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PRIIPs-Verschiebung offiziell: Das erwartet die Vermittler

12.12.2016 – Beratung_Rainer Sturm_pixelioNach dem Votum des Europaparlaments haben auch die EU-Mitgliedstaaten für eine Verschiebung der Einführung eines Beipackzettels für Finanzprodukte gestimmt. Das Packaged Retail and Insurance-based Investment Products (PRIIPs) wird somit zeitgleich mit den neuen MiFID-Regeln zum 1. Januar 2018 in Kraft treten.

Der Ministerrat in Brüssel erklärte: Die PRIPPs-Verschiebung mache es möglich, die zu der Verordnung gehörenden technischen Standards (RTS) festzulegen und lasse der Industrie zugleich genügend Zeit, sich auf die neuen Regeln einzustellen. Die Verschiebung war notwendig geworden, weil das Europäische Parlament im September einen Vorschlag der Kommission für die technischen Standards zur Überarbeitung zurückgewiesen hatte. Im Gespräch war zeitweise auch eine PRIIPs-Verschiebung um nur sechs oder neun Monate gewesen.

Die PRIIP-Verordnung sieht vor, dass Kunden von Finanz- und Versicherungs-Anlageprodukten europaweit ein einheitliches Informationsblatt (Key Investor Document, kurz: KID) ausgehändigt bekommen. Und zwar derart, dass alle Basisinformationen des Produktes dem Verbraucher leicht und verständlich dargestellt werden. Diese Vergleichbarkeit hat ihre Tücken. So wurden etwa Aktien, Aktienindizes und Aktienprodukte zwischenzeitlich ähnlich riskant eingestuft wie CFDs. Im September hatte das EU-Parlament den Vorschlag der EU-Kommission für die Texte der Produktblätter blockiert, weil die Beipackzettel  “irreführende und fehlerhafte Angaben” enthalten würden. Der Streit zwischen EU-Parlament und Kommission entzündete sich vor allem an den Vorschlägen der Kommission für die technischen Regulierungsstandards (RTS). Diese Standards sollen festschreiben, welche Angaben in den Informationsblättern mindestens enthalten sein müssen – und auf welche Art sie darzustellen sind. Dem Verbraucher sollen über verschiedene Risikoszenarien gezeigt werden, mit welchem Ertrag oder Verlust er während der Zeit der Kapitalanlage rechnen kann.

Die Berechnung dieser Wertentwicklungs-Szenarien ist laut der Fondsbranche nicht ganz einfach. Investmentfonds sollen drei Szenarien zur Wertentwicklung erstellen – allerdings auf Basis von Daten aus der Vergangenheit. Dadurch entstehen Verzerrungen. Beispielsweise werden nach einem mehrjährigen Börsenaufschwung und anschließendem Einbruch der Kurse die Szenarien zu positiv ausfallen und damit die aktuelle Entwicklung ignorieren. “Die Basisinformationsblätter sind eine sinnvolle Maßnahme. Sie nutzen den Verbrauchern aber nur etwas, wenn sie unterschiedliche Finanzprodukte wirklich vergleichbar machen”, sagt Thomas Richter, Hauptgeschäftsführer des Fondsverbands BVI. Ferner kritisiert er die Vorgaben zu den sogenannten Multiple-Option-Priips wie fondsgebundene Lebensversicherungen sowie die Berechnung der Transaktionskosten.

PRIIPs ist eingebettet in MiFID-II. Dessen Regeln zur Anlageberatung wurden ebenfalls auf das Jahr 2018 verschoben. “Den Vermittlern kann das eine Jahr nur recht sein. Über die § 34 f-Regulierung wurde national bereits sehr viel von dem umgesetzt, was MiFID-II fordert”, sagt AfW-Vorsitzende Norman Wirth. Nachdem die Fondsanbieter für jeden Fonds den Zielmarkt, also den dafür geeigneten Anlegertyp, bestimmt haben, müssen Vertriebsmitarbeiter künftig sicherstellen, dass der Fonds tatsächlich nur an diese Kundengruppe vermittelt wird, Abweichungen sind zu begründen. Keine Provisionen annehmen und behalten dürfen künftig unabhängige Anlageberater sowie Finanzportfolioverwalter. Funktioniert das System tatsächlich, haben Kunden nur noch Produkte im Depot, die tatsächlich ihrem Risikoprofil entsprechen. Für den Berater wird die Produktauswahl einfacher, die Zahl der Falschberatungen würde demnach schrumpfen. (vwh/dg)

Bildquelle: Rainer Sturm / pixelio.de

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