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Schadensdimensionen des Terrors von Paris

16.11.2015 – Bataclan_dpa_63584140Terrorismusexperte Rolf Tophoven sieht bei den aktuellen Attentaten von Paris deutliche Parallelen zu Mumbai 2008 in der Strategie der Angreifer. Die 129 Toten und 352 Verletzten wurden nicht nur billigend in Kauf genommen. Über die aktuelle Schadensdimension wird aktuell noch nicht verhandelt. Hier hat Lloyd’s aber deutliche Anhaltspunkte.

Durch synchrones Vorgehen sei der Feind – in diesem Fall die Sicherheitskräfte – gleichzeitig in verschiedene Richtungen gehetzt worden, sagte Rolf Tophoven, Direktor des Instituts für Krisenprävention, gegenüber dem Focus. „Mit solch einer Kampftaktik können selbst massivste Sicherheitsvorkehrungen ausgehebelt werden.“

Lloyd’s hat das Schadensszenario von Mumbai, als Terroristen das Taj Mahal Hotel stürmten und dabeit mindestens 164 Menschen töteten, umrissen: Banken, Börse und weitere finanzwirtschaftliche Einrichtungen blieben damals für Tage geschlossen, die Übernachtungsraten fielen im Anschluss um bis zu 25 Prozent. Den wirtschaftlichen Gesamtschaden gibt Lloyd’s mit 100 Mrd. Dollar an, davon versichert: 111 Mio. Dollar.

Ob Versicherer in Paris lediglich mit einer Quote 0,1 Prozent rechnen, wird sich zeigen. Nach einer Geiselnahme mit anschließendem Schusswechsel in Sydney war die Innenstadt für drei Tage gesperrt geblieben. Um bis zu 70 Prozent brach der Handel im Weihnachtsgeschäft ein. Die staatliche Terrordeckung sprang ein.

Für welche Summen die staatliche Pflichtversicherung – Gestion de l’ assurance et la Réassurance des Risques Attentats et Acte s de Terrorisme (GAREAT) – im Zusammenhang mit den jüngsten Attentaten aufkommen muss, kann noch nicht abgesehen werden. Lloyd’s führt Paris nicht unter den Top 20 der durch Terrorismus finanziell am meisten gefährdeten Städte. In einer aktuellen Erhebung steht der prognostizierte Kumul bei Terroranschlägen bei 660 Mio. US-Dollar. Die Liste führt mit 7,94 Mrd. Dollar Mumbai an.

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Grafik: Die Top 20 der finanziell am meisten durch Terror gefährdeten Metropolen. (Quelle: Lloyd’s)

Die größten wirtschaftlichen Risiken sieht LLoyd’s für die Hautpstadt Frankreichs durch einen Markt-Crash (15,94 Mrd. Dollar), durch einen Ölpreisschock (10 Mrd.), durch Cyber-Attacken (8,9 Mrd.) oder durch Überschwemmungen (8,93 Mrd.).

Die Nachfrage nach Versicherungspolicen mit Terrordeckung dürfte Anschluss an die Attentate um die Redaktion von Charlie Hebdo in Paris rapide zugenommen haben. Lloyds-Chef John Nelson hatte dies Ende Januar, bereits anderthalb Wochen nach den Terrorangriffen, festgestellt. “Die geopolitischen Risiken haben zugenommen”, sagte er gegenüber dem Handelsblatt, “Die generelle Sicherheitslage hat sich sicherlich verschlechtert, auch durch die Aktivitäten des IS im Irak und in Syrien. Das hat zu mehr Nachfrage nach Terror-Versicherungen geführt.”

Die maßgeblichen Versicherer haben entsprechend – europa- und weltweit – Kapazitäten ausgebaut (siehe MÄRKTE). Zu Entschädigungen und Versicherungsleistungen hat jüngst Kenneth Feinberg, ehemaliger Sonderbeauftragter des Entschädigungsfonds für die Opfer der Anschläge vom 11. September gesagt:

“Sie dürfen eins nicht vergessen: Egal, wie viel Entschädigung Sie zahlen, die Opfer werden Ihnen niemals dankbar sein oder Ihre Arbeit anerkennen. Diese Menschen haben ihre nächsten Angehörigen verloren oder verheerende Verletzungen erlitten. Sie können ihnen zwar helfen, aber Sie können sie nicht glücklich machen.” (ku)

Bild: Blumen vor dem Bataclan in Paris, in dem am Freitag 89 Menschen bei einem Rock-Konzert der Eagles of Death Metal getötet wurden. (Quelle: dpa)

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