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„Run-off“ in den endgültigen Tod der Lebensversicherung

03.04.2014 – Axel Kleinlein, wortgewaltiger Vorstandsvorsitzender des Bundes der Versicherten e.V., schien regelrecht sprachlos. Angesichts der demografischen Entwicklung führe an einem erheblich Mehr an kapitalgedeckter Eigenvorsorge der Bürger kein Weg vorbei, hörten er und die anderen – vom Streik der Lufthansa-Piloten zahlenmäßig allerdings sehr dezimierten – Teilnehmer auch bei der  Handelsblatt-Jahrestagung „Assekuranz 2014“ in München wieder, was schon seit Jahren zum Mantra der Assekuranz wie der Politik zählt. Dem Staat bliebe aus vielerlei Gründen gar nichts anders mehr übrig als die „Delegation von Sozialversicherung“ auf die Privatwirtschaft, zeigte Werner Görg auf, der Chef des Gothaer Konzerns.

Dann jedoch stellte er auch ganz klar: Private Versicherer sind Unternehmen, die betriebswirtschaftlichen Zwängen unterliegen – und bald zudem unter dem strengen Regime von Solvency II stehen. Unter diesen Rahmenbedingungen wollen und können sie gar nicht alles übernehmen, was ihnen staatlicherseits inzwischen angedient wird, ließ er keinen Zweifel. Die staatlich geförderte private Pflegezusatzversicherung, auch „Pflege-Bahr“ genannt, zählte er in diesem Zusammenhang beispielsweise auf. Sein eigenes Unternehmen biete dieses Produkt mangels Rentabilität bisher nicht an, ließ er wissen, und mit ihm knapp die Hälfte aller privaten Krankenversicherer auch nicht.

Die Riester-Rente, 2002 mit viel politischer Begleitmusik eingeführt und mittlerweile über 15 Millionen mal verkauft, erleidet offenbar mehr und mehr ein ähnliches Schicksal, was die Akzeptanz durch die Anbieter betrifft. Sie ist und bleibt ein „administratives Monster“, hörte Verbraucherschützer Kleinlein nicht allein aus dem Munde des Gothaer-Chefs. Die zum Konzern gehörende Ergo Direkt habe den Verkauf dieses Produktes eingestellt und ihren Bestand an Riester-Renten mittlerweile deshalb verkauft, weil sich ein Produkt mit dieser Ausgestaltung für einen Versicherer diese Zuschnitts nicht rechne, ließ Münchener Rück-Vorstandsvorsitzender Nikolaus von Bomhard wissen.

Diese Argumentation könnte insbesondere unter Solvency II-Bedingungen jedoch ebenso für viele andere Anbieter im Zusammenhang mit dem Lebensversicherungsgeschäft ganz generell an Gewicht gewinnen, war auch zu hören. Die Heidelberger Lebensversicherung AG hat diesen Schritt bereits vollzogen. Ihr neues Geschäftsmodell besteht nun darin, in einer Holding die Bestände weiterer Lebensversicherer, die sich wie jetzt auch schon die Skandia zu solch einem „Run-off“ entschließen, zu übernehmen und abzuwickeln, präzisierte deren Chef Michael Sattler eine just zuvor veröffentlichte Pressemitteilung mit dieser Botschaft.

In der Politik – die sich gerade anschickt, im Zusammenhang mit der Nachbesserung der Regeln für die Ausschüttung von Bewertungsreserven bei vorzeitig beendeten Lebensversicherungen die Branche mit einem ganzen Paket neuer Vorgaben stark zu irritieren –  müssten solche Nachrichten eigentlich alle Alarmglocken auslösen. Für die Kunden und die „alternde“ Gesellschaft insgesamt klingen sie allerdings ebenfalls alles andere als gut.

Und deshalb könnte sich, was nach den betriebswirtschaftlichen Gesetzen durchaus vernünftig und rational nachvollziehbar ist, letztlich auch für die Branche doch wieder als ziemlich kostspielig erweisen, zumal deren Ansehen ohnehin nicht gerade sehr schmeichelhaft ist. Schließlich beklagte sie bisher gerne lautstark, dass die Lebensversicherung in den Medien seit langem nur noch zu Tode geschrieben werde. Inzwischen scheint sie entschlossen, dieses Produkt selbst zu Grabe tragen.

In der Kommunikation, hatte Münchener Rück-Chef von Bomhard bei der Tagung in anderem Zusammenhang selbstkritisch eingeräumt, hat die Branche noch „einiges zu tun“. (rem)

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