Versicherungswirtschaft-heute

          Mobilversion

 

- Anzeige -

Sieben Lehren aus dem Jahrhundertraub

22.08.2014 – Das um 100 Mio. US-Dollar geschätzte Werk “Der Schrei” von Edvard Munch, das neben da Vincis “Mona Lisa” und van Goghs “Sonnenblumen” zu den berühmtesten Kunstwerken der Welt zählt, war nicht versichert. Umso ärgerlicher, dass die Polizei das Bild zwei Jahre nach dem Diebstahl nur beschädigt sicherstellen ließ. Sieben Lehren kann man aus einem derartigen Nicht-Ereignis für die Kunstversicherung ziehen.

Keine falsche Sparsamkeit, was Nicht- oder nur ausschnittsweise Versicherung von Kunstwerken betrifft
Die Stadt Oslo hatte sich entschieden, lediglich eine Feuer- und Leitungswasserdeckung für das Museum zu kaufen. Der Einschluss des Diebstahlrisikos wäre laut der damaligen Auskunft von Pressesprecher Jorunn Christophersen zu teuer gewesen.

Früher pflegte man Kunst in staatlichen Sammlungen als nie wieder handelbare res extra commercio zu betrachten. Ein Kunstdiebstahl bedeutete daher auch keinen konkreten materiellen Wertverlust, den man versichern sollte. In Zeiten knapper öffentlicher Kassen beginnt sich dies zu ändern. In Detroit wird bereits erörtert, ob das zur bankrotten Stadt gehörende Detroit Institute of Arts Museum zugunsten der Gläubiger realisiert werden sollte. Andernorts wird überlegt, Kunstwerke in Museen als Sicherheiten für städtische Kredite an die Gläubiger zu übereignen. Bereits 2001 hatte die Stadt Bonn zwecks Deckung eines Ausstellungsdefizits so einen Baselitz versilbert.

Bewaffneter Kunstraub nach wie vor selten
2004 hatten manche Beobachter den Osloer Raub als Beginn einer Welle von kommenden gewaltsamen Kunstdiebstählen gewertet. Jedoch scheint das Geschehen in Oslo ein isolierter Vorgang geblieben zu sein.

Fehlende Alarme
Das Osloer Museum war unzureichend gesichert. Nebennutzen eines Kunstversicherers ist es, dass er seinen Kunden nicht zuletzt auch im eigenen Interesse einen Audit der Schutzmaßnahmen bietet.

Fehlende RFID-Identifikation am Objekt
In Zukunft ist mit einer versteckten Ausstattung wichtigster Werke in Museumsbesitz mit GSM/GPS-Chips und RFIDs (Funkübertragung) zu rechnen.

Kunstdiebe und deren professionelle Sorgfalt
Vielleicht sollte es Websites geben, auf denen sich Kunstdiebe hinsichtlich der professionellen Aufbewahrung ihrer Beute informieren können. Beschädigungen reduzieren schließlich das von ihnen erhoffte Lösegeld und wirken darüber hinaus strafverschärfend.

Spitzenwerke unverkäuflich
Immer wieder müssen Kriminelle schließlich feststellen, dass sie die erbeuteten, allzu bekannten Spitzenwerke nicht zu Geld machen können. Für derartige Ware fehlt der Hehlermarkt, mangels sauberer Provenienz sind sie nicht handelbar.

Hohe Wiederauffindungswahrscheinlichkeit
Geraubte Spitzenwerke tendieren dazu, nach rund zehn Jahren wieder aufzutauchen, freilich oft in ramponiertem Zustand. Dies könnte Anlass sein, in spekulativer Weise in das rechtliche Eigentum an verschwundenen Werken zu investieren. Allerdings dürften öffentliche Museen sich kaum ihre Rechte zu einem Erinnerungswert abkaufen lassen, und Kunstversicherer räumen den Eigentümern im Fall des Wiederauftauchens meist die Möglichkeit eines Rückkaufs ein. (cpt)

- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

VVW | Kontakt | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten