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“Solidargemeinschaft endet auch ohne Blockchain”

22.12.2016 – Joerg Bollow_BisnodeBig Data, Blockchain, Risikoanalyse – Begriffe, die in jedem Gespräch über die Zukunft der Branche fallen. Wie nutzt ein Unternehmen Daten optimal und werden in Zukunft die Versicherungsrisiken individualisiert werden? VWheute hat mit Jörg Bollow, Executive Director und Mitglied der Geschäftsleitung, von Bisnode Deutschland gesprochen. Der Dienstleister führt nach eigenen Angaben eine der größten Wirtschaftsdatenbanken Deutschlands.

VWheute: Datenauswertung und -analyse spielen in der Versicherungsbranche eine immer größere Rolle. Mit welchen Methoden arbeiten Sie im Detail und welche Rückschlüsse können Versicherer daraus ziehen?

Bollow: Neben den ganz klassischen Risikoinformationen, die wir zu Unternehmen in über 220 Ländern liefern, spielen im Bereich der Versicherungswirtschaft sicherlich Daten, die Aufschluss über Betrugsrisiken geben können, eine elementare Rolle. Große Versicherungskonzerne beschäftigen sich bereits mit dem Thema “Big Data” inhouse. Wir sind darüber hinaus in der Lage, dann unterstützend tätig zu werden, wenn es um die Nutzung von Social-Media-Inhalten und allgemeinem Webcontent geht. Hier können wir helfen, um zum Beispiel Angaben von Versicherungsnehmern auch zu verifizieren. Interessant für die Versicherungsbranche sind daneben aber auch Informationen, die bei der Entwicklung neuer Produkte und der Suche neuer Kunden von Vorteil sind. Die Echtzeitinformationen, die wir bieten können, sind sowohl im Marketing als auch im Vertrieb wichtig.

VWheute: Stichwort Risikoanalyse: Welche Vorteile können sich Versicherer aus den gewonnenen Daten versprechen und was bedeutet dies für das Risikomanagement der Versicherer?

Bollow: Das umfasst ganz unterschiedliche Bereiche: Einerseits selbstverständlich Risikoinformationen, die Unternehmen nutzen können, um Zahlungsverhalten oder Forderungsausfälle zu vermeiden. Aber auch die Validierung von Informationen in den eigenen Datensätzen dient in den Unternehmen der Risikominimierung. Aufgrund des äußerst umfangreichen Datenuniversums und der Bereitstellung von Indikatoren helfen wir Unternehmen zum Beispiel dabei, Erfolgsaussichten einzuschätzen. Darüber hinaus sind wir sehr individuell mit Unternehmen in Gesprächen, um sie bei der Validierung von Informationen aus unterschiedlichen externen Quellen zu unterstützen. Man könnte da vielleicht von einem “analytical lab as a service” sprechen. Um es einfach zu sagen, wir liefern Rückschlüsse, die wir aus der systematischen Nutzung neuer Datenquellen ziehen können – und das eben aus einer enormen Vielzahl an Datenquellen.

VWheute: Werfen wir einen kurzen Blick in die Zukunft: Sehen wir dank Blockchain künftig eine zunehmende Individualisierung der Versicherten und das Ende der Solidargemeinschaft?

Bollow: Das würden wir gar nicht so sehr an der Blockchain-Technologie festmachen. Sicher ergeben sich hier in Zukunft neue Möglichkeiten – sowohl für Versicherte als auch für Versicherungen. Das hat allerdings eher transaktionellen Charakter. In Bezug auf die Individualisierung von Versicherten stellt man fest, dass wir alle mehr Daten preisgeben – denken wir hier unter anderem an das mittlerweile sehr beliebte “Health Tracking”. Derartige Daten bieten Versicherungsunternehmen natürlich die Möglichkeit, individualisierter auf Kunden zuzugehen. Da stellt sich in Zukunft eher die Frage, ob es nicht eine Entwicklung weg von einer Solidargemeinschaft hin zu vielen gibt und wie die kritische Größe solcher Solidargemeinschaften sein muss.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Tobias Daniel.

Bild: Jörg Bollow (Quelle: Bisnode)

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