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Telematik erfordert neue Strukturen beim Versicherer

27.01.2015 – marc-oliver_matthias_rvMit dem Geschäftsfeld “Telematik” betreten die Versicherer “echtes Neuland”, meint Marc-Oliver Matthias, Abteilungsleiter Grundsatz bei der R+V Versicherung. So bietet sie neue Möglichkeiten in der Produktgestaltung und der Schadenregulierung sowie der Risikoselektion. Allerdings erfordert ein telematikbasiertes Produkt ganz neue Strukturen beim Versicherer. Im Interview mit VWheute spricht er über die Zukunft der Telematik in der Branche.

VWheute: Mit der heute vorliegenden Technik sind passende Telematiktarife derzeit noch nicht möglich. Wie sieht es Ihrer Meinung aber nach in zwei bis drei Jahren aus?

Marc-Oliver Matthias: Das vermag ich so pauschal nicht zu beurteilen. Fakt ist aber, dass die Möglichkeiten zur Erhebung der Daten beschränkt sind und die Aussagekraft sehr unterschiedlich ist. Für eine wirklich verlässliche Bewertung fehlt bisher jegliche statistische Datenbasis. Dies wird sich in zwei bis drei Jahren noch nicht maßgeblich geändert haben. Daher ist die Frage vielmehr, welche Erwartungshaltung habe ich als Versicherer? Ist es mein Anspruch, den asphaltierten Fingerabdruck meines Kunden zu bekommen oder geht es eher darum, die vorhandene Tarifsystematik stärker zu differenzieren?

VWheute: Wechseln wir einmal vom Versicherungstarif zum Schadenmanagement: Welche sinnvollen Anwendungsmöglichkeiten der Telematik haben Sie bei der R+V im Schadenfall ausmachen können?

Matthias: Mit Hilfe eines Telematiksystems schafft man eine neue Kundenschnittstelle. Diese bietet bekanntlich auch im Schadenfall verschiedene Möglichkeiten. Mit unserem automatischen Notrufsystem haben wir im Pilotfeld sehr positive Erfahrungen gemacht, denn hier entsteht eine Win-win-Situation für Kunden und Risikoträger. Beide profitieren von der hohen Reaktionsgeschwindigkeit im Schadenfall. Neben wirtschaftlichen Potentialen versteckt sich hier noch ein weiterer ganz wichtiger Punkt: Der Kunde erlebt seinen Versicherer erstmals als echten Problemlöser und Helfer. Diese emotionale Wahrnehmung verändert das Verhältnis nachhaltig und sorgt für eine deutlich verbesserte Kundenbindung.

VWheute: Ändern sich die Aussagen zu den Tarifen und dem Schadenmanagement bei Kfz-Flotten?

Matthias: Im Flottengeschäft sind Telematiksysteme heute ja bereits Realität. Die Anwendungsgebiete beschränken sich aber meist noch auf das Fuhrparkmanagement des Kunden. Die Potentiale hinsichtlich der Versicherung sind nur ansatzweise erschlossen. Hier zeigen sich vor allem im Bereich des Schadenverhütungsmanagements diverse Einsatzmöglichkeiten, welche dementsprechend auch in der individuellen Flottenkalkulation prämienrelevant sind. Ob und wie diese genutzt werden, liegt maßgeblich in der Hand des Unternehmers. (vwh/td)

Bild: Marc-Oliver Matthias (R+V Versicherung)

Link: Fachkonferenz – Telematik in der Kraftfahrtversicherung

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