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Spezialversicherer für Provenienz-Fallen

09.05.2014 – gemaelde-klimt-150Provenienzfragen sind angesichts spektakulärer Restitutionsfälle – etwa zwei Klimt-Gemälde für je mehr als 100 Mio. Euro – mittlerweile so heikel geworden, dass ohne Überwälzung des Risikos auf einen Art Title Insurer sich manche Verkäufe nicht mehr realisieren lassen. Auch der von einzelnen Rechtsordnungen (z.B. Deutschland) vorgesehene gutgläubige Erwerb bei Auktionen hilft nicht weiter, da andere Rechtsordnungen diese Erleichterung für Käufer nicht kennen.

Ein nach deutschem Recht gutgläubig erworbenes Werk kann durchaus einer Beschlagnahmung in den USA unterliegen. Darum geht es derzeit in einem ein Gemälde von Lodovico Carraccis (1555–1619) betreffenden Prozess des New Yorker Kunsthändlers Richard Feigen gegen das Kölner Kunsthaus Lempertz. Auch im Fall der Gurlitt-Sammlung werden Herkunftsfragen gestellt (siehe MÄRKTE). Einen gewissen Schutz vor Fälschungen bieten Werksverzeichnisse. Jedoch gibt es immer wieder Streit was die werterhöhende Aufnahme attributierter Werke ins Verzeichnis betrifft. Gefahr lauert hinsichtlich der Delegation der Kunstproduktion an Dutzende von Gehilfen.

Die Arist Title Insurance Group will sich jetzt in Luxemburg niederlassen und in den europäischen Markt eintreten. Der Spezialversicherer für Provenienzrisiken, insbesondere von Kunstwerken und anderen wertvollen Sammlungsobjekten wird von namhaften Rückversicherern sowie von der eigenen Muttergesellschaft mit Kapazität unterstützt.

Title Insurance ist eine Garantieversicherung hinsichtlich von Rechtsmängeln. In Europa wird von einzelnen Versicherern im Allgemeinen für solche Schadenexposures lediglich eine Rechtsschutzversicherung angeboten, deren Auschlüsse zahlreich sind und deren Limits äußerst niedrig liegen, zum Beispiel 100.000 Euro. Aris um CEO Lawrence Shindell  und COO Bodo Sartorius leistet eigenen Angaben zufolge die volle Entschädigung in Höhe des „fair market value“ des versicherten Gegenstands. Der Spezialversicherer deckt diese Risiken unabhängig von der Art des Erwerbsvorgangs und ohne Ausschlüsse von Folgen von Umständen zu fordern, die der Versicherungsnehmer kannte oder die er hätte kennen müssen. Zusätzlich übernimmt Aris auf eigene Kosten das aktive Underwritingmanagement und stützt sich zu diesem Zweck auf diverse Underwriting-Hilfsmittel, zum Beispiel eine eigene Datenbank, wie sie in den USA für Title Insurer vorgeschrieben ist.

Fehlerhafte Rechtstitel aufgrund eines früheren Diebstahls/Abhandenkommens, insbesondere während Kriegen und revolutionären Umstürzen, Veräußerung durch nur scheinbar Berechtigte, Verletzung von Exportverboten und  Beeinträchtigung durch Gläubigerrechte. Die Policen werden gegen eine bei zwischen zwei und drei Prozent des Werts liegende Einmalprämie abgeschlossen, meist anlässlich eines Erwerbsvorgangs. Gegenwartskunst betreffende oder Kreditgeber schützende Policen kosten häufig lediglich ein Prozent, Policen mit möglicher Exponierung aufgrund von Erwerbsvorgängen während der 1930er und 1940er häufig mehr als drei Prozent. (cpt)

Lesen Sie weitere Details zu Provenienz-Fragen, zu “sleep easy”-Versicherungen ganzer Sammlungen und zum Vorhaben von Aris, eine weltweite Dokumentation vorhandener und zu schaffender Kunst zu implementieren auf Seite 54 der aktuellen Ausgabe des Business- und Managementmagazins Versicherungswirtschaft (Heft 5/2014).

Foto: Ein echter Klimt kann ein Fall für den Spezialversicherer sein.

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