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Run-off: Auf dem Marktplatz für Assekuranz-Altlasten

04.04.2014 – deal-leute-handschlag-150Man trifft sich auf dem Marktplatz für Assekuranz-Altlasten. In der Rückversicherung gilt normalerweise das Prinzip, dass Rückversicherer ihre Zedenten bis zur endgültigen Abwicklung auch der letzten Originalpolice begleiten. Dies kann durchaus 40 Jahre dauern. Einen derart langen Run-off-Tail hätte man sich ersparen können, hätte man beim Underwriting bereits an die Vereinbarung geeigneter Klauseln gedacht, insbesondere einen clean-cut von Restverbindlichkeiten etwa nach fünf Jahren vorgesehen. Dies hätte alsbald klare Verhältnisse geschaffen, jedoch die Schicksalsteilung auf der Zeitachse beschnitten.

Auch ohne derartige, die fast-Ewigkeit abkürzende Vertragsklauseln verspüren die Parteien nach einigen Jahren das Bedürfnis, ein vorzeitiges Ende – im Fall von US-Haftpflichtdeckungen durchaus mit Schrecken – zu vereinbaren. Motive hierfür sind:

  • Auf beiden Seiten entstehenden Verwaltungskosten, insbesondere bei quartalsmässiger Abrechnung über mehrere Währungen.
  • Die Kosten der nun jährlich erforderlichen aktuariellen Begutachtung. Ein kleinerer nationaler Erstversicherer, der vor 20 Jahren über den Londoner Markt US-Haftpflichtrisiken zeichnete, muss die Adäquanz seiner diesbezüglichen Rückstellungen jedes Jahr von externen Aktuaren bescheinigen lassen.
  • Das unter Solvency II mit Eigenkapital zu belegende Run-off-Risiko. Es zählen dann die möglichen künftigen Ergebnisschwankungen.
  • Das vom Zedenten mit Solva-Mitteln zu untermauernde Kreditrisiko (counterparty risk).
  • Das Ziel der einstigen Rückversicherer, die eigene Bilanz durch Eliminierung von Altlasten zu verschlanken und so Solva-Mittel einzusparen.

Neben dem Aushandeln einer vorzeitigen Beendigung der Rückversichererhaftung kommen noch folgende alternative Instrumente in Betracht:

  • Solvent scheme of arrangement
  • Reiner Rückversicherungsansatz (Quote bzw. adverse development cover)
  • Portefeuilleüberträge auf willige dritte Versicherer
  • Veräußerung der ganzen rechtlichen Einheit

Mit dem Thema Run-off setzen sich auch Gesellschaften auseinander, die aktiv Exposures von Dritten suchen, die sie selber zu übernehmen bereit sind. Der geforderte Preis stellt dabei ein Entgelt für die eigene Bilanzinanspruchnahme und die entstehenden geschäftlichen Unkosten dar. In diese Gruppe der Marktteilnehmer gehören Globale, Hamburg International Re/Tawa und Darag.

Wohl weltgrößter Anbieter von Run-off-Diensten ist Berkshire Hathaway. Diese übernahm u.a. den gesamten in Equitas verpackten Run-Off von Lloyd’s über 81 Mrd. US-Dollar, des weiteren die nordamerikanischen Rückstellungen von Converium (1,1 Mrd. Dollar). 2008 stand Berkshire Hathaway kurz davor, auch noch die angeschlagene Swiss Re „auf Abriss“ zu schlucken. Es gehört zu Warren Buffetts Unternehmensphilosophie, in hereingeholten technischen Rückstellungen eine Art unverzinslichen Kredit zu erblicken.

Derzeit scheinen hauptsächlich kleinere Portefeuilleübernahmen (Bereich bis 50 Mio. Euro) zustande zu kommen. Dies könnte sich aber nach mehreren Jahren weicher Rückversicherungsraten ändern. Nach einer solchen Periode sind meist Rating-Abstufungen von Rückversicherern angesagt, die zu deren Marktausscheiden führen.

Run-off ist auch im Bereich Leben Thema – mit der Besonderheit, dass die meisten Alt-Obligos besonders lange Abwicklungs-Tails aufweisen und die eigentliche Ungewissheit das Langlebigkeitsrisko sowie die künftige Zinsentwicklung betrifft. Die Konzentration solcher kumulierender Abwicklungsexponierungen bei wenigen Marktteilnehmern könnte zu künftigen systemischen Risiken führen, auch wenn Run-off-Lebensversicherer wohl einen Teil der Bruttoexposures via securitisation/Verbriefung an die Kapitalmärkte weiterreichen. Ähnliches betrifft auch Exponierung großer Arbeitgeber durch Rentenversprechen. Diese werden ebenfalls zunehmend verlagert. (cpt)

Foto: Wenn der Versicherungsbestand abgewickelt wird, diskutieren Vertragspartner mitunter große Summen (Quelle: Lautenschlaeger/ pixelio)

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