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Rückversicherung: Trend zur Bündelung

24.10.2016 – jj_henchoz_swissreIn Baden-Baden stehen bei den Erstversicherern in dieser Woche die Neuverhandlungen der Rückversicherungsverträge ganz oben auf der Tagesordnung. Dabei gebe es “einen klaren Trend, den Einkauf von Rückversicherung weiter zu bündeln und dadurch mit weniger Partnern als vorher zusammenzuarbeiten”, konstatiert Jean-Jacques Henchoz von der Swiss Re gegenüber VWheute.

VWheute: Inwiefern ändern Erstversicherer ihre Vorgehensweise beim Einkauf von Rückversicherungsschutz?

Jean-Jacques Henchoz: Es gibt einen klaren Trend, gerade bei den großen Erstversicherern, den Einkauf von Rückversicherung weiter zu bündeln und dadurch mit weniger Partnern als vorher zusammenzuarbeiten. Dies ist vor allem aber eine Entwicklung, die die kleineren und mittelgroßen Anbieter schmerzt. Da wir unseren Kunden ja nicht nur Kapital, sondern auch Beratung und innovative Lösungen anbieten, können wir sie auch aktiv in ihrem Risikomanagement begleiten. Vor allem der Transfer von großen Risiken, die außerhalb der normalen Erneuerungen platziert werden, sind eine einzigartige Möglichkeit, direkt mit dem Kunden seinen Kapitalbedarf zu optimieren und ihm zu helfen, Spitzenrisiken abzufedern. Natürlich sind diese großen und speziell auf den Kunden zugeschnittenen Deals auch für uns sehr attraktiv.

VWheute: Welche Strategien verfolgt die Swiss Re, um im hart umkämpften Markt langfristig eine starke Position einzunehmen?

Jean-Jacques Henchoz: Wir befinden uns in einer widersprüchlichen Situation zwischen tieferen Preisen und sinkender Nachfrage. Was verwunderlich ist, ist der Umstand, dass unsere Kunden – also die Versicherungswirtschaft und große Firmenkunden – dieses Marktumfeld nicht zu ihrem Vorteil nutzen. Im Gegenteil: Je tiefer die Preise fallen, desto weniger Rückversicherungsdeckung kaufen sie. Hinzu kommt, dass das Wirtschaftswachstum sehr volatil ist und die Finanzmärkte dem größten geldpolitischen Experiment aller Zeiten ausgesetzt sind. Aus diesem Grund haben wir im vergangenen Dezember auch die strategische Ausrichtung und entsprechende Prioritäten von Swiss Re aktualisiert. So wollen wir auch kurzfristig erfolgreich sein, ohne die langfristige Perspektive aus den Augen zu verlieren.

Dies machen wir vor allem mit einer agilen Allokation von Kapital. Die heutige Situation verlangt, dass wir Preisineffizienzen in Risikomärkten rascher erkennen und entschlossen reagieren, indem wir entweder investieren oder auch Kapital abziehen. Der zweite Pfeiler unserer Strategie ist, dass wir immer direkten Zugang zu den Risiken haben möchten, die wir zeichnen wollen. Der dritte Pfeiler umfasst die Ressourcenallokalation: Wir werden unsere Mittel in Bereiche mit größtmöglichem Potenzial einsetzen oder – wenn nötig – auch entsprechend umverteilen. Der vierte Pfeiler ist unser Bestreben, die Differenzierungsmerkmale, welche unser Unternehmen seit über 150 Jahren auszeichnen, noch weiter zu betonen.

VWheute: Wo besteht Innovationsbedarf bei der Swiss Re, wo generell im Reinsurance Business? Inwiefern müssen Rückversicherer ihr Geschäftsmodell überdenken und gegebenenfalls anpassen?

Jean-Jacques Henchoz: Mit der oben erklärten Strategie sind wir auf einem guten Weg, auch in Bezug auf Innovation gut reagieren zu können. Technologische Veränderungen werden unserer Meinung nach im Moment vor allem von vier Faktoren vorangetrieben: mehr “natürliche” Interaktionen zwischen Mensch und Computer, der damit verbundene rasante Anstieg von Daten (entweder über Personen oder Objekte, “Internet of Things”), das gemeinsame und sichere Nutze von Daten (Blockchain) und die Möglichkeit, strukturierte und unstrukturierte Daten besser mit künstlicher Intelligenz auszuwerten.

Es werden sich dadurch viele neue Möglichkeiten ergeben – wir werden zum Beispiel auch die Versicherungswertschöpfungskette vereinfachen und teilweise automatisieren können. Wir haben viele Kollaborationen und Partner, mit denen wir uns intensiv über diese Themen austauschen und auch direkte Forschung betreiben. Das Geschäftsmodell des Risikotransfers wird jedoch immer Bestand haben, es besteht, wie die Swiss Re, schon seit mehr als 150 Jahren. Die zu versichernden Risiken können sich massiv verändern oder es kommen neue hinzu (Beispiel Cyber). Aber dass wir nicht mehr relevant sein werden, kann ich mir nicht vorstellen – in einer immer komplexer werdenden Welt wird wohl eher das Gegenteil eintreten.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Michael Stanczyk.

Bild: Jean-Jacques Henchoz ist CEO Reinsurance EMEA der Swiss Re. (Quelle: Swiss Re)

bestellen_vwhLesen Sie das vollständige Interview mit Jean-Jacques Henchoz, “Das derzeitig günstige Marktumfeld wird von unseren Kunden nicht genutzt”, in der Versicherungswirtschaft 09/16 (Einzelbeitrag)

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