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Supply Chain Management als Herausforderung für den Vertrieb

11.05.2015 – supply_chain_management_langmann_150In einer globalisierten Welt stehen längst nicht mehr nur einzelne Unternehmen im Wettbewerb zueinander. Ganz Wertschöpfungsketten (Supply Chains) ringen um die Plätze an der Sonne. Alle Beteiligten – vom Lieferanten über den Dienstleister bis hin zum Endkunden – müssen ihre Rollen neu finden. Wie man in diesem herausforderndem Umfeld im 21. Jahrhundert mit vernetztem Denken, branchenübergreifend, überleben kann, haben der Unternehmensberater Ernst Kurzmann und der Berater für Risikomanagement Erwin Langmann in ihrem Buch “Supply Chain Management” untersucht. Im Interview mit VWheute thematisiert Langmann die Rolle der Versicherer im Rahmen des SCM.

VWheute: Das Schlagwort vom Supply Chain Management (SCM) ist in aller Munde. Gleichwohl haben Sie in ihren Untersuchungen im Management ein falsches Verständnis des SCM identifiziert. Worin besteht das Hauptmissverständnis und wie lässt sich dieses beheben?

Erwin Langmann: Das Hauptmissverständnis besteht darin, dass SCM zu eindimensional gesehen wird. Supply Chain Management ist mehr als nur das Managen von logistischen Problemstellungen, SCM schafft vielmehr Märkte. Dies gelingt aber nur durch die radikale Ausrichtung aller Aktivitäten entlang der Wertschöpfungskette auf den Kundennutzen. Ganz entscheidend für den Erfolg einer Supply Chain ist die Verbesserung der Gesamtleistung und der Gesamtkosten zum allseitigen Vorteil. Wir haben die bisherige Erfolgsformel Win-Win-Situtationen zu schaffen verdammt und durch Win³ ersetzt. Wir sind überzeugt, dass wir damit einen Paradigmenwechsel im Management einleiten werden.

Wie lassen sich Ihre Erkenntnisse auf den Vertrieb immaterieller Produkte, wie z.B. Versicherungspolicen übertragen?

Beim Vertrieb von auf Supply Chains abgestimmten Versicherungslösungen wird in Zukunft die Kooperation in den Vordergrund rücken. Versicherer sollten sich auf verschiedene SCM-Risiken spezialisieren und fokussieren (eine Unterscheidung kann unter anderem durch die Trennung von Haftungs- und Finanzrisiken getroffen werden). So können zwei oder mehrere Versicherer die optimale Lösung anbieten. Wer profitiert sind die Versicherer, die Einkäufer von Versicherungslösungen innerhalb der Supply Chain und letztendlich  der König der Wertschöpfungskette, sprich Endkunde. Ein gutes Beispiel für eine Win³-Situation.  Natürlich müssen Kooperationen immer unter dem Gesichtspunkt der kartellrechtlichen Bestimmungen gesehen werden. Wenn Kooperation aber richtig verstanden wird, dann bieten sich völlig neue Chancen. Sowohl in der Risikotragung als auch im Vertriebs- und Schadensmanagement.

Welche Rolle fällt Versicherern ganz generell im SCM zu und füllen sie diese Rolle auch angemessen aus?

Versicherer haben im SCM die Rolle, dass sie neue, innovative und auf das individuelle Risiko einer Supply Chain abgestimmte Versicherungslösungen anbieten. Dabei steht die Erhaltung der finanziellen Stabilität von eng vernetzten Wertschöpfungsbeteiligten im Vordergrund. Die Herausforderung für die Versicherer? Sie müssen die Bedürfnisse einer Supply Chain und deren Beteiligten genau kennen und auch bewerten können. Der Risikoquerschnitt reicht vom Produkthersteller, Logistiker und Vertriebskooperationen bis hin zum König der Wertschöpfungskette – sprich Kunde. Die Rück- und Wechselwirkungen in der Supply Chain sind völlig neue. So kann beispielsweise der Ausfall eines indirekten Vertriebspartners, der als Kundenmagnet für viele kleinere Supply Chain-Partner wirkt, zu einem Absatzausfall führen.

Die Versicherer sind derzeit noch nicht in der Lage über die klassische Risikoabdeckung durch altbewährte „Standardprodukte“ hinaus neue Versicherungslösungen anzubieten. Was fehlt sind einerseits die spezifischen Sachkenntnisse über Risikoprofile einer Supply Chain, andererseits fehlen entsprechende Erfahrungswerte. Folglich wird es eigener Schulungskonzepte von Underwritern der Versicherer bedürfen. Diese müssen die Geschäftsmodelle verstehen und auch ein Grundverständnis für das Supply Chain Management mitbringen, damit sie adäquate Versicherungslösungen entwickeln können. (siehe auch KÖPFE). (vwh/ak)

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Alexander Kaspar.

Bild: Erwin Langmann, Risikoberater. (Quelle: Langmann)

Links: Supply Chain Management Wie Sie mit vernetztem Denken im 21. Jahrhundert überleben, Empfehlungen für die Ausgestaltung eines Präventionskonzepts in der Transportversicherung

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