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Private Krankenversicherer müssen Beiträge erhöhen

09.09.2015 – pkvforum_uskDie privaten Krankenversicherer werden in den nächsten Jahren die Beiträge für ihre Kunden deutlich erhöhen müssen. Grund ist die anhaltende Niedrigzinsphase. Bisher wird die überwiegende Zahl aller Verträge noch mit einem Rechnungszins 3,5 Prozent kalkuliert. Diesen Zins können die Krankenversicherer mit ihren Kapitalanlagen aber nicht mehr erzielen. Daher muss er gesenkt werden, was deutliche Prämienerhöhungen nach sich zieht.

“Im Neugeschäft gite es bei fast allen Versicherern bereits ein Rechnungszins von 2,75 Prozent”, sagte Jürgen Wasem von der Universität Duisburg-Essen. Das hat aber keine Auswirkung für Bestandskunden. Hier müssen die Tarife einzeln neu kalkuliert werden. “Das ist aber nur möglich, wenn sogenannte auslösenden Faktoren eine Neukalkulation rechtlich erlauben”, erläuterte Reiner Will, von der Rating-Agentur Assekurata. Auslösende Faktoren sind erhebliche Kostensteigerungen oder eine Veränderung der Sterblichkeit.

Da diese Faktoren aber bisher vielfach nicht angesprungen sind, hat sich ein Erhöhungsstau gebildet. Eine Erhöhungslawine könnte daher ausgerechnet im Bundestagswahljahr 2017 stattfinden. Bei vielen Tarifen liegt der sogenannte akturielle Zins längst unter der Marke von 3,5 Prozent. Damit könnten Beitragserhöhungen dramatisch ausfallen. Denn zum Anpassungsbedarf aus der Zinsabsenkung kommen höhere Kosten.

“Die Unternehmen haben aber branchenweit sehr hohe Rückstellungen, mit denen sie Beitragserhöhungen erst einmal deutlich dämpfen können“, sagte Rating-Fachmann Will. Trotzdem machen sich die Krankenversicherer um einen Imageschaden durch Beitragserhöhungen Sorgen. “Dass die private Krankenversicherung ein Anspar- und Entsparprozess ist, weiß kaum ein Kunde”, schätzt Marcus Kremer, bei der Continentale für die Krankenversicherung zuständig.

Die Zinsproblematik sei bisher nur im Rahmen der Lebensversicherung durch die Absenkung der Überschüsse ins öffentliche Bewusstsein getreten. Zudem würden von vielen Kunden das System der privaten Krankenversicherung und die gesetzliche Gesundheitsvorsorge durcheinandergeworfen. “Ich empfehle frühzeitig das Gespräch mit Kunden zu suchen, ihnen die Situation zu erklären und sie zu zusätzlichen Sparmaßnahmen zu motivieren”, sagte Peter Przybilla vom Versicherungsmakler Hengstenberg & Partner. Den Assekuranzen empfahl Analyst Will, Beitragsentwicklungen künftig nicht mehr jährlich, sondern immer nur längerfristig darzustellen.

In den letzten drei Jahren sind privat Krankenversicherte weitgehend von Beitragserhöhungen verschont geblieben. Möglicherweise könnte aber auch die negative Entwicklung bei der gesetzlichen Krankenversicherung den Focus der Öffentlichkeit von der PKV nehmen. “Durch die hohen Gesundheitsausgaben müssen die Krankenkassen ihren Zusatzbeitrag deutlich anpassen”, prognostizierte Wasem.

Die Beitragssteigerungen würden das gesetzliche System wahrscheinlich sehr bald erreichen. Mit einer Entspannung der Zinssituation dürfen die PKV-Unternehmen hingegen nicht rechnen. “Ich sehe kein Licht am Ende des Tunnels”, sagte Tim Ockenga, Leiter Kapitalanlagen beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Da Staaten, wie Griechenland, Frankreich und Italien ihre “Hausaufgaben” immer noch nicht oder nicht ausreichend gemacht hätten, geht der Experte davon aus, dass die Niedrigzinsphase weiter anhalten wird. Eine mögliche Zinserhöhung in den USA werde Europa nicht erreichen. (usk)

Bild: PKV-Forum in Köln (Quelle: usk)

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