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Risiko-Ingenieure: Unterwegs vom Chemiewerk in den USA bis zum Stahlwerk in Zentralafrika

25.07.2014 – Vinkenfluegel“Ein Risiko-Ingenieur ist das Auge und das Ohr des Underwriters oder Risk Managers”, sagt Martin Vinkenflügel, der bei der XL Group als Global Field Leader die Arbeit von 120 Mitarbeitern verantwortet. Im exklusiven Interview mit VWheute erläutert er, wie er Hochschulabsolventen den Job noch schmackhaft macht.

“In Gesprächen habe ich selten ein Problem, den jungen Studienabsolventen den Beruf des Risiko-Ingenieurs schmackhaft zu machen. Der Job ist attraktiv, weil er so abwechslungsreich und international ausgerichtet ist. Und es gibt Perspektiven, sich innerhalb der Versicherung weiterzuentwickeln”, entgegnet Martin Vinkenflügel der Frage, wie er die Besten – trotz Konkurrenz aus der freien Wirtschaft ohne zusätzlichen Ausbildungsaufwand – dazu bringt, Teil der Versicherungswirtschaft zu werden.

“Er muss mit Werkleitern genauso gut umgehen können, wie mit der Sicherheitsfachkraft oder der Werkfeuerwehr. Er muss seine Empfehlungen – die oft auch mit Investitionen verbunden sind – vor dem Managementteam eines großen Werkes ‘verkaufen’ und dem Underwriter in klarer und eindeutiger Sprache das Risiko beschreiben, das er gesehen hat. Hier setzt unser dreijähriges Trainee-Programm an: Wir setzen auf praktisches, vielseitiges Arbeiten in dem man sich ständig weiterbilden muss. Das ist zwingend notwendig, wenn man mit der Entwicklung in der gesamten Industrie mithalten will.”

VWheute: Wie sieht das Arbeitsspektrum des Risiko-Ingenieurs bei der XL Group aus?

Vinkenflügel: Die Risiko-Ingenieure haben ohne Zweifel einen der spannendsten Jobs in der Finanzbranche. Unsere Fachleute absolvieren zwischen 50 und 90 Begehungen pro Jahr. Das reicht vom Bürohochhaus in Frankreich über ein Chemiewerk in den USA bis zu einem Stahlwerk irgendwo in Zentralafrika. Natürlich gehört auch das etwas trockenere Berichtswesen dazu. Aber mittels App und iPad sind wir mittlerweile soweit, dass wir unsere Risiko-Ingenieure wesentlich entlasten können. Viele meiner Kollegen erledigen die Büroarbeit unterwegs – sei es im Zug, im Flugzeug oder von zu Hause aus. Zum Arbeitsspektrum gehört auch Projektberatung im Bereich industrielle Schadensverhütung vor Ort und Durchsicht von Bauplänen, Sprinklerplänen, hydraulischen Berechnungen, etc. Ferner sind unsere Fachleute in Mitarbeiterschulungen für unsere Kunden tätig – etwa im Bereich Brandschutz und Riskomanagement.

VWheute: Wie wird man Risiko-Ingenieur bei einer Versicherung?

Vinkenflügel:Der Versicherungsingenieur ist ein Generalist. Er muss sich in einem Stahlwerk genauso zuhause fühlen wie in einem Chemiewerk, im Automobilwerk, in einem Rechenzentrum oder in einem Bürohochhaus. Das ist nicht leicht, macht den Job aber ungeheuer abwechslungsreich. Ein abgeschlossenes Ingenieurstudium ist unerlässlich – bevorzugte Studienrichtungen sind Maschinenbau, Elektrotechnik, Chemie, Bau- und Verfahrenstechnik. Alle Neuanfänger im Risk Engineering durchlaufen bei der XL Group ein strukturiertes dreijähriges Trainee-Programm als Zusatzausbildung (siehe UNTERNEHMEN).

VWheute: Risikoingenieure sind viel unterwegs – oftmals auch in Ländern, die politisch und wirtschaftlich nicht so stabil sind. Welchen Stellenwert hat hier die Sicherheit?

Vinkenflügel: Tatsächlich bereisen Mitarbeiter immer wieder politisch instabile Gebiete. Dabei hat die Sicherheit oberste Priorität. Wir haben Begehungen schon abgebrochen oder gar nicht erst angetreten. Hier sind wir auch auf die Hilfe unserer Kunden vor Ort angewiesen, die für sichere Transport und Unterkünfte sorgen. Gleichzeitig müssen wir natürlich auch effizient arbeiten: So planen unsere Mitarbeiter ihre Reisen in der Regel sechs bis zehn Wochen im Voraus, um die Routen sinnvoll zu koordinieren und bei Reisen in abgelegene Regionen mehrere Werksbesuche machen zu können. Da wir auch projektbezogene Beratungsleistungen anbieten, haben wir allerdings immer einige Mitarbeiter, die mit “Desktop Reviews” an ihrem Arbeitsplatz beschäftigt sind. Diese stehen dann für kurzfristig eingehende Anfragen zur Verfügung.

VWheute: Sie stehen rund 120 Mitarbeitenden in 22 Ländern vor. Geben Sie uns doch einen kurzen Einblick in die Koordination der Arbeit internationaler Teams.

Meine Kollegen sind auf dem ganzen Erdball verteilt. Allerdings profitiere ich von der Erfahrung meines Teams. Im Schnitt verfügen meine Kollegen über rund 20 Jahre Branchenerfahrung und auch ich selber bin seit 27 Jahren in der Schadensprävention tätig – davon seit mehr als zehn Jahren bei XL Group. In der Folge ist der persönliche Kontakt mit meinen Direktunterstellten sehr gut etabliert. Wir sprechen uns bei regelmäßigen Telefonkonferenzen ab und verfügen außerdem über eine globale IT-Plattform, die den gesamten Arbeitsprozess meines Teams steuert. Auf dieser IT-Plattform werden alle durchzuführenden Begehungen eingegeben, die Begehungstermine vorgegeben und bestätigt, und die Service-Anweisungen kundenspezifisch an die Mitarbeiter übermittelt. Im Anschluss an die Begehung werden die Berichte auf der gleichen Plattform geschrieben. Außerdem findet hier eine genaue Zeiterfassung für die durchgeführten Arbeiten statt. So kann ich mich zusätzlich zu meinem Managementjob schwergewichtig um unsere Kunden kümmern und den wichtigen Kontakt zum Underwriting pflegen. (ku)

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