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Rückversicherer-Herbst 2014: Nervosität bei lauer Luft

15.09.2014 – philipp-thomas-150Von VW-Korrespondent Philipp Thomas, Monte Carlo.

Noch bis Mittwoch, den  17. September werden an die 2.600 Rückversicherer, ihre Zedenten, Makler, Ratingagenturen, Akkreditive verwaltende Banker, Headhunter und sonstige Consultants zum alljährlichen Branchen-Rendez-vous in Monte Carlo zusammenströmen. Die Termine, insbesondere im Café de Paris jagen sich im Halbstundentakt, manch einer dürfte es auf deren 15 als Tagesleistung bringen. Immerhin sind tagsüber Anzüge entbehrlich, Dresscode: smart casual. Hernach gilt es auch noch Notizen zu verfassen und sonstige Initiativen zu ergreifen. Die geballten persönlichen Gespräche helfen bei der Vorbereitung der Jahreserneuerungen zum 31. Dezember.

Bereits seit 1957 ist das Rendez-vous fester Bestandteil der Jahresplanung der Rückversicherungsbranche. Die Initiative war vom französischen Markt (Assurances Générales) ausgegangen. Italienische Gesellschaften hatten sich rasch ebenfalls für den Gedanken eines jährlichen halb-professionellen Ausflugs ins zweisprachige F/I Monaco angefreundet. Briten erschien die jährliche Fahrt (etwa auch im Rahmen organisierter Rallyes) quer durch Frankreich ein sportlicher Gedanke. Formaler Organisator des Rendez-vous ist die Association des Rendez-vous de Septembre, ein Verein monégassischen Rechts, dem 16 Ländervertreter angehören.

Für Entspannung sorgt das allabendliche Programm von Dîners für geladene Gäste, Cocktails und gegen Mitternacht generell offenstehenden Lounges der Rückversicherer Swiss Re und Scor. Zedenten werden mit dem aus Magnum Flaschen ausgeschwenkten Champagner die weiter sinkenden Raten feiern, Rückversicherer werden im Glase Trost hinsichtlich der einmal wieder beklemmenden Branchenverfassung suchen.

Zwar hatte die monégassische Regierung vor über zehn Jahren einmal versucht, Monaco als steuergünstigen (reduzierte Körperschaftssteuerlast: zehn Prozent) Rückversicherungscluster zu propagieren. Angesiedelt hatte sich jedoch nur eine Axa-Tochter sowie die Monégasque de Réassurance s.a.m., eine mittlerweile wieder liquidierte Tochter der einstigen australischen ReAC.

Schon im 19. Jahrhundert hatte Monaco das Glücksspiel (in umgebenden Ländern verboten) als Marktnische entdeckt und sich vom Pariser Opern-Architekten Charles Garnier ein stattliches Casino erstellen lassen. An fünf Sterne und zum Versinken weiche Läufer aufweisenden Hotels zu erwähnen sind die Traditionshäuser Hôtel de Paris, Hermitage sowie das ebenfalls fünfsternige aber moderne Monte Carlo Beach.

Die Hotels gilt es zu füllen, die jeu-süchtigen und wohlbetuchten Witwen mit Schoßhündchen alleine reichen nicht aus. Darum ist das monégassische Jahr eine Abfolge von Veranstaltungen und Kongressen. Mal rasen F1-Rennwagen über die Straßen, mal werden Luxusyachten ausgestellt.

Monopolistische Eigentümerin dieser Hotels sowie dutzender Restaurants und des Casinos ist die zu 69,1 Prozent dem Staat Monaco gehörende, ansonsten aber börsengelistete Société des bains de mer de Monaco. Sie beschäftigt ca. 4.000 Personen, verzeichnet Jahresumsätze von ca. 400 Mio. Euro (hälftig auf Casino- und Hoteloperationen entfallend) und erwirtschaftete in den Jahren 2010 bis 2012 (2013 noch nicht publiziert) mit über fünf Prozent vom Umsatz negative Ergebnisse. Und dies, obwohl das Fläschlein Perrier im Café de Paris fünf Euro kostet.

Das Fairmont hingegen gehört nicht der SBM, dahinter stehen Bank of Scotland mit 50 Prozent sowie mit je 25 Prozent die US-Gruppe Fairmont und das saudische Königshaus.

Gleich von zwei für die Rückversicherungsbranche bedeutsamen Gebäuden müssen gestandene Rückversicherer derzeit Abschied nehmen: das aus den frühen 1960ern stammende Hotel Okura schließt Anfang 2015 die Pforten und wird einem seelenlosen Hotelneubau weichen. Das Sporting d’Hiver in Monte Carlo, ein grandioser Art Déco-Bau aus den 1930ern, wird einem Apartment- (19.612 qm), Büro- (4.700 qm) und Shopping- (6.806 qm) Komplex weichen, für den der Stararchitekt Richard Rogers verantwortlich zeichnet, der auch das 1986 fertiggestellte Londoner Lloyd’s Building entwarf. In den Untergeschossen wird es auch noch ein Kongresszentrum sowie sechs Tiefgaragenniveaus geben. Sechs runde Türme werden zum Teil auch noch mit dem Hôtel de Paris verbunden sein. Der Bauherr SBM strebt eine Reinterpretation des Art Déco Stils an. Hoffen wir, dass dies gelingen möge. Während der 1970er waren reihenweise seelenlose Apartmentgebäude für Millionäre entstanden, die den Charme eines sozialen Wohnungsbaus versprühen.

Link: UNTERNEHMEN

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