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Smart Home: Versicherer können von Insurtechs lernen

07.11.2016 – patrick_pruess_gothaer“Versicherer und Smart-Home-Anbieter können von Insurtechs lernen oder mit diesen kooperieren”, glaubt Patrick Prüss, Produktmanager Komposit Privatkunden bei der Gothaer. Der Erfolg der Zusammenarbeit werde “dadurch definiert, dass in diesen strategischen Allianzen jeder sein spezifisches Know-how einbringt und das Gesamtkonstrukt einen klar erkennbaren Kundennutzen bietet”, betont der Experte im Exklusivinterview mit VWheute.

VWheute: Smart Home gehört in den USA bereits zum Alltag, steckt in Deutschland hingegen noch in den Kinderschuhen. Worin sehen Sie derzeit die Ursachen dafür und ist dieses Thema bei den deutschen Versicherern überhaupt schon angekommen?

Patrick Prüss: Derzeit ist das Thema aus meiner Sicht in Deutschland noch nicht wirklich angekommen. Studien zeigen, dass sich dieser Markt hier noch in einer frühen Phase befindet. Die Kunden haben Interesse, aber es gibt noch keine eindeutige Präferenz für Anbieter oder eine ausreichende Zahlungsbereitschaft.

Zudem ist die Technik noch nicht intuitiv genug. Wir testen derzeit umfangreich Anlagentypen von unterschiedlichen Herstellern und sehen, wie herausfordernd die Einrichtung der Anlagen ist. Dieser Aspekt und der teils noch relativ hohe Anschaffungspreis schaffen derzeit noch Eintrittshürden, die aber sicher in den kommenden Jahren überwunden werden.

VWheute: Die Vernetzung mittels Smart Home wird in den kommenden Jahren jedenfalls weiter an Bedeutung gewinnen. Wie sieht aus Ihrer Sicht das typische Geschäftsmodell der Zukunft aus und wie verändert dies bestehende Tarifarten wie die Hausratversicherung?

Patrick Prüss: Smart Home bietet Ansätze in der Prävention, die sich auch in der Kalkulation niederschlagen können. Mechanische und VdS-anerkannte Sicherungen sind natürlich der optimale Schutz. Aber es macht auch einen Unterschied, ob ein Haushalt vollkommen ungeschützt ist, oder mit einer Smart Home Anlage über ein Housekeeping (Beleuchtung und Musik bei Abwesenheit) oder ein Alarmcenter mit Sensorüberwachung verfügt. Hier können Versicherer in einer risikogerechten Tarifierung reagieren und Nachlässe anbieten.

VWheute: Stichwort Strategische Allianzen: Vor allem Insurtechs und digitale Start-ups “rocken” derzeit den Markt. Welche strategischen Kooperationen sind aus Ihrer Sicht denkbar und wie sähe eine solche Allianz aus?

Patrick Prüss: Noch spannender als der reine Präventionsaspekt ist Smart Home als Instrument zur Steigerung des Kundenerlebnisses. Der Einbruch unbekannter Täter in die eigenen vier Wände stellt einen massiven Eingriff in die Privatsphäre dar und hinterlässt – neben den materiellen Verlusten – ein massives und nachhaltiges Gefühl der Unsicherheit und Schutzlosigkeit.

Hier lässt sich ein spannendes Anwendungsfeld aufbauen: Versicherer verfügen unmittelbar mit der Schadenmeldung über sehr aktuelle Informationen zum Schadenfall und können über eine strategische Allianz mit Smart Home Anbietern entsprechende Angebote zur Smart Home-Sicherungstechnik unterbreiten. Die Absicherung der privaten Wohnräume mit dieser Technik tragen dem gesteigerten Sicherheitsbedürfnis vieler unserer Kunden Rechnung.

Versicherer und Smart-Home-Anbieter können dabei von Insurtechs lernen oder mit diesen kooperieren, um Apps kundenorientierter und innovativer zu machen oder spannende Geschäftsmodelle zu entwickeln. Oft sind neben der relativ teuren Hardwareinstallation auch die Steuerungsapps noch zu sperrig oder komplex. Am Ende wird der Erfolg dadurch definiert, dass in diesen strategischen Allianzen jeder sein spezifisches Know-how einbringt und das Gesamtkonstrukt einen klar erkennbaren Kundennutzen bietet.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Tobias Daniel.

Bild: Patrick Prüss, Produktmanager Komposit Privatkunden bei der Gothaer, referiert heute auf der 1. Fachkonferenz Smart Home über die Suche nach Geschäftsmodellen und strategischen Allianzen. (Quelle: Gothaer)

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