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Solvency II: Fehler im System

12.10.2015 – Metz_Deutsche_RueckVon Alexander Metz, Deutsche Rück. Die Bewertung von Katastrophenrisiken führt im Sovency-II-Standardmodell zu falscher Steuerung. Grundsätzlich führt die pauschale Risikobewertung zu massiven Fehleinschätzungen, das heißt in der Regel zu deutlichen Überschätzungen der tatsächlichen Risiken.

Vor diesem Hintergrund kann nur an die Eiopa appelliert werden, gemäß dem Vorbild der Rückversicherung auch in anderen Bereichen, die nicht standardisiert betrachtet werden sollten, strikte Regeln durch angemessenere Prinzipien zu ersetzen. Dies sollte möglichst schnell passieren.

Denn dadurch ergibt sich die schizophrene Situation, dass Rückversicherungsinstrumente, durchaus adäquat abgebildet werden können, dies aber auf Basis von erratischen Szenarien geschehen muss. Im Extremfall muss dann mittels Rückversicherung der Modellfehler im Standardmodell geglättet und auf ein für das Versicherungsunternehmen erträgliches Maß reduziert werden.

Beim Standardmodell wurden keinerlei prinzipienorientierte Spielräume geschaffen, sondern ein striktes Regelwerk implementiert. Und das führt teilweise zu massiven Fehlsteuerungen bei der Risikobewertung. Es stellt sich hier grundsätzlich die Frage, warum die länderspezifische Risikomodellierung einer zentralen Vorgabe bedarf.

So werden beispielsweise Überschwemmungsrisiken auf Ebene von Cresta-Zonen modelliert. Das ist eine vollkommen unangebrachte Vereinfachung, die zudem ein risikogerechtes Underwriting
vollständig konterkariert. Ein anderes Beispiel findet sich im Hagelmodell, wo sich Risikofaktoren benachbarter Regionen um Größenordnungen unterscheiden können, und es gerade bei regional orientierten Versicherungsunternehmen zu unangenehmen Überraschungen kommen kann. Die Kritik lässt sich leicht auf alle Katastrophenrisiken ausweiten.

Als Rückversicherer kann man der Eiopa für den prinzipienorientierten Ansatz für nichtproportionale Rückversicherungen gratulieren. Die Spielräume durch die „Guidelines on application of outwards reinsurancearrangements to the non-life underwriting risk sub-module“ erscheinen in den meisten Fällen ausreichend, um eine adäquate Abbildung der Rückversicherungswirkung zu erreichen.

Bild: Alexander Metz ist Abteilungsdirektor Konzerncontrolling und integriertes Risikomanagement bei der Deutschen Rück. (Quelle: Deutsche Rück)

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Ausführlicher Expert: Fehler im System. Alexander Metz erklärt, wie die Bewertung von Katastrophenrisiken im Solvency-II-Standardmodell zu falscher Steuerung führt.

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