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Sind Monsterschiffe versicherbar?

15.09.2015 – Berg_epoDas Jahr 2014 war ein gutes Jahr für die deutschen Transport- und Luftfahrtversicherer: Weil große Schäden ausgeblieben sind, sind die Schadenzahlungen auf 1,11 Mrd. Euro gesunken, während die Beitragseinnahmen bei relativ stabilen 1,76 Mrd. Euro liegen. Neue und größere Risiken stehen im Fokus der International Union of Marine Insurance bei ihrer Konferenz in Berlin.

Mit einer Schadenquote von knapp 63 Prozent und einer Combined Ratio von 91,4 Prozent können Transportversicherer derzeit gut leben, versicherte gestern Matthias Kirchner, Transport- und Luftfahrtversicherungsexperte des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherer (GDV), am Rande der Jahreskonferenz des Internationalen Transportversicherungsverbandes IUMI in Berlin. 2015 sehe es dagegen nicht so gut aus. Inwieweit deutsche Versicherer von der Explosion im chinesischen Hafen Tianjin betroffen sind, stehe noch nicht fest. Da allerdings von den rund 17.000 Autos, die von dem Unglück betroffen sind, rund die Hälfte aus deutscher Produktion stammt, sind sie mit größter Sicherheit involviert, betonte Dieter Berg, IUMI-Präsident und Transportversicherungsexperte des Münchener Rückversicherers Munich Re.

Vor allem der Druck auf die Reedereien, immer mehr Güter immer effizienter über die Weltmeere zu transportieren, erzeuge bisher unbekannte Risiken, erklärte er weiter. Rund 90 Prozent des globalen Warenverkehrs wird auf dem Wasser abgewickelt. Allerdings nehmen die Frachtraten aufgrund des Überangebots an Schiffen ab, die Treibstoffpreise aber zu, so dass die Reeder immer größere Frachter in Dienst stellen, die immer größere – und wertvollere – Lasten tragen. “Vor zehn Jahren galten Schiffe, die 8.000 Container tragen konnten, noch als Giganten”, macht er das Ausmaß der Entwicklung deutlich. “Heute reden wir von 19.000 Containern, und Schiffe mit einer Tragfähigkeit von 21.000 Containern sind bereits in der Planung.” Dabei werde leicht ein Warenwert von 800 Mio. Euro erreicht. Zusammen mit dem Wert der Schiffe vom 200 bis 300 Millionen Euro kann bei einem Totalschaden leicht die Milliarden-Grenze geknackt werden.

Insgesamt betrachtet nehmen die Großschäden zu, berichtet Kirchner weiter. In Deutschland seien das vor allem enorme Hagelschäden, von denen in erster Linie Autos auf dem Transport betroffen sind. Man sehe die Entwicklung – auch international – mit Besorgnis, weil das Polster der beteiligten Unternehmen recht dünn sei. Um ihre Kunden auch weiterhin auf ihren Wegen in zum Teil “unwegsames Gelände” begleiten zu können, seien die deutschen Versicherer in internationalen Gremien bemüht, aktive Schadenverhütung zu betreiben, betonte Marcus Kremer, im GDV für dieses Thema verantwortlich. International verbindliche Vorschriften für mehr Brandsicherheit auf Schiffen seien aber aufgrund der unzähligen Beteiligten sehr schwierig und langwierig umzusetzen.

Ein gänzlich neues Thema sind Cyber-Risiken. Hier stehe man ganz am Anfang, betonte Kirchner. Die zunehmende Digitalisierung führe zu mehr Sicherheit und Effizienz im Transportwesen, böte aber natürlich auch Angriffspunkte. So habe etwa kürzlich ein Virus im Netz der Hafenverwaltung von Antwerpen dazu geführt, dass ein Container – wahrscheinlich gefüllt mit Drogen – von einem Schiff ab- und separat auf einen wartenden Lkw aufgeladen wurde. Auch die Navigationssysteme der Schiffe böten solche Angriffspunkte. Hier sei man gerade dabei, Gefahrenpotenziale zu erkennen und später in Form von Modellen kalkulierbar zu machen. (epo)

Bild: Dieter Berg, IUMI-Präsident und Transportversicherungsexperte des Münchener Rückversicherers Munich Re. (Quelle: epo)

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