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“Richtige Balance statt einseitiger Lösungen”

07.11.2014 – ZedeliusQuantitative, messbare Ziele sind nicht die einzigen Faktoren im Personalmanagement, sagt Werner Zedelius, Vorstandsmitglied der Allianz SE und u.a. zuständig für Human Resources, im Interview mit VWheute. Er geht im Detail auf die Bedeutung von Beurteilungssystemen und die Notwendigkeit kollaborativer Zielvereinbarungen ein.

VWheute: Beurteilungssysteme gelten als wichtiges Personalmanagement-Tool, um die Performance von Arbeitskräften vergleichbar zu machen, über Beförderungen zu entscheiden und zu einem verstärkten beruflichen Engagement zu motivieren. Welche Strategien hat der Allianz-Konzern implementiert, um Mitarbeiter konstruktiv zu bewerten?

Werner Zedelius: Bei einem Finanzdienstleister wie der Allianz ist das Erreichen von quantitativen, messbaren Zielen natürlich Teil unserer Definition von Erfolg. Aber das alleine ist nicht ausreichend. Inzwischen fließen verstärkt auch qualitative Komponenten in die Bewertung ein. Etwa ob unsere Führungskräfte ihrer Leitungsfunktion gerecht werden und inwieweit sie in Bereichen wie zum Beispiel Innovation und Kollaboration ein Vorbild sind.

Besonderes Augenmerk legen wir darüber hinaus auf Feedback: ob es sich um Anerkennung und Lob für eine gute Leistung handelt oder die differenzierte Rückmeldung bei offensichtlichem Verbesserungspotenzial: Feedback muss in beiden Szenarien zeitnah und offen erfolgen – dann hilft es, das Engagement der Mitarbeiter zu stärken und eine nachhaltige Performance-Kultur aufzubauen.

Tätigkeiten in Task Groups nehmen im Arbeitsalltag an Bedeutung zu. Arbeitsinhalte, Arbeitsbeziehungen ändern sich. Es stellt eine erhöhte Anstrengung dar zu quantifizieren, welchen Beitrag einzelne Mitarbeiter zum Erreichen von Unternehmenszielen leisten. Wie schwierig ist es vor diesem Hintergrund, High- und Low-Performer zu identifizieren?

Der Teamgedanke hat bei der Allianz über alle Ebenen hinweg eine lange Tradition. Unser Erfolg basiert nicht zuletzt darauf, dass die verschiedenen Allianz Gesellschaften lokal erfolgreich sind – innerhalb der Allianz Gruppe aber ihre Erfahrungen austauschen und gemeinsam an Lösungen arbeiten. Das Nebeneinander verschiedener Teamformen ist daher in unserem Haus weit verbreitet: in “normalen” Teams, die den klassischen Hierarchiestrukturen entsprechen, wird eine regelmäßige Diskussion mit den Teammitglieder gepflegt und eine offene Feedbackkultur gelebt. Darüber hinaus arbeiten zunehmend Kollegen in gruppenweiten Projektteams zusammen: dort fließt in die Beurteilung des einzelnen nicht allein das Feedback der Vorgesetzten, sondern auch das der Projektleitung und der entsprechenden Kollegen mit ein. In diesem zunehmend komplexen Gefüge bleibt es weiterhin wichtig, auch die individuelle Leistung zu bestimmen. Dazu führen unsere Manager und Führungskräfte eine vollumfängliche Betrachtung der Teamleistung durch. Die Erfahrung zeigt, dass sie ziemlich gut zuordnen können, wer aus ihren Teams in welchem Ausmaß zu den konkreten Ergebnissen oder der Art und Weise, wie sie erreicht wurden, beigetragen hat.

Inwieweit sind traditionelle Beurteilungssysteme mit ausschließlich individueller Leistungsbewertung der Mitarbeiter bei modern geführten Konzernen heute noch sinnvoll?

Entscheidend ist die richtige Balance statt einseitiger Lösungen: Man erreicht recht wenig, wenn sich jedes Teammitglied ausschließlich für die “eigenen” Ziele einsetzt. Das funktioniert in der arbeitsteiligen, kollaborativen Welt von heute nicht mehr. Allerdings wird der Erfolg auch nicht außerordentlich sein, wenn alle Teammitglieder einheitlich und undifferenziert nur nach dem gemeinsam erreichten Ergebnis bewertet werden. Beide Ansätze sind für sich genommen nicht nachhaltig und entsprechen nicht unserem Verständnis von guter Mitarbeiterführung. Daher ist die Notwendigkeit der ‘Kollaboration’ in vielen Zielvereinbarungen bei der Allianz verankert. Und hinsichtlich der qualitativen Beurteilung der Gesamtperformance der Mitarbeiter wird auf die individuelle Leistung ebenso abgestellt wie auf den Erfolg des entsprechenden Teams oder der Unternehmenseinheit.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Michael Stanczyk.

Bildquelle: Allianz SE

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