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Steuern wir auf eine Weltfinanzkrise zu?

18.01.2016 – Boersencrash_FotoliaFast drei Jahre lang müsste die Weltbevölkerung ohne Lohn arbeiten, um ihre Schulden komplett zu tilgen, rechnen die Wirtschaftsforscher des McKinsey Global Institutes vor. Die Schuldenquote erreichte im Jahr 2014 286 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsproduktes, Tendenz steigend. Vor allem China testet die Grenzen seiner Schuldtragfähigkeit aus.

Wie kein anderes Land der Welt hat China sich seit der Finanzkrise verschuldet. Auf sieben Billionen Dollar summierten sich die Schulden im Reich der Mitte im Jahr 2007. Sieben Jahre später waren es 28 Billionen Dollar. Die Schuldenmacherei hat sich verlangsamt, schreibt Swiss-Re-Ökonom Kurt Karl. Aber sie geht weiter. Der Übergang Chinas von einer Werkbank für die Weltwirtschaft zu einer modernen Dienstleistungswirtschaft wird noch viel Geld Kosten.

Dabei nehmen die Spielräume ab. Nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds steht das globale Finanzsystems (sofern es das überhaupt gibt) vor einer bisher nicht dagewesenen Anpassung. Die letzte Finanzkrise hat gezeigt, wie schnell ein Zusammenbruch kommen kann. „Selbst wenn die Markt-Liqidität groß erscheint, kann sie plötzlich schwinden und zu Finanzturbulenzen führen“, warnt das IWF.

Selbst der Schuldenbefürworter Paul Krugman hält die Lage in China für „ziemlich düster“. „Das Grundproblem besteht darin, dass Chinas Wirtschaftssystem mit hoher Sparquote und geringem Konsum nur durchhaltbar war, solange das Land extrem schnell wachsen konnte und dadurch die hohen Investitionen gerechtfertigt hat.“ Die Ansteckungsgefahr hält Krugmann aber für vergleichsweise gering wegen der Kapitalkontrollen.

Ökonomen rechnen damit, dass China diese Beschränkungen lockern wird, um die Krise zu überwinden. Der Staat hat gigantische Währungsreserven, doch eine Reserve kann gar nicht so groß sein, dass sie eine negative Stimmung auf den Weltmärkten drehen könnte. Anders als die hoch verschuldeten chinesischen Unternehmen hat der Staat aber noch reichlich finanziellen Spielraum. Die Staatsverschuldung beläuft sich auf 43,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, S&P bewertet China mit AA-, so gut wie Tschechien, Estland oder Taiwan.

Ist die Welt überschuldet? Erst dann, wenn sie die Zinsen dafür nicht mehr bezahlen kann. Und da sind die Spielräume selbst in den hoch verschuldeten Ländern Europas viel größer als angenommen. Nach dem Schuldenschnitt im Jahr 2012 wendet der Staat nur noch 8,5 Prozent der Staatseinnahmen für den Schuldendienst auf. In Irland und Portugal gehen 11 Prozent der Staatseinnahmen für Zinsen drauf, in Deutschland sind es knapp 4 Prozent. Durch entsprechende Budgetkürzungen wären die Staatsfinanzen schnell wieder ins Lot zu bringen, doch das ist ein politisches Problem. Staaten kann man eben nicht einfach managen. Finanzkrisen noch weniger. (ba)

Bildquelle: Fotolia

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