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Regulatorische Fragen müssen gelöst werden

27.07.2015 – Autonomes_Fahren_ContinentalDas autonom fahrende Fahrzeug soll nach dem Willen der Automobilbauer keine Zukunftsutopie bleiben. Mit Hochdruck arbeiten die Konzerne bereits an alltagstauglichen Modellen. Die Managementberatung Oliver Wyman geht davon aus, dass bereits 2035 etwa 20 bis 30 Prozent der Produktion aus teil- und vollautomatisierten Fahrzeugen bestehen wird. Allerdings sind v.a. auf dem deutschen Markt noch einige regulatorische und ethische Fragen zu lösen.

Vor allem bei den Fahrzeugnutzern stoßen die autonomen Fahrzeuge nach Aussage von Oliver Wyman derzeit noch auf wenig Gegenliebe – insbesondere in Deutschland. Aber auch ethische Themen treten dabei immer mehr in den Vordergrund.

So gibt es beispielsweise noch keine Antwort auf die Frage, wie eine von Algorithmen gesteuerte Entscheidungsfindung im Falle eines Crashs ethische Abwägungen treffen könne. Dies gilt vor allem dann, wenn bei einem als unabwendbar erkannten Zusammenstoß das Fahrzeug vor die Alternative gestellt wird, ob zur Abwendung eines eigenen schweren Schadens notfalls auch die Schäden unbeteiligter Dritter in Kauf genommen werden dürfen.

Dennoch scheint das Potenzial enorm: Ein aktuelles Marktmodell von Oliver Wyman geht davon aus, dass allein die “fünf wichtigsten Wertepools” ein globales Marktpotenzial von etwa 200 Mrd. US-Dollar übersteigen werden. Dazu zählt die Managementberatung vor allem folgende Zukunftsszenarien:

  • Mehr Sicherheit: Autonome Fahrzeuge werden demnach zehnmal seltener in Unfälle verwickelt werden als herkömmliche Fahrzeuge heute. Die Verantwortung, ein solches Fahrzeug zu versichern, werde sich daher vom Käufer auf das Auto selbst sowie den Hersteller verlagern.
  • Mehr Mobilität: Neben neuen Nutzerkreisen entsteht den Insassen eines solchen Fahrzeugs ein neues Zeitfenster, welches er für andere Aktivitäten nutzen kann.
  • Datennutzung: Durch die autonomen Fahrzeuge werden große Mengen an Daten generiert mit einem hohen wirtschaftlichen und sicherheitsrelevanten Potential. Die Debatte über den Datenschutz steckt allerdings noch in den Kinderschuhen. Die Verbraucherschützer warnten bereits: “Absolute Transparenz der Verbraucherinnen und Verbraucher kann zu ungleicher Behandlung bei Preisen und zur sozialen Ausgrenzung bei Verweigerung oder Falschverhalten führen”, so der Bundesverband der Verbraucherzentralen.
  • Neue Logistikkonzepte: Selbstfahrende Fahrzeuge werden vor allem die Effizienz innerstädtischer Zustelldienste steigern. Vor allem neue Carsharing-Modelle werden den Nutzungsgrad erweitern.
  • Städtische Infrastrukturen: Die Automatisierung der Fahrzeuge wird zu mehr Verkehrsfluss und damit zu weniger Staus und insgesamt weniger Verkehr führen. Dies wirke sich auf die Gestaltung der urbanen Räume auswirken, so Oliver Wyman.

Nutznießer der Entwicklung werde allerdings nicht nur die klassische Automobilbranche sein, so die Managementberatung. Vor allem neue Player aus der IT-Branche – allen voran Google und Apple – sehen darin eine Chance, sich auf dem Markt zu platzieren. Dies werde wettbewerbsentscheidend für alle Anbieter sein – von Herstellern und Zulieferern über die Werbeindustrie und IT-Branche bis hin zur Versicherungswirtschaft.

“Für Automobilhersteller kommt es jetzt darauf an, die neuen Wertschöpfungs­möglichkeiten durch strategische Partnerschaften abzudecken, während Zulieferer sich darauf konzentrieren sollten, modernste Technologie zu wettbewerbsfähigen Preisen bereitzustellen”, sagt Juergen Reiner, Automobil-Experte und Partner bei Oliver Wyman. “Die erfolgreichsten Spieler werden die Anforderungen der Fahrzeugnutzer, die Entwicklung der gesetzlichen Regelungen und der Versicherungsbestimmungen antizipieren und maßgeschneiderte Lösungen anbieten.” (vwh/td)

Link: Marktpotenziale durch autonomes Fahren (PDF)

Bildquelle: Continental

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