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Schlipslos, sexy, skurril – Versicherer im Medienrückblick

23.12.2016 – collage_star_wars_gorr_“Die EZB ist das einzige Imperium, das so ein bisschen evil ist”, erklärte Allianz-Chef Oliver Bäte in seinem epischen Youtube-Interview. Nur ein Highlight unter vielen medialen Auftritten der Versicherer. In der Presselandschaft kamen sie 2016 nicht immer gut weg – unterhaltsam war es allemal. Ein satirischer Jahresrückblick von David Gorr.

“Mittendrin, aber nicht dabei”, lautete eine VWheute-Schlagzeile zur medialen Abwesenheit der Versicherer in zahlreichen Talkdiskursen zum Renten-Mammutprojekt. Treffender kann man auch die Jahresbilanz der traditionell medienscheuen Versicherer nicht formulieren. Ob TTIP, Trump, Beitragserhöhungen oder die Zwangspolice gegen Elementarschäden – bei polarisierenden oder sinnfreien Themen (Pokémon-Versicherung) versteckten sie sich wie so oft hinter ihren Verbänden. Mitunter sind sie nicht immer auf gleicher Wellenlänge, etwa als PKV-Geschäftsführer Tim Genett Generalis Vitality-Programm die rechtliche Grundlage absprach (Anmerkung der Redaktion siehe unten). Neben den Vorwürfen zur Entsolidarisierung des Versichertenkollektivs musste man in Triest vermeintliche Übernahmepläne eines Deutschen aus Paris entkräften. Dabei kam allein schon die Berufung von Thomas Buberl zum Axa-CEO einem Beben gleich, das weit über die Branchenszene zu spüren war. Seine Nachfolge in Person von Digitalisierungsguru Alexander Vollert ist hingegen wenig überraschend. Allianzer sind gefragt: Markus Rieß holte in diesem Jahr gefühlt ein Dutzend von seinem Ex-Arbeitgeber nach Düsseldorf.

Auf Brautschau mit Laserschwertern

Dort wiederum ist aus Reportersicht alles beim Alten: “Ein Ergo-Mann geht auf Lustreise”, kommentierte das Handelsblatt die RTL-Kuppelshow “Der Bachelor”, in der 22 Frauen um einen lispelnden Versicherungsvertreter buhlen. Wem das noch nicht realitiätsgetreu erscheint, durfte sich über den Huk24-Werbespot mit provisionsgierigen Vermittlern auf feucht-fröhlichen Partys oder den Umschnall-Dildo des Seniorenversicherers Ideal besonders amüsiert haben. So sieht es nun mal aus, wenn Versicherer aktiv um Kunden werben. Früher lief so manches Geschäft noch von alleine. Heute scheinen scheinen viele Anbieter mit Social Media überfordert zu sein. Nicht so der Branchenprimus: “Ich bin der Bundeskanzler der Allianz”, erklärte Oliver Bäte seine Passion in einem zweistündigen Youtube-Interview. Die Lockerheit nimmt man dem vor Aktionären in roten Sportschuhen turnenden Allianz-Chef nicht ganz ab, dafür wirkte er unfreiwillig komisch: “Die EZB ist das einzige Imperium, das so ein bisschen evil ist.” Bei so viel Star-Wars-Verfilmungen kommt man schon durcheinander. In der Tat verkörpert die EZB den Todesstern, der mit seiner Bazooka-Politik das Versicherergeschäft zerstört und die Bausparkassen dazu zwingt, gut verzinste Altverträge zu kündigen. Wenn nicht die Klassik, dann – so die Vertriebschefs – müssen eben Pay-as-you- Drive-Tarife an den Mann gebracht werden. VHV versuchte es mit Nuschelstar Til Schweiger, doch richtig durchstarten konnte die Datenbox bislang nicht. Ebenso wenig wie die Absatzzahlen des vom GDV in den Medien gehypten Unfallmeldesteckers.

