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Solvency II fehlt es noch an Klarheit

05.11.2015 – bafin-konferenz_lieTrotz der langen Planungsphase weist das künftige Aufsichtsregime Solvency ll noch Lücken auf. “58 Tage vor der Scharfschaltung besteht für die Unternehmen noch keine Klarheit, ob sie für ihre Anträge eine Genehmigung von der Aufsicht erhalten werden”, sagt Axel Wehling, Mitglied der Hauptgeschäftsführung des GDV am Mittwoch auf der Solvency-II-Konferenz. Die Unternehmen stünden allerdings mit der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) im Dialog und führten konstruktive Gespräche.

“Die Unternehmen gehen davon aus, dass die Genehmigungen kommen”, so Wehling. Es handele sich um Vertrauenstatbestände, von denen man hoffe, dass sie sich realisieren. Konkret handelt es sich sowohl um Anträge zur Berechnung des SCR als auch um weitere Verfahren wie das zur Anpassung der Volatilität, des Matching, das Zins- sowie das Rückstellungstransitional und die ergänzenden Eigenmittel.

Bafin-Präsident Felix Hufeld hatte diese Übergangsmaßnahmen in seiner Eingangsrede verteidigt. Ohne diese hätte es im November 2013 gar keine Einigung auf dieses System gegeben. Man solle sie nun “nicht nachträglich stigmatisieren”, schließlich werde der Übergang auf Solvency II den Versicherern anderer EU-Staaten mit Abweichungen erleichtert.

“Jede Maßnahme hat ihre Berechtigung und Zielsetzung, um unternehmensspezifische Parameter besser abzubilden. Es geht nicht um die Optimierung des SCR oder um Bedürftigkeit”, sagte Bafin-Referentin Beate Hannemann. Unternehmen, die Anträge stellten, müssten nachweisen, dass diese Ziele langfristig erfüllt werden. Bafin-Referatsleiter Thorsten Arhold warnte die Modelle als “überzogene Kapitaloptimierung” zu verstehen. Es gehe um die Verzahnung der Modelle mit der Geschäftssteuerung und adäquatem guten Risikomanagement. In der Diskussion wurden Befürchtungen laut, dass in der Assekuranz ein ähnlicher Prozess wie in der Kreditwirtschaft einsetzen könne. Die Bankenaufseher haben inzwischen Zweifel an den internen Modellen.

Markus Hummel von der Münchener-Rückversicherungs-Gesellschaft AG berichtete, dass sein Haus schon seit Anfang der Jahrtausendwende interne Modelle nutze, um unter anderem komplexe Risiken vergleichbar zu machen. Mit dem Kapitalmarkt habe man schon 2002 ein Risikomodell kommuniziert. “Das, was wir nutzen, wollen wir auch zertifiziert haben und regulatorisch nutzen”, sagte er.

Laut Hannemann wurden allein für die Volatilitätsanpassung 50 Anträge gestellt. “Hauptsächlich von Lebensversicherern, aber auch von einigen SHU-Versicherern”, sagte sie. Viele Anträge entfielen auch für die Übergangsmaßnahme zu den Rückstellungen, einige beträfen die ergänzenden Eigenmittel. Man versuche schnell zu genehmigen und gehe auf die Unternehmen zu, wenn man Missverständnisse im Antrag erkenne. Ein Vorgehen, das Thomas Flemming, Vorstandschef der Mecklenburgischen-Gruppe bestätigte: “Wir hatten vergessen für die ergänzenden Eigenmittel das Antragsformular zu verwenden. Da kam dann die Rückmeldung – das funktioniert also. Die Aufrufe der Aufseher zum Fragen und zum Dialog sind keine Floskel. Vor allem kleine Unternehmen sind gut beraten, das annehmen – das hilft.” (lie)

Bild: Axel Wehling, Thomas Flemming, Beate Hannemann, Jörg Krause, Markus Hummel, Thorsten Arhold (v.r.n.l.) (Quelle: Monika Lier)

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