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Public Private Partnership: Worauf es für Versicherer ankommt

02.02.2015 – stanczyk_150Erneuerung und Aufbau der Infrastruktur ist ein Haupterfordernis am Wirtschaftsstandort Deutschland. Notwendige Investitionen im Verkehrswesen und auch in den Datennetzen überfordern die staatlichen Finanzen. Eine Kooperation mit privaten Investoren drängt sich auf. Als verlässlicher Mitspieler und Wachstumstreiber für den Staat sind die Versicherer gefragt, doch sie werden auch eingeengt.

Public Private Partnership (PPP) lautet die Formel, die den Business-Takt im Infrastruktursektor verstärkt angeben soll. Inhaltlich basieren die Modelle auf dem Prinzip, die öffentliche Leistungserstellung über ihren vollen Lebenszyklus zu planen, zu betreiben, zu finanzieren und zu verwerten. Strategisch soll die Zusammenarbeit zwischen Staat und Privatwirtschaft ein höheres Qualitätsniveau erzeugen.

„Für Versicherer und Pensionsfonds sind PPPs eine langfristige Anlageform, abgesichert durch kontinuierliche Einnahmen des Staats, der nicht insolvent gehen kann“, erklärt Christian Scherer-Leydecker, erster Vorsitzender des BPPP. „Es ist nicht einzusehen, dass das Geld der deutschen Versicherten in australische oder chilenische Autobahnen fließt und in Deutschland diese Anlageform weitgehend versperrt bleibt.“ Die Idee solcher Partnerschaften ist nicht unumstritten. PPP-Gegner kritisieren etwa, dass sich der Staat seine Verantwortung für die Infrastruktur von Wirtschaftsplayern abkaufen lasse, wie eine einschlägige Online-Recherche der Versicherungswirtschaft bestätigt. Der Bundesrechnungshof moniert die Unwirtschaftlichkeit der Unternehmungen.

In seinem umfangreichen Argumentationskatalog wehrt sich der Bundesverband Public Private Partnership (BPPP) gegen die Vorwürfe. Bisher durchgeführte Projekte in Deutschland würden deutliche Effizienzgewinne mit sich bringen: Zeiteinsparungen, höheres Know-how des Privaten, Gesamtprozessoptimierung im Lebenszyklusansatz und die Sicherstellung der Werterhaltung betreffender Objekte gehören u.a. dazu. Ein grundsätzlicher Widerspruch zwischen privater Beauftragung und öffentlicher Aufgabe bestehe nicht.

Private Public Partnerships

(Klicken zum Vergrößern) Grafik: Public Private Partnership im Hoch- und Straßenbau: Das Investitionsvolumen belief sich im vergangenen Geschäftsjahr auf 990 Mio. Euro (Quelle: ÖPP AG)

Mit einem Kapitalanlagebestand von mehr als einer Billion Euro zählen Versicherer zu den größten institutionellen Investoren im Land. Tatsächlich fließt aus diesem Bestand weniger als ein Prozent in Infrastrukturprojekte. Zurückzuführen ist der Investment-Deadlock auf eine mangelnde Anzahl von ausgeschriebenen Projekten und strikte aufsichtsrechtliche Vorgaben. „Die Hemmnisse liegen weniger auf der Seite der Versicherer. Die Allianz hat über fünf Mrd. Euro in Infrastruktur investiert. Davon leider wenig in Deutschland. Hier fehlt es an Projekten sowie an detaillierten Projektbeschreibungen und -anforderungen“, erläutert Allianz-Vorstand Maximilian Zimmerer.

Gerade Versicherer unterliegen aufgrund ihrer unternehmerischen Kernaufgabe harten aufsichtsrechtlichen Beschränkungen. Unter Solvency II z.B. sollen Eigenkapitalinvestitionen in Infrastruktur oder erneuerbare Energien unter „sonstige Aktienrisiken“ subsumiert und zur Quote für nicht notierte Beteiligungen hinzugerechnet werden. Dazu zählen auch Investitionen in Hedgefonds oder Private Equity, die allerdings deutlich höhere finanzielle Risiken aufweisen würden, berichtet der GDV. Public Private Partnerships setzen ein positives Klima voraus. “Das erfordert finanzierbare und auf dem Sekundärmarkt veräußerbare Verträge mit einer sachgerechten Risikoverteilung, sagt Scherer-Leydecker. „Infrastrukturinvestoren sind keine „Heuschrecken“, sondern solide Bauunternehmen, Dienstleister und Finanzinstitutionen.“

Versicherer stehen bereit, um langfristig neue Infrastruktur zu finanzieren, doch sie fordern bessere Konditionen – einen geregelten ordnungspolitischen Rahmen, aufsichtsrechtliche Stabilität und ein angemessenes Rendite-Risikoprofil. „Bei den von uns langfristig investierten Geldern handelt es sich um Kundenersparnisse, die der Altersvorsorge dienen und oft über Jahrzehnte angespart werden. Die Kunden müssen sich darauf verlassen können, dass ihre Investments sicher sind“, erklärt Zimmerer. Eine prinzipielle Kooperationsbereitschaft zwischen Staat und Privatwirtschaft gibt es schon. Was fehlt ist der befreiende Ruck und ein Commitment mit politisch konsequentem Schub. Die Modernisierung des Standorts setzt eine Modernisierung des Denkens und des Managements in der Partnerschaft zwischen Staat und Unternehmen voraus. (mst)

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