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Politisches Änderungsrisiko dominiert die Kapitalanlage der Versicherer

07.11.2013 – Für die AachenMünchener tut Schauspiel-Ikone Mario Adorf fast alles. Zumindest in deren (Western-)Werbespot. Nur beim Geld hört seine Bereitschaft auf. Damit „spielt man nicht“,  lässt ihn die Regie da kategorisch die zentrale Botschaft des Versicherers verkünden. Heftiges „Zocken“ können sich Assekuranz-Unternehmen allerdings schon aus „systemischen“ Gründen gar nicht leisten. Ihre Kapitalanleger müssen die Mittel, die sie in Form von Versicherungsprämien bei ihren Kunden eingesammelt haben, schließlich zwangsweise so anlegen, dass sie genau dann zur Verfügung stehen, wenn – statistisch abschätzbar – ein Schadenfall eintritt oder (versicherungsmathematisch kalkulierbar) eine Lebens- oder Rentenversicherung fällig wird. Das verlangen nicht nur die immer strengeren Vorgaben der Gesetzgeber und der staatlichen Aufsichtsbehörden so, sondern schlicht ihr ureigenes Geschäftsmodell.

Die „Anlage-Kunst“ der Versicherer besteht in Konzepten nach der Traditionsformel “Sicherheit mit Rendite”.  Das erwarten die Versicherungsnehmer und ihre Kapitaleigner von ihnen, und das ist ein wesentlicher Wettbewerbsfaktor.Vordem, als das Marktzinsniveau noch relativ hoch war und die Schwankungen an den Kapitalmärkten eher behäbig daherkamen, mussten sich die Kapitalanlage-Manager der Branche nicht übermäßig anstrengen, um diese Aufgabe zu lösen. Sie ließ sich mit dem Kauf von Staatsanleihen relativ locker bewältigen. Nach wie vor besteht der Kapitalanlagebestand der gesamten Branche in Höhe von rund 1,3 Billionen Euro zu gut vier Fünfteln aus solchen Titeln.

Diese  eher geruhsamen Zeiten sind jedoch spätestens seit der Bankenkrise vor fünf Jahren und der nachfolgenden Staatsschulden-Krise vorbei. Seither sehen sich die Versicherer – aber nicht nur sie – vor allem politischen Risiken mit bislang unbekannten, schwer beherrschbaren Dimensionen ausgesetzt.

An den Umgang mit einer Europäischen Zentralbank, die zur Rettung des Euro-Systems mit geldpolitischen Mitteln Marktmechanismen außer Kraft setzt und künstlich ein extrem niedriges Dauer-Zinstief schafft, müssen sie sich offensichtlich noch immer erst gewöhnen. Die  Sanierung des Kfz-Geschäfts etwa, in dem früher aus Wettbewerbsgründen  technische Verluste in Kauf genommen wurden, weil sie sich durch Kapitalanlage-Ergebnisse kompensieren ließen, ist  dafür ebenso Indiz wie die angestrengte Suche nach Alternativen zu den klassischen Garantien in der Lebensversicherung.

Auffällig häufig fiel  in jüngster Zeit wieder der lange eher verpönte Begriff „Immobilien“, wenn von Anlagestrategien in der Branche die Rede war. Umso skeptischer werden die Versicherer daher jetzt auf die aktuellen Berliner Koalitionsverhandlungen blicken und das, was dort beispielsweise unter dem Stichwort „Mietpreis-Bremse“ beschlossen wurde. Dies zumal deshalb, weil sich die Nachfrage nach Wohn- wie nach Geschäftsraum regional sehr unterschiedlich entwickelt und dort, wo sie groß ist, längst auch die Preise in die Höhe geschossen sind. Zudem sorgt die Politik gleichzeitig qua neuer Trinkwasserverordnung ebenso wie zwecks Erreichung der Energie-Einsparziele für ständig weitere Belastungen für Immobilieneigentümer.

Begrenzt ist inzwischen für Versicherer wohl weitgehend auch die Chance, von weiterem Höhenflug an den Aktienmärkten zu profitieren. Zudem sieht die staatliche Aufsicht in der Beteiligung am Produktivkapital der Volkswirtschaft offenbar ein sehr hohes Risiko, das einer hohen Eigenkapital-Unterlegung bedarf.

Ähnliches gilt, wenn es um sogenannte alternative Kapitalanlagen geht. Natürlich ist auch den Versicherern  nicht entgangen, dass für die Umsetzung der Energiewende wie für die Sanierung der maroden Infrastruktur ein geradezu gigantischer Kapitalbedarf besteht. Das Problem ist jedoch auch hier, dass  Investitionen in diese Bereiche aufsichtsrechtlich ebenfalls eher argwöhnisch beäugt und entsprechend behandelt werden.Und das inzwischen möglicherweise sogar mit gutem Grund. Mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) bisheriger Prägung konnten Investoren ihre künftigen Erträge über lange Zeit hinweg nämlich sehr zuverlässig kalkulieren. Zugleich konnten sie ziemlich gewiss sein, dass keine Korrelation zu den Entwicklungen an den Kapitalmärkten besteht.

Für sicherheitsorientierte Versicherer – man muss wohl sagen – war diese Perspektive natürlich ganz besonders verlockend. Perspektivisch weniger beruhigend sind jedoch die EEG-Nebenwirkungen in Gestalt explodierender Strompreise für die Verbraucher. Und damit sehen sich die Anlagemanager der Versicherer auch hier wieder in hohem Maße mit einem politischen Änderungsrisiko konfrontiert, wie die Koalitionsrunden hier signalisieren. (rem)

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