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Schadenversicherer leiden unter Extremwetter

11.12.2015 – Unwetter, Gewitter, Blitz by_Raphael Reischuk_pixelio.deStarkwind, Hagel und Überschwemmungen. Extremereignisse häufen sich in Deutschland. Ob das auf einen vom Menschen verursachten Klimawandel zurückzuführen ist, darüber herrscht Rätselraten. Dabei äußern deutsche Schadenversicherer gegenüber VWheute, dass sie Unwetterfolgen in ihren Bilanzen zunehmend spüren. Betroffen sind die Sparten Wohngebäude, Hausrat und Kfz.

Mit der Häufung von Naturkatastrophen kommt immer wieder die Frage auf, ob damit bereits erste Auswirkungen des Klimawandels beobachtet werden können. “Ein signifikanter Anstieg von Schäden aufgrund einer Zunahme von Extremwetterereignissen lässt sich anhand des Schadenssatzes zwischen 1999 und 2012 bislang nicht erkennen”, lautet das Fazit der Bundesumweltamt-Studie “Vulnerabilität Deutschlands gegenüber dem Klimawandel”. Für Jörg Steffensen, Bereichsleiter Modelling bei Hannover Rück, ist ein logischer Zusammenhang grundsätzlich schwierig zu ermitteln: “Ein eindeutiger Nachweis im Sinne einer Zuordnung der Schadensummen auf die unter normalen Bedingungen zu erwartenden Schäden und die explizit auf den Klimawandel zurückzuführenden Entschädigungssummen ist bisher nicht möglich.”

Schließlich nehmen die versicherten Schadensummen auch aufgrund zunehmender Versicherungsdurchdringung und erhöhter Prämien stetig zu. Außerdem sei jedes Einzelereignis grundsätzlich auch ohne Klimawandel denkbar, erklärt Stefan Straub, Pressesprecher der Munich Re gegenüber VWheute. Gleichzeitig gibt er zu verstehen: “In der Anzahl der wetterbedingten Schäden ist in der Betrachtung seit 1980 ein klar ansteigender Trend zu erkennen, der auch auf den Klimawandel zurückzuführen ist.”

“Die inzwischen nachweisbare Häufung von Extremereignissen betreffen insbesondere die Sparten der weltweiten Sachversicherung inklusive Kfz, die je nach Land Schäden aus Sturm, Erdbeben, Flut und Hagel decken”, führt Steffensen aus. Durch Hagelschauer wird vor allem die Landwirtschaft in Mitleidenschaft gezogen. Zerstörte Dauerkulturen von Obst und Wein verursachen in der Regel sehr hohe finanzielle Schäden. Räumlich ist vor allem der Südwesten Deutschlands betroffen, heißt es in der Bundesumweltamt-Studie. Konkret: Bodensee, Rheinland, Rheinland-Pfalz und Bayern.

Die mit Starkwind und Hagelereignissen verbundenen Kosten an Haus, Hausrat oder Kraftfahrzeug können durch die Wohngebäude-, Hausrat- oder Kraftfahrzeug-Kaskoversicherung abgedeckt werden. Ergo teilt auf Anfrage mit, dass sie den Klimawandel dementsprechend besonders in der gewerblichen und privaten Sachversicherung sowie in der Kfz-Versicherung spürt. Bei der Sparkassenversicherung “sind alle Verträge, in denen die Elementargefahren gedeckt sind, in erster Linie Wohngebäude, Hausrat, aber auch Gewerbe und Industrie, betroffen”, sagt Peter Philipp, Hauptabteilungsleiter Schaden Haftpflicht/Unfall gegenüber VWheute.

Schadenpotenziale in Milliardenhöhe bergen Überschwemmungen, die 2013 einen Anteil von 37 Prozent an den weltweiten Schäden durch Naturkatastrophen ausmachten. Laut dem Deutschen Komitee für Katastrophenvorsorge verursachten die Hochwasser vom Juni 2013 allein in Deutschland Schäden von rund 8,2 Mrd. Euro. Die Versicherungswirtschaft zahlte insgesamt 1,8 Mrd. Euro an ihre Kunden, rechnet der GDV vor.

Der Schadenaufwand im Bereich Elementarversicherungen nimmt zwar zu, aber das hängt auch mit einer deutlichen Zunahme der Versicherungsdichte zusammen. Und die Nachfrage nach Elementarschadendeckungen steige weiter ­– speziell im Privatkundensegment, erklärt Henning Saxe, Abteilungsleiter der LVM Sachversicherung. Dass es zu vermehrten Auszahlungen bei Hausrat-und Gebäudeversicherungen kommt, hänge – unabhängig von der Erderwärmung – meist auch nur mit der älter werdenden Gebäudestruktur zusammen, die Wasserschäden verursache, bestätigen LVM und R+V. (dg)

Bildquelle: Raphael Reischuk / pixelio.de

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