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Provisionsverbot befeuert Vermittlerschwund

08.12.2016 – BeenkenDie einseitige Bevorzugung der Honorarberatung würde das Angebot an Altersvorsorge in Deutschland verknappen. “Leidtragende wären vor allem Geringverdiener”, sagt Matthias Beenken. “So wie der Referentenentwurf zur IDD-Umsetzung ausgestaltet ist, müssten die Makler zwangsläufig Honorarberater werden, wollten sie nicht auf einen relevanten Teil ihrer Kunden verzichten”, glaubt der Professor von der FH Dortmund.

Laut der Assekurata-Studie “Einfluss der Vermittlerregulierung auf die private Altersvorsorge der deutschen Bevölkerung” würden regulatorische Maßnahmen – speziell ein Provisionsverbot – die Zahl der hauptberuflichen Vermittler innerhalb von vier Jahren auf rund 95.000 fast halbieren. Neben den betriebswirtschaftlichen Konsequenzen eines Provisionsverbotes für den Vermittler wird dabei der demographisch bedingte Vermittlerrückgang berücksichtigt.

“Eine genauere Analyse zeigt, dass gerade Geringverdiener in Fragen der Altersvorsorge vermehrt die Unterstützung von Versicherungsmittlern in Anspruch nehmen”, so Studienautor Markus Kruse, Geschäftsführer der Assekurata Solutions. Um die Auswirkungen der Struktur der Berater auf die Versorgung der Verbraucher in Deutschland mit privater Altersvorsorge zu untersuchen, wurde das deutsche System mit dem niederländischen und dem britischen verglichen, in welchen bereits Provisionsverbote für kapitalbildende Altersvorsorgeprodukte herrschen.

Für Deutschland halten die Studienautoren eine Regulierung, die sich am Leitbild der unabhängigen Beratung gegen Honorar orientiert, für “riskant”. Denn: Deutschland weise im Länder-Vergleich die niedrigsten Ersatzquoten auf. Dies liege am geringeren Versorgungsgrad der betrieblichen Altersversorgung, die in Deutschland nicht verpflichtend sei. Unter den rund 750 Befragten aus Deutschland erhielt das Provisionssystem mit 43,0 Prozent den breitesten Zuspruch vor dem selbständigen Abschluss im Internet und der Honorarberatung.

Die befragten Niederländer und Briten bevorzugten hingegen den Internetabschluss mit 44,0 Prozent beziehungsweise 46,0 Prozent. Den deutschen Kunden wird ein “ungebrochen großes Vertrauen” in das Provisionsmodell bescheinigt. Dies müsse der Markttransparenz keineswegs im Weg stehen. Speziell ideologische Diskussionen, die im Kontext der Honorarberatung geführt werden, müssten sich an dem Anspruch eines funktionierenden Markts in allen sozialen Schichten der Bevölkerung messen lassen. Die Autoren verweisen darauf, dass in Großbritannien gerade nach Lösungen gesucht wird, die aus der Provisionsverbot entstandene Unterversorgung bestimmter Bevölkerungsschichten zu beheben. (lie)

Bild: Matthias Beenken, Lehrstuhlinhaber an der Fachhochschule Dortmund. (Quelle: Fachhochschule Dortmund)

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