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“Public Private Partnerships sind ein globales Phänomen”

24.11.2014 – juergen_cherreck_xlgroupVon Straßen, Eisenbahnen, Brücken, Flug- und Seehäfen bis hin zur Energie- und Wasserversorgung sowie Kommunikation -Ansatzpunkte für den Ausbau und die Instandhaltung der Infrastruktur sind zahlreich. Allerdings muss die öffentliche Hand in Europa sparen. Rund 75 Prozent der nötigen Infrastrukturinvestitionen müssen privat finanziert werden. Jürgen Cherreck, Head of Underwriting General Property, XL Group erörtert im VWheute-Interview Chancen und Potenziale des Public-Private Partnership (PPP).

VWheute: Europas Infrastruktur ist stark reparaturbedürftig, die Summen sind immens: Geben Sie uns doch einen ganz kurzen Einblick in die deutsche Situation: Wie sind hier die Dimensionen?

Jürgen Cherreck: Die Summe als Ganzes betrachtet ist immens, das sehe ich auch so. Dies auf die einzelnen Länder runterzubrechen ist schwierig, weil zahlreiche Branchen berücksichtigt werden und der Einsatz von privaten Mitteln stark variiert.

Wir können uns aber auf ein konkretes Beispiel beziehen: Die Welt berichtete kürzlich, dass der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) alleine für den Ausbau des deutschen Straßen- und Schienennetzes mit Kosten von 500 Millionen Euro rechnet – pro Jahr. Davon müsste der Staat für rund 220 Millionen Euro aufkommen.

Oder: Die Europäische Partnerschaft für “Smart Cities and Communities“ hat für Deutschland neulich interessante Zahlen zur städtischen Bevölkerung und Infrastruktur veröffentlicht. Demnach leben von den rund 80 Millionen Einwohnern Deutschlands rund 74 Prozent in Städten und diese Zahl dürfte stark ansteigen. Vier von diesen Städten verfügen heute schon über mehr als eine Million Einwohner, 80 über 100.000. Wenn man nun bedenkt, dass die Infrastruktur, die Straßen und Schienen stetig unterhalten und ausgebaut werden, wird klar, dass der Investitionsbedarf massiv sein wird.

Sie schreiben, dass bei jährlichen Investitionen von 1,2 Bio. Euro europaweit, sich das BIP bis 2030 um das Dreifache der Investitionssumme steigern würde. Wie würde sich das verhalten, würde man weiter nachlässig mit derartigen Fragen umgehen? Oder anders gefragt: Was kostet schlechte Infrastruktur den Steuerzahler?

Wir sprechen hier von zwei unterschiedlichen Bereichen. Zum einen geht es um Investitionen in die Instandhaltung, Reparatur und Modernisierung bestehender Infrastruktur. Diese Kosten lassen sich in keinem Fall vermeiden und je weiter diese Investitionen hinausgeschoben werden und die Objekte sich der ursprünglichen Lebensdauer nähern oder diese überschreiten, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit eines Ausfalles solcher Infrastruktur. Daraus resultieren erhöhte Kosten für eine Adhoc-Reparatur, Umwegfahrten und Verzögerungen aufgrund gesperrter Straßen und Schienen; an mögliche katastrophale Ereignisse die hohe Sachschäden oder Personenopfer aufgrund unsicher gewordener Straßen, Brücken oder Tunnel zur Folge haben, mag ich da gar nicht denken. Nehmen Sie da das Beispiel der Tragödie in der Nähe von Neapel im Juli 2013, als ein Bus nach einem Bremsversagen eine mangelhafte Leitplanke durchbrach und 40 Menschen ums Leben kamen.

Zum anderen sprechen wir von Investitionen in den Ausbau der Infrastruktur um den höheren Anforderungen gerecht zu werden, die sich aus der Erhöhung der Bevölkerungszahlen besonders in Städten ergeben. Hier geht es schlichtweg um die Wettbewerbsfähigkeit und Attraktivität der Städte und Gemeinden. In beiden Bereichen sind die Konsequenzen nicht nur wirtschaftlicher Natur, sondern haben auch eine soziale und politische Dimension.

Wie sehen Sie den aktuellen Vorstoß deutscher Versicherer, sich für PPP stark zu machen? Ist eine derartige politische Entwicklung europaweit zu beobachten?

Public Private Partnerships sind ein globales Phänomen, das weder auf Deutschland noch auf Europa begrenzt ist. Deutschland verfügt aber über vergleichsweise viele Unternehmen aus der Privatwirtschaft, die öffentliche Gebäude oder Infrastruktur bewirtschaften. Denken Sie etwa an die Deutsche Bahn AG oder die zahlreichen Flughäfen im Land.

Thema Infrastruktur: Wo kommt die XL Group hier ins Spiel?

Institutionelle Investoren sind mittlerweile sehr vorsichtig geworden, weil ihnen die Risiken bei Public Private Partnerships zu groß oder nicht klar zu kalkulieren sind. Steuern, Haftung, Rechte und Pflichten beim laufenden Betrieb: das sind Eckpunkte, die in jedem Vertrag genau geregelt werden sollten. Haftung und Haftungsgrenzen sind dabei besonders kritisch.

Risikoingenieure wie sie XL Group weltweit im Einsatz hat, leisten bei der Festlegung einen wichtigen Beitrag, indem sie Risiken isolieren und quantifizieren und wissen, welche Maßnahmen zur Schadensvermeidung wirksam sind.

Versicherungen decken Sachschäden und Schäden durch Betriebsunterbrechungen.

Haftpflichtversicherungen sind ebenfalls von fundamentaler Wichtigkeit für Privatunternehmen, die öffentliche Dienstleistungen erbringen.

Das Interview führte VWheute-Redakteur Rafael Kurz.

Bild: Jürgen Cherreck (Quelle: XL-Group)

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