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Reinfried Pohl – Schöpfer des Allfinanz-Systems und eine große Unternehmerpersönlichkeit

18.07.2014 – PohlEin Memento von Friedhelm Ost, Staatssekretär a.D.

Reinfried Pohl starb im Alter von 86 Jahren. Der im böhmischen Zwickau geborene Mann war zwar längere Zeit schon gesundheitlich angeschlagen, doch konnte ihn nichts in seiner unternehmerischen Dynamik bremsen. Bis zuletzt arbeitete er an seinem großartigen Lebenswerk, an dem Allfinanz-System, das er ganz in den Dienst einer Vermögensbildung breiter Schichten unserer Bevölkerung stellte.

Der Doktor der Jurisprudenz lernte das Versicherungsgeschäft von der Pike auf: In jungen Jahren verkaufte er Policen von Gerling. 1969 führte ihn sein beruflicher Weg zum deutschen Herold Bonnfinanz; hier kreierte Reinfried Pohl sein Konzept für eine Finanz- und Anlagenberatung aus „einer Hand und einem Kopf“ und führte dafür den Beruf „Vermögensberater“ ein.
In dieser Zeit bei der Bonnfinanz, die Arbeitsräume im Bonner Konrad-Adenauer-Haus, in der CDU-Zentrale, gemietet hatte, lernte Reinfried Pohl auch Helmut Kohl kennen; diesem blieb er danach in allen Höhen und Tiefen freundschaftlich verbunden. Da die Bonnfinanz den Innovator Pohl nicht an dem Unternehmen beteiligen wollte, gründete er Mitte der 70er Jahre seine „Deutsche Vermögensberatung“ (DVAG), die er im Laufe der vergangenen Jahrzehnte zum größten deutschen Finanzvertrieb mit heute über 35.000 Vermögensberatern ausbaute.

Für Pohl stand der Faktor Sicherheit bei der Geldanlage ganz obenan. Deshalb setzte er zu einem auf Anlageformen „mit Gürtel und Hosenträgern“, also auf geprüfte, solide Finanzprodukte, zum anderen auf eine rigide Beschränkung der Angebote. Als seine Produktgeber wählte er vor allem den Aachen-Münchener-Versicherungskonzern und die DWS, die Investmentfonds der Deutschen Bank aus. Geschlossene Fonds, Abschreibungsmodelle und andere wenig transparente Anlage fanden die Aufnahme in die Angebotspalette der DVAG.

Reinfried Pohl führte sein Unternehmen als echten Familienbetrieb. Seine Mitunternehmer pflegten ein geradezu persönlich-vertrauliches Verhältnis zu ihm und bis zu ihrem Tod zu seiner Frau Anneliese sowie seit nunmehr rund einem Vierteljahrhundert zu seinen Söhnen Reinfried und Andreas. Seine Vermögensberater nannten ihn voller Achtung und liebevoller Zuneigung „unseren Doktor“.
Besonders wichtig war ihm als Chef der DVAG die solide und permanente Qualifizierung der Menschen, die für ihn und mit ihm arbeiteten. Seine Leute im Außendienst wollte er als „Hausärzte für alle Finanzfragen“, als Vermögensberater für Otto und Lieschen Normalanleger“ in die privaten Haushalte schicken. Die niedrige Stornoquote und die wenigsten Beschwerden bestätigten ihn und sein Allfinanz-System, waren der beste Nachweis der hohen Qualität und das eindrucksvollste Argument gegen manche Kritik.

Reinfried Pohl zeichnete sich durch seinen unerschütterlichen Optimismus, sein Weitblick und sein persönliches Charisma aus. Zu seinem 70. Geburtstag erschien das Buch „Am Anfang unserer Zukunft – Weichenstellungen für das 21. Jahrhundert“ mit Beiträgen von Helmut Kohl, Romano Prodi, Hans-Dietrich Genscher, Roman Herzog, Theo Waigel, Gerhard Schröder und anderen profilierten Persönlichkeiten. Zu allen hielt er bis zu seinem Tode einen freundschaftlichen Kontakt. 2005 hat er in einem weiteren Buch mit dem Titel „Ich habe Finanzgeschichte geschrieben“ seinen eindrucksvollen Lebensweg und seine Unternehmerphilosophie geschildert. Denn die private Vorsorge für die Wechselfälle des Lebens und insbesondere für das Alter waren für Reinfried Pohl ein echtes Herzensanliegen, eine der größten gesellschaftlichen Aufgaben, denen er sich mit hoher Verantwortung widmete.

Je erfolgreicher Reinfried Pohl auch war, umso stärker engagierte er sich für soziale Aufgaben. So gründete er 1997 die „Dr. Reinfried Pohl Stiftung“ zur Förderung von Wissenschaft und Forschung insbesondere in den Fachbereichen Medizin und Rechtswissenschaften der Philipps-Universität Marburg, 2009 nach dem Tode seiner Frau die „Anneliese Pohl Stiftung“, die Mittel zur Krebsforschung sowie zur Betreuung von Krebskranken und deren Angehörigen zur Verfügung stellt. Die Stadt Marburg verlieh ihm die Ehrendoktorwürde und die Universität berief ihn zum Ehrensenator.
Mit Reinfried Pohl hat das deutsche Finanzwesen einen ganz großen Pionier, Innovator, Fachmann und Nestor verloren. Alle, die das Glück hatten, ihn persönlich zu kennen und mit ihm verbunden zu sein, werden ihn als Freund, als Ratgeber und Wegweiser schmerzlich vermissen.

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