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Rückversicherer in Baden-Baden unter Druck

18.10.2013 – baden-baden-15Die Rückversicherer werden bei den Neuverhandlungen in Baden-Baden Nöte haben, das technisch notwendige Preisniveau zu halten. Grund dafür ist die überbordende Kapazität auf den Märkten. Nach Berechnungen des Rückversicherungsmaklers Aon Benfield waren Ende Juni 510 Mrd. US-Dollar an Kapital auf den globalen Rückversicherungsmärkten. Die Kapazität erreicht damit ein Rekordniveau. Rückversicherungseinkäufer haben bei der Platzierung ihrer Programme nun die Qual der Wahl. Das wird sich auch in den Preisen niederschlagen.

Bei den Neuverhandlungen zum 1. Juli in den USA sind die Preise bereits gefallen. Selbst Sturmrisiken konnten günstig platziert werden, trotz der enormen Schäden durch den Orkan Sandy. Grund dafür ist der Boom bei den Versicherungsverbriefungen, den so genannten Insurance Linked Securities (ILS). Immer mehr Versicherer gehen dazu über, ihre Katastrophenrisiken direkt an den Kapitalmarkt weiter zu geben, anstatt sich traditionellen Rückversicherungsschutz einzukaufen. 17 Mrd. Dollar an Risiken sind derzeit verbrieft. Noch nie war der ILS-Markt so groß. Nach Berechnungen von Aon Benfield ist der nicht traditionelle Rückversicherungsmarkt seit dem Jahr 2000 um jährlich 23 Prozent gewachsen. Man geht davon aus, dass bis 2018 weitere 100 Mrd. Dollar an Kapital in die nichttraditionelle Rückversicherung fließen wird.

„Wir sehen derzeit keine Anzeichen einer schwierigen Marktsituation für Nachfrager von Rückversicherungsschutz“, sagt Jan-Oliver Thofern, Deutschland-Chef von Aon Benfield. Eher das Gegenteil sei der Fall. Erschwert wird die Position der Rückversicherer durch die gute Schadenlage. Die Hannover Rück hatte im ersten Halbjahr eine Schaden-Kosten-Quote von 94,4 Prozent der Beitragseinnahmen. Das ist kein Einzelfall. Unter den dreißig größten Rückversicherern hat nicht ein einziger eine Schaden-Kosten-Quote von mehr als 100 Prozent im ersten Halbjahr. Ein Großteil der Katastrophenschäden in Deutschland wird von den Rückversicherern zu begleichen sein. Sie werden von ihren Kunden Konsequenzen fordern. Thofern glaubt deshalb, dass die Erstversicherer ihre Risikosituation in viel stärkerem Maße offen legen werden müssen, als das bisher der Fall war. Für die Rückversicherungseinkäufer der Erstversicherer stellt sich in Baden-Baden die Frage, wie weit sie in dieser Situation bereit sind, ihre Rückversicherungsportfolios stärker zu diversifizieren. (ba)

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Links: AON Benfield, badendirectory, Baden-Baden

Foto: Das Kurhaus in Baden-Baden, ab Montag Hotspot der Rückversicherer (Quelle: vvw)

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