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Streicheleinheiten für Makler

09.06.2016 – axel_kleinlein_epoProbleme haben Makler aufgrund vieler Baustellen derzeit ohne Ende. Ein Hauptkritikpunkt von Seiten der Wissenschaft liegt in der Regulierung selbst, die trotz nationaler Unterschiede identisch sein müsse. BdV-Vorstandsprecher Axel Kleinlein kritisierte beim gestrigen Makler-Symposium des Verbandes Deutscher Versicherungs-Makler (VDVM) erneut die vermeintliche Intransparenz der Produkte.

Interessant ist, dass die Makler auf dem Symposium Unterstützung von Institutionen fanden, die nicht per se auf Seiten des Versicherungsvertriebs stehen: von der Wissenschaft und dem Verbraucherschutz. So ging Thomas Köhne vom Institut für Versicherungswirtschaft der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (HWR) recht hart mit der neuen EU-Vermittlerrichtlinie IDD ins Gericht.

Warum zum Beispiel alle europäischen Vermittler trotz vieler nationaler Unterschiede identisch reguliert werden müssen, erschließt sich dem Wissenschaftler nicht. Zwar hätten sich die schlimmsten Vermittler-Befürchtungen wie generelles Provisions-Verbot oder Offenlegung der Provision nicht bewahrheitet. “Aber es ist schon schlimm genug, was in der IDD drinsteht”, schätzt er ein.

Und der deutsche Gesetzgeber habe nach unten auch keinen Spielraum bei der Umsetzung in nationales Recht. Die muss bis Ende Februar 2018 stehen. Zu den Änderungen, die Vermittler betreffen, zählen eine Qualifikation, die von den vermittelten Produkten abhängt, eine ständige Weiterbildung, die nicht durch “Absitzen” nachgewiesen werden kann, sondern durch eine Prüfung belegt werden muss. Die Organisation muss von einem öffentlich-rechtlichen Organ durchgeführt werden – “gut beraten” gehört demnach auf den Prüfstand.

Die Wohlverhaltenspflichten hält Köhne für edel aber undurchführbar. Welcher Makler könne schon stets ehrlich, redlich und professionell in deren (des Verbrauchers) bestmöglichem Interesse beraten? “Das wäre ein best-advice-Ansatz, eine hinreichende Marktkenntnis würde dann nicht mehr ausreichen”, bemängelte er. Auch Vergleichsportale müssten dann daran gemessen werden.

“Die können gar nicht im bestmöglichen Interesse des Kunden arbeiten, wenn sie den Versicherer mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis nicht dabeihaben“, so sein Urteil. Was die Offenlegung der Vergütung betrifft, werde auch die IDD-Forderung nach Angabe der Art der Vergütung noch genug Probleme bereiten, da z.B. auch Folge- und Staffelprovisionen und jede andere Art der Vergünstigung dazu gehören.

Probleme sieht er auch durch die Product Oversight and Governance Arrangements, (POG) auf die Makler zukommen. Zwar liege die Verantwortung dafür, dass Produkte bestimmten Zielgruppen zugeordnet bzw. für andere Zielgruppen als ungeeignet ausgeschlossen werden, beim Versicherer. “Aber die Vermittler müssen sich dieses Wissen beschaffen und Prozesse dicht am Produktgeber installieren, um auf dem Laufenden zu sein“, so Thomas Köhne.

In diesem Punkt äußerte Axel Kleinlein, Vorstand beim Bund der Versicherten (BdV), eine etwas andere Meinung. Gerade die POG könnten zu einer Enthaftung der Vermittler führen, da sie den Versicherungsunternehmen den Schwarzen Peter zuschieben können. Auch ansonsten zeigte er sich solidarisch mit der Vermittlerschaft, da sie – ebenso wie die Verbraucher – unter der fehlenden Transparenz seitens der Versicherungswirtschaft leiden würden.

Denn Intransparenz beziehe sich fast immer auf die Produkte, was Kosten, Funktionsweise, Optionen oder auch Vertragsstand betrifft. Wenn etwa Standmitteilungen von Lebensversicherungen kryptisch seien, sind Verbraucher ebenso davon betroffen wie Vermittler, die sie ihren Kunden nicht erklären können. Das trifft nach Kleinleins Einschätzung ebenso auf unverständliche Formulierungen in Versicherungsbedingungen zu, die zum Teil mit zig Verweisungen auf andere Quellen arbeiten.

“Makler können daran nichts ändern, sie müssen das Produkt so nehmen, wie es ist”, zeigte er Verständnis. Zu dem Pfusch durch Versicherungsunternehmen kommt noch staatlicher, wie der Ausweis der Effektivkosten von Verträgen, die weder Transparenz noch Vergleichbarkeit schaffen würden. Im Zweifel will der BdV vor Gericht gehen, wenn er das Ergebnis der gegenwärtigen Diskussion nicht mittragen kann. (epo)

Bild: BdV-Vorstandsprecher Axel Kleinlein (Quelle: epo)

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