“Sie haben viel Passion, aber auch viel Halluzination”

Im umkämpften Kfz-Geschäft muss man eben neue Wege gehen. “Wenn Autokonzerne Versicherungen anbieten, verkaufen wir halt Autos“, lautete ein Kommentar zum Vorhaben von Huk-Coburg. Bleibt zu hoffen, dass sie nicht auch noch Elektroautos mit Autopilot anbieten, der diesen Namen nicht verdient. Die Tesla-Unfälle offenbarten, dass die Kfz-Haftpflicht so schnell nicht obsolet wird. Das kann man von den Offline-Vermittlern nicht behaupten. Angeführt von der DVAG schossen sie erst Giftpfeile in Richtung digitale Konkurrenz wie Knip und Clark, um dann mit dem BVK gegen Check24 gerichtlich die Invasion der Online-Makler zu stoppen. Bei W&W dagegen begegnet man der Insurtech-Gefahr mit einem revolutionären Kleidungsstil: Der gesamte Vorstand zeigt sich auf der Website schlipslos – was für ein schwarzer Schwan. Und solche scheinbar unvorhersehbaren Ereignisse dürfen nicht als “Ausrede für Mismanagement” dienen, schrieb Nikolaus von Bomhard in seinem vierseitigen FAZ-Beitrag – ein Vermächtnis über die Neubewertung von Risiko. Von den Stabsstellen der Politik regnete es Beifall, ein Abgang mit Würde. Davon ist Carsten Maschmeyer weit entfernt. Im TV-Comeback des Jahres wollte der Strukki-König sein Image aufpolieren – mit Sprüchen wie bei einem AWD-Mitarbeitergespräch: “Sie haben viel Passion, aber auch viel Halluzination”, ließ der Milliardär Gründerträume platzen. Ähnlich irritierend erscheint das Münchner Schauspiel der Versicherungskammer Bayern, die aufgrund einer “Verwechslungsgefahr” den Namen der Bayerischen verbieten will. In Wahrheit ist man sauer über den Sponsoring-Deal des kleinen Konkurrenten mit 1860 München. Ins Trikotgeschäft sind auch die Nürnberger und die Barmenia neu eingestiegen. Mit Fußball kann man pressetechnisch eben nicht viel falsch machen. Zumindest in diesem Bereich sorgen Versicherer für positive Schlagzeilen. (dg)

Bild: Collage von Sonja Walter

Klarstellung der Redaktion:

In dem satirischen Beitrag haben wir formuliert: “Mitunter sind sie nicht immer auf gleicher Wellenlänge, etwa als PKV-Geschäftsführer Timm Genett Generalis Vitality-Programm die rechtliche Grundlage absprach.” Wir beziehen uns dabei auf das folgende Zitat Genetts:

“In der Privaten Krankenvollversicherung gibt es indes keinen ‘Vitality’-ähnlichen Tarif, der die Bereitschaft zu einem digitalen individuellen Gesundheitsmonitoring mit einer günstigeren Beitragskalkulation belohnt. Dies wäre auch mit den rechtlichen Vorgaben für die nach Art der Lebensversicherung kalkulierte Private Krankenvollversicherung nicht vereinbar: der Beitrag wird zu Versicherungsbeginn nach den Faktoren Alter, Vorerkrankungen und Leistungsumfang kalkuliert. Bestimmte Verhaltensmerkmale können allenfalls im Rahmen der Risikoprüfung berücksichtigt werden (z. B. Raucher/Nichtraucher, Body Mass Index). Für die Verwertung digitaler Gesundheitsdaten, etwa zum Ernährungs- und Bewegungsverhalten, aus der Zeit vor Vertragsschluss gibt es indes keine Grundlage.” Dazu auch folgender Link: Link (PDF)

Der PKV hat uns darauf aufmerksam gemacht, dass sich aus diesem Zitat keine Differenzen zwischen Verband und Generali ableiten lassen. Wir stellen hiermit klar, dass wir diese Deutung auch nicht beabsichtigt haben. Es ging uns lediglich darum aufzuzeigen, dass die Thematik der “Telematiktarife” Polarisierungspotential hat und durchaus kontrovers diskutiert wird.

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