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Swiss Re-Manager Reichelt: “Mehr Asylsuchende, mehr Versicherungsnehmer”

22.09.2015 – Frank Reichelt - Swiss ReÜber das europäische Flüchtlingsdrama, die Krise der Rückversicherer und den Groß-Schaden in Tianjin sprach Frank Reichelt, Hauptbevollmächtigter der Swiss Re Europe, Niederlassung Deutschland, im Rahmen des MCC Kongresses Insurance Today and Tomorrow in Düsseldorf mit VWheute. Sorgen bereite ihm das Thema Cyber-Sicherheit, die Branche stehe aufgrund fehlender Schadendaten vor “Neuland”.

VWheute: Bevor wir zur Zukunft der Rückversicherer kommen, bitte ich um eine kurzen Blick in die dramatische Gegenwart. Wie beurteilt die Swiss Re Europe das Flüchtlingsdrama? Hat es Folgen für die Versicherungswirtschaft?

Frank Reichelt: Wir beobachten diese Entwicklung ganz aufmerksam aus humanitärer Sicht und prüfen derzeit, wie das Engagement der Swiss Re hier aussehen könnte. Versicherungstechnisch ändert der Flüchtlingsstrom nach Europa erst einmal nichts. Häuser und Wohnungen bleiben unverändert, auch wenn sie vielleicht stärker bewohnt werden. Mittelfristig dürfte es mehr Einwohner geben, denn eine ganze Reihe der Asylsuchenden werden bleiben. Damit gibt es natürlich auch mehr Versicherungsnehmer.

VWheute: Was erwarten Sie von der diesjährigen Erneuerungsrunde. Welche Signale gab es beim internationalen Treffen in Monte Carlo?

Frank Reichelt: Noch gibt es mehr Kapazität auf dem Markt, bei weiterhin leicht fallenden Preisen. Wir glauben aber, dass die Entwicklung, die  nun schon drei Jahre anhält, sich deutlich verlangsamt und den Boden erreicht hat. Ein Umschwung gibt es immer dann, wenn ein großer Schaden die Märkte belastet.

VWheute: Könnte der verheerende Brand in der chinesischen Hafenstadt Tianjin ein solcher Schaden sein?

Frank Reichelt: Es gibt bisher nur Spekulationen über die Schadenhöhe. Sie reichen bis zu sechs Mrd. Euro und beruhen aber nur auf der Basis von Satellitenbildern. Das ist sehr unsicher. Klar ist aber schon heute, dass es der größte von Menschen verursachte Schaden aller Zeiten wird. Zwar sind internationale Transport- und Sachversicherer auf jeden Fall betroffen, doch der Umfang ist unklar. Das Ende des Preisabriebs dürfte aber von der Naturgefahrendeckung ausgehen. Hier entwickeln sich die Preis nämlich bereits seitwärts.

VWheute: Welche Risiken sind international problematisch?

Frank Reichelt: Cyber-Schäden sind omnipräsent in den Medien. Cyber-Schutz wird gleichzeitig immer stärker von allen Seiten nachgefragt. Hier stehen wir aber vor Neuland. Wir verfügen nicht über Schadendaten und müssen daher mit Szenarien arbeiten. Für die Rückversicherer ist derzeit das Kumulrisiko durch einen Hackerangriff das bestimmende Thema. Wir stehen hier, wie zu Beginn der 80er-Jahre bei Naturgefahren, vor dem Problem, eine effektive Kumulkontrolle zu entwickeln. Anders gesagt: Wir müssen das Limit ermitteln, das wir schultern wollen, wenn ein einziger Cyberschaden sehr viele Unternehmen betrifft.

VWheute: Müssen Rückversicherer immer größer werden? Gibt es einen Trend zur Fusion?

Frank Reichelt: Ein klares Ja. Eine Reihe von Erstversicherern hat angekündigt, dass sie mit weniger Rückversicherern arbeiten wollen. Daher werden kleinere Anbieter Kapazität verlieren. Als weltweit zweitgrößter Rückversicherer nach der Münchener Rück, sind wir aber sehr gut aufgestellt.

Das Interview führte VWheute-Korrespodent Uwe Schmidt-Kasparek.

Bild: Frank Reichelt, Hauptbevollmächtigter, Swiss Re Europe S.A., Niederlassung Deutschland (Quelle: Swiss Re)

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