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Ratingagenturen mächtiger denn je

01.06.2016 – Rating_Esther Stosch_pixelioDie Finanzkrise im September 2008 hatte dem Renommee der Ratingagenturen unschöne Kratzer zugefügt. Diese Krise haben sie ausgesessen, mit Erfolg. Heute sind sie reicher und mächtiger denn je. Die Umsätze steigen kräftig und kontinuierlich, Umsatzrenditen von 30 Prozent und mehr sind eher die Regel als die Ausnahme. Die größte der Agenturen ist Moody’s, die verstreut über den Globus gut 10.000 Mitarbeiter beschäftigt.

Trotz der lauten Kritik ist die Macht der Agenturen nach der Finanzkrise unaufhaltsam gewachsen. Grund dafür ist ihre Fähigkeit, sehr komplexe Finanzstrukturen in eine radikal vereinfachende Meinung umzuformen. Dabei konzentrieren sich Know-how, Ansehen und Geschäft auf die großen drei Agenturen. Von den 2,4 Millionen Ratings in Übersee werden 1,2 Millionen von S&P erstellt, 841.000 von Moody’s und 301.000 von Fitch.

Ihr Brot-und-Butter-Geschäft sind die Staatsanleihen. In den USA erstellen die Agenturen 77 Prozent ihrer Ratings für Government Securities. Die Bewertung von Versicherern ist für sie nur ein Nebengeschäft. Immerhin 22.335 Versicherungsratings gibt es in den USA, das sind aber weniger als ein Prozent aller ausstehenden Kreditmeinungen. Versicherer refinanzieren sich hauptsächlich durch die eigene Kundschaft, zur Solvenzsteuerung nehmen sie externes Kapital auf, doch die wichtigsten Gläubiger bleiben die eigenen Kunden. Die Agenturen betonen deshalb, dass ihre Finanzratings auch aus Kundensicht relevant sind.

Ratings florieren unter Solvency

Ursprünglich war man davon ausgegangen, dass Versicherungsratings mit Solvency II obsolet würden. Das Gegenteil ist eingetreten, und das nicht allein wegen der Anforderungen von Eiopa an das Risikomanagement der Kapitalanlagen. Grund dafür ist die Ausgestaltung der Solvenzquoten. “Solvency II leidet darunter, dass es so stark nach vorne schaut”, sagt Fitch-Analyst Stefan Kalb. “Eine leichte Veränderung der Zinsstruktur führt zu großen Veränderungen.” Im Rating-Prozess von Fitch ist die Solvenzquote nur eine von mehreren Dutzend Stellschrauben des Kapitalmodells. “Unser Modell hat selten so eine Spanne wie Solvency II”, sagt Kalb. “Die Sprünge sind vergleichbar klein.”

Eines der wichtigsten Argumente der Agenturen ist die internationale Vergleichbarkeit ihrer Noten. Ganz gleich, ob ein Versicherer von den USA, Australien oder Deutschland aus operiert, ein Single-A sollte im Idealfall immer die gleiche Ausfallwahrscheinlichkeit repräsentieren. Im Idealfall.

Nach der Finanzkrise waren erhebliche Zweifel an den Noten der Agenturen aufgekommen. Damals erschien es so, dass ein Doppel-A-Rating Pleiten und Schieflagen geradezu provoziert (AIG,ING, Swiss Re unter anderem). „Die Ratingagenturen haben versagt und sie werden auch das nächste Mal versagen“, wetterte der frühere Lloyd‘s-Direktor Rolf Tolle im Oktober 2008. Tatsache aber ist, dass die Unternehmen sich selber in diese Lage befördert hatten, indem sie mit ihrem Rating Geschäfte gemacht haben.

Triple-A? Das kauf ich! Wer es sich so einfach macht, sollte sich nicht wundern, wenn er Schiffbruch erleidet. (ba)

Bildquelle: Esther Stosch/ pixelio

bestellen_vwhReport: “Aufpasser: Ratingagenturen sind Meister der Vereinfachung. Selbst Solvency II kommt nicht ohne ihre Expertise aus. Dabei ergeben sich Möglichkeiten für Arbitrage”, in VW 06/16 (Einzelbeitrag)

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