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S&P sieht negative Vorzeichen für die globale Rückversicherungsindustrie

10.09.2014 – Standard_PoorsGroße Ereignisse werfen ihre Schatten voraus, in diesem Fall die inoffizielle Jahreshauptversammlung der weltweiten Rückversicherungsindustrie mit ihrem Treffen nächste Woche im Fürstentum Monaco. Die Ratingagentur Standard & Poor´s hat mit einem Pre-Monte Carlo Rendez-vous das Warm-up eingeleitet und die großen Trendlinien herausgearbeitet: Danach beobachtet S&P nach acht Jahren der Stabilität das Aufkommen negativer Einflüsse, Stichwort Fremdkapital.

Die Wettbewerbslandschaft verändert sich stark so die Agentur, kleinere und weniger diversifizierte Rückversicherer werden Probleme haben ihren Position zu verteidigen. S&P erwartet weichere Preise, was zu einer Verschlechterung der Performance in 2014 und 2015 führen wird. Negativen Faktoren wie u.a. dauerhaft niedrige Zinsen stehen positive Einflüssen wie eine hohe Kapitalisierung und eine disziplinierte Zeichnungspolitik gegenüber.

Auf die Frage von VWheute, ob durch den Preisverfall auf den Rückversicherungsmärkten erste Schieflagen bei den Rückversicherern zu beobachten sind, antworten die Analysten Johannes Bender, Associate Director und Christian Badorff, Associate Director:

Seit Januar 2014 sehen wir negative Vorzeichen für die globale Rückversicherungsindustrie. Die sinkenden Preise, ausgelöst durch hohe Kapazität und Änderungen im Nachfrageverhalten von Erstversicherern, können aus Sicht von Standard & Poor’s insbesondere die Wettbewerbspositionen, Ertragskraft und Kapitalisierung von Rückversicherern verschlechtern. Besonders betroffen aus unserer Sicht sind kleine, wenig diversifizierte Rückversicherer. Wir schätzen, dass etwa die Hälfte der 23 von Standard & Poor’s beurteilten globalen Rückversicherer davon besonders betroffen sind. Im Einzelfall könnte dies zu Abstufungen unserer Einschätzung der Wettbewerbsposition oder des Gesamtratings führen. Gleichwohl ist die Kapitalausstattung der Rückversicherer weiterhin auf einem sehr hohen Niveau. In 2012 und 2013 lag das Eigenkapital, profitierend von starken Erträgen, der größten 40 Rückversicherer jeweils auf einem Rekordwert. Zudem sind die Risikomanagementsysteme der Branche aus unserer Sicht weit entwickelt und haben in der Vergangenheit größere Fehlentwicklungen verhindert. Daher liegt das Durchschnittsrating der von Standard & Poor’s beurteilten Gesellschaften weiterhin bei ‚A‘.

Handelt es sich bei dem Wachstum alternativer Rückversicherungskapazität um ein dauerhaftes Phänomen?

Neugründungen und alternatives Kapital sind prinzipiell kein neues Phänomen in der Rückversicherungsbranche. Die starke Ertragskraft der Branche in den letzten Jahren hat eine Vielzahl von Investoren, insbesondere Pensionsfonds und Hedge Fonds, aufmerksam werden lassen. Insbesondere das niedrige Zinsumfeld macht die Renditen der Branche noch attraktiver. Wir glauben, dass diese Investoren durchaus zu einem gewissen Teil ‚zinsgetrieben‘ sind und bei einem stark veränderten Kapitalmarktumfeld mit höheren Alternativrenditen das Kapital auch wieder abziehen könnten. Zudem ist in einem steigenden Zinsumfeld davon auszugehen, dass der Druck auf die Preise steigt und den Wettbewerb anheizt und ggf. die Renditen der Branche in einzelnen Sparten verschlechtert. Trotzdem glauben wir, dass Alternativkapital auch in einem steigenden Zinsumfeld zu einem bestimmten Teil weiterhin Nischen in der Branche besetzen wird.

Welche Risiken entstehen den Rückversicherern durch ihr verstärktes Wachstum in den Schwellenländern?

Rückversicherer in Schwellenländen müssen sich in den unterschiedlichen Ländern teils erheblichen regionalen Unterschieden wie z.B. unterschiedliche gesetzliche, aufsichtsrechtliche und ökonomische Rahmenbedingungen, stellen. Einige Schwellenländer bergen große Risiken im Hinblick auf Naturkatastrophen, Politik oder Terror. Dies führt dazu, dass die Strategien sehr länderspezifisch ausgestaltet werden müssen und Synergien in der Marktbearbeitung schwierig zu heben sind. Zudem brauchen Rückversicherer meist viel Ausdauer, bis sich das Geschäft in Schwellenländer profitabel entwickelt. In den frühen Entwicklungsstadien eines Versicherungsmarktes gibt es meist geringere Volumina rückversicherbaren Geschäftes, sondern eher standardisierte Massenprodukte mit geringeren Margen. In China beispielsweise kommen 70 Prozent der Schaden-Unfall Prämien aus der Kfz-Versicherung, mit im Allgemeinen geringeren Margen als z.B. in der Industrieversicherung oder anderen komplexeren Abdeckungen. Die Entwicklung hin zu einem komplexeren und saturierteren Versicherungsmarkt kann Jahrzehnte dauern.

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