2015 – fassade_youliufu_fotoliaImmer wieder stehen die traditionellen Produkte der Lebensversicherung zur Altersvorsorge in der öffentlichen Kritik. So monieren Verbraucherschützer, Politik und Medien die mangelnde Produkttransparenz sowie die Frage nach einer gerechten Teilhabe der Kunden an den erwirtschafteten Kapitalanlageerträgen. Ist Transparenz aber auch gleichbedeutend mit Produktqualität?

Nicht zwangsläufig, meinen Peter Albrecht, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Versicherungswirtschaft der Universität Mannheim, sowie Hermann Weimann, Leiter des Instituts für Finanzwirtschaft der Hochschule Ludwigshafen am Rhein.

Ein fiktives Beispiel: ein Produkt garantiert eine jährliche Wertminderung des vorhandenen Anlagekapitals von zehn Prozent. Damit ist die Wertentwicklung zwar transparent für den Kunden dargestellt. Dennoch sei dies aus Sicht der Experten “kein empfehlenswertes Anlageprodukt”.

Vielmehr ist Transparenz zwar ein relevantes Kriterium, aber nicht das ausschließliche. Hier sind vor allem zwei unterschiedliche Informationskomponenten relevant:

  1. Transparenz in Bezug auf die mit den Produkten verbundene versicherungsmäßig organisierte Kapitalanlage dem Grunde nach;
  2. Transparenz im Hinblick auf den konkreten Prozess der Höhe der einzelnen Leistungskomponenten und deren zeitliche Entwicklung.

Die Frage bleibt allerdings, ob eine völlige Transparenz überhaupt möglich ist. Aus Sicht der Experten nur bedingt: Demnch sei festzuhalten, dass eine zentrale Produktkomponente völlig transparent ist, nämlich die Höhe des Garantiezinses. Nur bedingt transparent lässt sich hingegen die Höhe der Überschussbeteiligung festlegen. Dies liegt nach Ansicht der Experten zum einen an der grundsätzlichen Unsicherheit, welche Rendite im Rahmen des Anlageprozesses erreicht werden kann.

Und selbst wenn die Höhe der Rendite feststeht, kann der Versicherte nicht vollständig einsehen, wie die Höhe seiner laufenden Überschussbeteiligung und der Schlussüberschussbeteiligung zustande kommt. Zwar ist mit der jährlichen Information über die Höhe der Überschussbeteiligung eine gewisse Transparenz gegeben. Offen bleibt jedoch, wie die Höhe der Anteilssätze festgelegt wird.

Es will also gut überlegt sein, welche Folgekosten man in Kauf nimmt, wenn man dem Banner der Transparenz den Vorrang vor der finanziellen Stabilität gibt, so die Experten. Transparenz sei demnach wichtig – wichtiger ist hingegen die Balance der verschiedenen Aspekte des Produktnutzens. (vwh/td)

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Link: “Transparenz und Gerechtigkeit” – Eine Analyse aus fundamentaler Perspektive, in VW 6/15 (Einzelartikel zu 3,81 Euro)

Bildquelle: yuliufu / Fotolia

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