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Strenge Kundensicht bei der Digitalisierung

23.08.2016 – karl_laumann_epoDas Thema Digitalisierung steht auch bei den privaten Krankenversicherern derzeit im Mittelpunkt der Diskussion, und das von Politik und Praxis gleichermaßen. So stuft Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium, Karl-Josef Laumann, das deutsche Gesundheitswesen in Bezug auf den Digitalisierungsgrad als Entwicklungsland ein.

Vor allem fürchte man nach seiner Einschätzung auf Funktionärsebene die Transparenz, die mit der Digitalisierung zwangsläufig einhergehe. Diese nutze bewusst nicht die vielen positiven Möglichkeiten, etwa zur Effizienzsteigerung oder zur verbesserten Kommunikation zwischen Arzt und Patient, kritisierte er auf dem PKV-Kongress von Euroforum in Berlin. Etwaige rechtliche Rahmenbedingungen, die eine solche Entwicklung behindern, müssten in der kommenden Legislaturperiode von der neuen Regierung in Angriff genommen werden, ist er überzeugt. Als weitere dringliche Aufgaben nannte er die verbesserte hausärztliche Versorgung vor allem in ländlichen Gebieten sowie die angemessene Versorgung Demenzkranker.

Bezogen auf die privaten Krankenversicherer sieht Andreas Eurich, Vorstandschef der Barmenia Krankenversicherung, neben den Problemen durch Zinstief und verschärfte Regulatorik ebenfalls die Nutzung der digitalen Möglichkeiten als eine der größten Aufgaben für sein Haus und die Mitbewerber an. Ein ernstes Problem dabei sei die enorme Dynamik der Entwicklung, die langfristige Planungen praktisch unmöglich machen. “Man muss in dem Fall einfach etwas tun und Step by Step Dinge ausprobieren, weil sie später schon wieder überholt sein können”, so seine Meinung.

Um innovative Ideen zu sammeln und kurzfristig umzusetzen, gibt es bei der Barmenia ein Innovationsboard, das an den Vorstand angebunden ist und dem auch Experten anderer Branchen angehören. Zwei Dinge findet Eurich wichtig beim Thema Digitalisierung: Die strenge Kundensicht bei digitalen Neuerungen, vor allem in den Bereichen Betreuung und Schadenservice, weil es hier den größten Nachholbedarf gibt. Und die Einbeziehung anderer Stakeholder wie Ärzte, Krankenhäuser und Dienstleister, wobei er für mutige Lösungen plädiert. Zudem erinnert er an die Möglichkeiten des zweiten Gesundheitsmarktes, die gegenwärtig voll an den Krankenversicherungen vorbeigehen, von branchenübergreifenden Angeboten sowie eines Krankenversicherungsschutzes nur für bestimmte, kurzfristige Anlässe. “Wir müssen unser Kerngeschäft verlassen, um für Kunden attraktiver zu werden und zukunftsfähig zu bleiben”, betonte er.

In einer Diskussionsrunde mit Politikern, Wissenschaftlern und Praktikern wurde vor allem das Thema Bürgerversicherung kontrovers diskutiert. Während sich die Grünen-Gesundheitspolitikerin Maria Klein-Schmeink naturgemäß für die Bürgerversicherung aussprach und betonte, dass keine Einheitsversicherung geplant sei, sondern private und gesetzliche Kassen gemeinsam „das Prinzip Bürgerversicherung“ anbieten sollen, stellte ihr CDU-Kollege Thomas Stritzl ebenso naturgemäß den Ansatz komplett infrage. Der Vertreter der GKV, Peter Kaetsch, Vorstand der BIG direkt gesund, betonte die bereits erfolgte Annäherung beider System etwa durch Kooperationen und plädiert für eine evolutionäre Weiterentwicklung des dualen Systems. Unter anderem warb er für eine Durchlässigkeit der Systeme in beide Richtungen. (epo)

Bild: Karl Laumann auf dem PKV-Kongress von Euroforum in Berlin (Quelle: epo)

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