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“Das Thema Pflege wird von vielen fortgeschoben”

09.09.2014 – Juergen_WasemWas auf die Bevölkerung durch die künftige Pflegereform zukommt, erläutert Jürgen Wasem, Lehrstuhlinhaber für Medizinmanagement an der Universität Duisburg-Essen im Gespräch mit VWheute-Korrespondent Uwe Schmidt-Kasparek. Wasem ist Teilnehmer der heutigen Podiumsdiskussion „Pflege als Verantwortung einer alternden Gesellschaft – wie lösbar“ auf dem 14. PKV-Forum der Continentale Krankenversicherung in Köln.

VWheute: Herr Wasem, es wird bald einen neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff geben. Wird die Pflege dann teurer?

Jürgen Wasem: Ja, die Koalition hat dafür rund 2,5 Milliarden Euro vorgesehen, weswegen 2017 der Beitragssatz in der sozialen Pflegeversicherung noch einmal um 0,2 Beitragssatzpunkte steigen wird. Auch die Beiträge in der privaten Pflegepflichtversicherung werden dann steigen müssen. Viele Experten hatten ein stärkeres Ausgabenwachstum bei Umsetzung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffes für notwendig angesehen, aber die Große Koalition hat da einen Deckel drauf gemacht.

Ist das Problem der künftigen “Pflegegesellschaft” mit den derzeitigen Regeln des gesetzlichen “Teilkaskoschutzes” sowie der ungeförderten und geförderten Pflegeversicherung gelöst?

Nur der Teilkaskoschutz ist eine Pflichtversicherung. Daher werden auch in Zukunft viele – vermutlich sogar die meisten – Menschen nicht über eine ergänzende Pflegezusatzversicherung verfügen. Bei Einführung der geförderten Pflegeversicherung ist ja auch diskutiert worden, ob man sie mit einer Pflicht zur Versicherung ausgestalten sollte, da hat sich die Politik aber schließlich gegen entschieden. In der Konsequenz wird für viele Menschen bei Eintritt von Pflegebedürftigkeit der Versicherungsschutz nicht ausreichen und sie werden Lücken in der Pflege haben.

Wie kann man Menschen motivieren, mehr für ihr Pflegerisiko vorzusorgen? Ist das notwendig?

Wenn es eine einfache Lösung gäbe, wie die Menschen motiviert werden könnten, hätten wir schon eine deutlich bessere Abdeckungsrate. Denn Produkte der Versicherungsbranche für eine bessere Absicherung des Pflegekostenrisikos gibt es schon seit nahezu 30 Jahren. Aber viele Menschen schieben das Thema fort – obwohl in hohem Alter ein großer Anteil der Menschen pflegebedürftig wird. Eine bessere Absicherung wäre notwendig. Denn die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung und der privaten Pflegepflichtversicherung sollen nur eine Teilkaskoabsicherung darstellen.

Bild: Jürgen Wasem, Lehrstuhl für Medizinmanagement Fakultät für Wirtschaftswissenschaften. (Quelle: Uni Essen/Wasem)

Link: Hintergrund Lehrstuhl Prof. Wasem

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